Fiat - 130 (1974)

 

Mit dem Fiat 130 versuchten die Turiner 1969 zum ersten Mal seit den 30er Jahren wieder ein luxuriöses Oberklassemodell auf dem Markt zu etablieren

In Fiats hauseigenem Designzentrum, dem Centro Stile hatte der damalige Chefdesigner Mario Felice Boano eine große Limousine mit luxuriöser Ausstattung geschaffen. Die Formgebung wirkte klassisch nüchtern ohne viel modischen Schnickschnack und war sozusagen für „ewig“ gültig. De facto hatte Boano sich an der Linienführung des Fiat 128 orientiert und sie in einem größeren Maßstab und eleganterer Weise umgesetzt. Die luxuriöse Limousine war mit viel Komfort versehen, so gab es elektrische Fensterheber, auf Wunsch eine Klimaanlage, Transistorzündung, Leichtmetallräder, eine Lederausstattung, eine besonders reichhaltige Instrumentierung, eine in der Länge verstellbare Lenksäule, Sonnenrollos am Heckfenster, Kindersicherung, eine Dreistufen-Automatik von Borg Warner (auf Wunsch war auch ein Fünfganggetriebe von ZF zu haben) und vieles mehr. Auch die Chromausstattung war recht üppig.

Unter der Motorhaube arbeitete ein von Aurelio Lampredi entwickeltes V-Sechszylindertriebwerk mit obenliegenden Nockenwellen

Der Motorenspezialist Aurelio Lampredi war gerade von Ferrari zu Fiat gewechselt und just mit der Entwicklung der neuen ohc Vierzylindermotoren für Fiat beschäftigt. Auch der neue V-Sechszylindermotor mit 2,9 l Hubraum für den Fiat 130, der später auf 3,2 l aufgestockt wurde, basierte auf ähnlichen Konstruktionsmerkmalen wie die Vierzylinder-Lampredi-Motoren. So hatte Lampredi mit einer genialen Idee zur einfacheren Einstellung des Ventilspiels die obenliegende Nockenwelle in einem Großserienmodell erst wirtschaftlich gemacht. Distanzplättchen, die oben in die Tassenstößel eingelegt wurden, ermöglichten die Einstellung des Ventilspiels ohne eine Demontage der Nockenwelle. Wie die Vierzylindermotoren so war auch der Lampredi-V6 ein Kurzhuber, besaß zweiteilige Zylinderköpfe und einen Zahnriemenantrieb der obenliegenden Nockenwellen. Er galt als drehfreudig und hatte einen seidenweichen Lauf.

Der Fiat 130 überzeugte mit guten Fahrleistungen, einem agilen Fahrwerk und einem großen Raumangebot

In nur 11,9 Sekunden beschleunigte die Limousine mit dem großen V-6-Triebwerk und Automatikgetriebe auf 100 km/h. Ausgerüstet mit dem Schaltgetriebe ging es noch etwas schneller.

Unter Kennern errang Fiats Experiment in der Oberklasse bald ein gutes Renommee. Wirklich durchsetzten konnte sich der Fiat 130 aber weder im Inland noch auf dem Exportmarkt. So wurden von 1969 bis 1976 lediglich um die 15000 Exemplare verkauft.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: V-Sechszylinder mit obenliegenden Nockenwellen

Hubraum: 3235 ccm

B x H: 100,02 mm x 66 mm

Leistung: 165 PS bei 5800 U/min

max. Drehmoment: 249 Nm bei 3400 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h

Vergaser: Weber Fallstrom-Doppelvergaser 45 DFC

Getriebe: Dreistufen-Automatikgetriebe von Borg-Warner; wahlweise Fünfganggetriebe von ZF

Antriebsart: Hinterradantrieb

Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie

Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung mit Torsionsfedern

Hinterradaufhängung: Einzelradaufhängung an Querlenkern mit Torsionsstäben

Bremsen: Scheibenbremsen vorn und hinten

Radstand: 2720 mm

L x B x H: 4812 x 1760 x 1380 mm

Gewicht: 1605 kg

Preis 1973: ca. 10000 DM

Bauzeit: 1967-1976

 

 

Bilder

Ton

Informationen:

MarkeFiat
Model130
Baujahr1974

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