1962 NSU Sportprinz
NSU aus Neckarsulm, damals der größte Motorradhersteller der Welt, brachte Anfang 1958 mit dem Prinz einen erfolgreichen Kleinwagen auf den Markt
Automobile hatten die Neckarsulmer in ihrer Geschichte schon mal zwischen 1906 und 1928 hergestellt, sich dann aber auf die Motorradproduktion konzentriert. Da der Motorradabsatz in den 50er Jahren aber stetig schrumpfte, suchte auch der größte Zweiradhersteller nach Alternativen. Der Prinz sollte zum Glückstreffer werden. Sein Konzept war das eines ausgewachsenen Automobils, nur eben eine Stufe kleiner. Er bot genügend bequemen Platz für vier Insassen mit samt Gepäck, denn im Bug des mit einem Heckmotor bestückten Fahrzeugs befand sich ein relativ geräumiger Kofferraum. Zudem besaß der Prinz eine gefällige Form mit selbsttragender Karosserie. Seine Räder waren allesamt unabhängig aufgehängt, vorn an Dreieckquerlenkern und hinten an einer Pendelachse. Bereits das Fahrverhalten des ersten Prinzen wurde gelobt. Bestückt war der Prinz mit einem 600 ccm- Zweizylinder-Viertaktmotor und einem Vierganggetriebe mit Mittelschaltung. Das besondere an dem Parallel-Twin war die Steuerung der obenliegenden Nockenwelle über Schubstangen, einem Prinzip, das schon Walter Owen Bentley bei seinen Fahrzeugen angewendet hatte.
Wenige Monate nach Einführung des Prinz I stellte NSU Ende 1958 den Sportprinz, eine bildhübsche 2 +2 Coupéversion mit einer Karosserie aus dem Hause Bertone vor. Das technische Konzept blieb dasselbe wie beim Prinz
Chefdesigner des in der Nähe von Turin ansässigen Karossiers war damals Franco Scaglione, der die zeitlos schöne Linienführung des Sportprinzen mit Fließheck und großzügigen Fensterflächen als eine seiner letzten Arbeiten für Bertone schuf. Bekannt war Scaglione auch für die stilistisch gelungenen Formen des Ferrarina-Coupés, der BAT-Prototypen von Alfa Romeo oder dem Alfa Romeo Sprint Speziale und Alfa Romeo T33 Stradale. Bei Bertone entstanden auch die ersten 2715 Exemplare des Sportprinzen. Erst ab 1962 übernahm Karossiers Drauz aus Heilbronn die Fertigung.
Der Sportprinz war ein Blickfang und entstand primär, wie der Karmann-Ghia bei VW, als chices Pendant zum Basismodell
Der Parallel-Twin leistete im Sportprinzen 30 PS bei 5800 U/min und brachte ihn auf eine Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h. Sogar getunte Versionen für den Sport gab es von ihm mit bis zu 45 PS-Leistung. Dann machten sich allerdings die thermischen Probleme aller Prinzen besonders bemerkbar, da die Luftansaugung, wie beim Porsche, in der Mitte lag, wo der größte Unterdruck beim Auto besteht. Im Grunde war der elegante Sportprinz aber viel zu schade für den rauen Wettbewerb. Gebaut wurden von ihm bis 1967 ungefähr 21000 Exemplare, die nicht nur in Deutschland sondern weltweit Freunde fanden.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten NSU Sportprinz
Motor: ohc Zweizylinderreihenmotor im Heck
Hubraum: 583 ccm (1959-1961); 598 ccm (1961-1967
B x H: 75 x 66 mm (1959-1961); 76 x 66 mm (1961-1967)
Verdichtung: 7,5:1
Leistung: 30 PS bei 5600 U/min
Drehmoment: 4,5 mkg bei 3250 U/min (ab 1961)
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h laut Werksangabe; 120 km/h tatsächlich
Vergaser: (1959-1961)-Bing Fallstrom; (1961-1967)-Solex Fallstrom
Elektrik: Dynastartanlage, 12 Volt Batteriezündung
Getriebe: Vierganggetriebe
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung
Antrieb: Hinterradantrieb
Vorderradaufhängung: Trapezdreieckslenker, Schraubenfedern, hydraulische Stoßdämpfer, ab 1961 Querstabilisator
Hinterradaufhängung: Pendelachse, Schraubenfedern, hydraulische Stoßdämpfer
Lenkung: Zahnstangenlenkung
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen, ab 1961 vorn Scheibenbremsen
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie, 2 + 2 Coupé, Entwurf von Franco Scaglione bei Bertone
Radstand: 2000 mm
L x B x H: 3560 x 1520 x 1235 mm
Gewicht: 565kg
Verbrauch: 6,2 Liter Normalbenzin
Bauzeit: 1959-1967
Stückzahl: 20831 Ex.
Preis:1959-6550 DM;1965- 5133 DM