Mit dem Fiat 130 versuchten die Turiner 1969 zum ersten Mal seit den 30er Jahren wieder ein luxuriöses Oberklassemodell auf dem Markt zu etablieren
In Fiats hauseigenem Designzentrum, dem Centro Stile hatte der damalige Chefdesigner Mario Felice Boano eine große Limousine mit luxuriöser Ausstattung geschaffen. Die Formgebung wirkte klassisch nüchtern ohne viel modischen Schnickschnack und war sozusagen für „ewig“ gültig. De facto hatte Boano sich an der Linienführung des Fiat 128 orientiert und sie in einem größeren Maßstab und eleganterer Weise umgesetzt. Die luxuriöse Limousine war mit viel Komfort versehen, so gab es elektrische Fensterheber, auf Wunsch eine Klimaanlage, Transistorzündung, Leichtmetallräder, eine Lederausstattung, eine besonders reichhaltige Instrumentierung, eine in der Länge verstellbare Lenksäule, Sonnenrollos am Heckfenster, Kindersicherung, eine Dreistufen-Automatik von Borg Warner (auf Wunsch war auch ein Fünfganggetriebe von ZF zu haben) und vieles mehr. Auch die Chromausstattung war recht üppig.
Unter der Motorhaube arbeitete ein von Aurelio Lampredi entwickeltes V-Sechszylindertriebwerk mit obenliegenden Nockenwellen
Der Motorenspezialist Aurelio Lampredi war gerade von Ferrari zu Fiat gewechselt und just mit der Entwicklung der neuen ohc Vierzylindermotoren für Fiat beschäftigt. Auch der neue V-Sechszylindermotor mit 2,9 l Hubraum für den Fiat 130, der später auf 3,2 l aufgestockt wurde, basierte auf ähnlichen Konstruktionsmerkmalen wie die Vierzylinder-Lampredi-Motoren. So hatte Lampredi mit einer genialen Idee zur einfacheren Einstellung des Ventilspiels die obenliegende Nockenwelle in einem Großserienmodell erst wirtschaftlich gemacht. Distanzplättchen, die oben in die Tassenstößel eingelegt wurden, ermöglichten die Einstellung des Ventilspiels ohne eine Demontage der Nockenwelle. Wie die Vierzylindermotoren so war auch der Lampredi-V6 ein Kurzhuber, besaß zweiteilige Zylinderköpfe und einen Zahnriemenantrieb der obenliegenden Nockenwellen. Er galt als drehfreudig und hatte einen seidenweichen Lauf.
Der Fiat 130 überzeugte mit guten Fahrleistungen, einem agilen Fahrwerk und einem großen Raumangebot
In nur 11,9 Sekunden beschleunigte die Limousine mit dem großen V-6-Triebwerk und Automatikgetriebe auf 100 km/h. Ausgerüstet mit dem Schaltgetriebe ging es noch etwas schneller.
Unter Kennern errang Fiats Experiment in der Oberklasse bald ein gutes Renommee. Wirklich durchsetzten konnte sich der Fiat 130 aber weder im Inland noch auf dem Exportmarkt. So wurden von 1969 bis 1976 lediglich um die 15000 Exemplare verkauft.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: V-Sechszylinder mit obenliegenden Nockenwellen
Hubraum: 3235 ccm
B x H: 100,02 mm x 66 mm
Leistung: 165 PS bei 5800 U/min
max. Drehmoment: 249 Nm bei 3400 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Vergaser: Weber Fallstrom-Doppelvergaser 45 DFC
Getriebe: Dreistufen-Automatikgetriebe von Borg-Warner; wahlweise Fünfganggetriebe von ZF
Antriebsart: Hinterradantrieb
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung mit Torsionsfedern
Hinterradaufhängung: Einzelradaufhängung an Querlenkern mit Torsionsstäben
Bremsen: Scheibenbremsen vorn und hinten
Radstand: 2720 mm
L x B x H: 4812 x 1760 x 1380 mm
Gewicht: 1605 kg
Preis 1973: ca. 10000 DM
Bauzeit: 1967-1976