Der erste Morris Minor wurde von 1928 bis 1934 gebaut und war eine Reaktion auf das erfolgreiche Kleinwagenmodell Seven des Konkurrenten Austin
Schon dieser Minor war ein recht erfolgreicher Kleinwagen, wurde dann aber vom Morris Eight verdrängt.
Nach dem Krieg entwickelte ein Team um den später für die Konstruktion des Minis so berühmt gewordenen Ingenieur Alec Issigonis ein modernes Konzept für einen völlig neuen Minor-Kleinwagen. Heraus kam dabei ein gutes, kleines und sehr langlebiges „Family-Car“ zu einem günstigen Preis, das in seinen verschiedenen Ausführungen bis zum Bauende 1972 die Millionengrenze (1,6) in der Verkaufsstatistik locker knackte und als der englische „Volkswagen“ der 50er Jahre gilt
Der neue Minor MM, der 1948 vorgestellt wurde, besaß eine selbsttragende und ansprechend geformte Ganzstahlkarosserie mit in den Wagenkörper integrierten Scheinwerfern. Seine Formgebung erinnerte ein wenig an amerikanisches Design im Kleinformat. Er hatte eine relativ breite Spur und eine vordere Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Torsionstabfedern. Der Prototyp war ursprünglich um 10 Zentimeter schmaler, doch Alec Issigonis hielt es für besser, das Serienmodell zu verbreitern und setzte in der Mitte einen Streifen zu. Für einen Kleinwagen verfügte der Minor über einen recht geräumigen Innenraum, war handlich in der Bedienung, besaß eine neu entwickelte Zahnstangenlenkung und zeichnete sich, bestückt mit 14-Zoll-Rädern, durch ein sehr gutes Kurvenverhalten aus. Vom Fahrverhalten her war er um Längen besser als der VW Käfer. Issigonis soll viel vom neuen Morris Minor gehalten haben, lediglich die Verwendung des seitengesteuerten Vorkrieg-Triebwerks aus dem Morris Eight ärgerte ihn. Ursprünglich sollte ein neuentwickelter Boxermotor zum Einsatz kommen. Doch diese Idee wurde aus Kostengründen wieder verworfen. Angeboten wurde der MM als zwei,- und viertürige Limousine und als Cabriolet, kurz Tourer genannt (die Bezeichnung Cabriolet passt wegen der feststehenden hinteren Scheiben nicht wirklich). Ab 1951 wanderten die zuvor innerhalb der Kühlergrilleinrahmung sehr tief liegenden Scheinwerfer aus Sicherheitsgründen etwas höher und saßen nun außerhalb der Einfassung in den Kotflügeln. Außerdem waren sie größer dimensioniert.
Die von 1952 bis 1956 angebotene Serie 2 des Morris Minor erhielt den ohv Reihenvierzylinder des Austin Seven (A30) mit 800 ccm Hubraum, 30 PS Leistung und im Zylinderkopf hängenden Ventilen
Das war problemlos möglich, weil die beiden ehemaligen großen Konkurrenten auf dem britischen Automarkt 1952 in der BMC (British Motor Company) zusammengeführt wurden. Dazu zählten die Nuffield Gruppe mit den Marken Morris, MG, Wolseley und Riley sowie Austin und Austin-Healey.
Neben dem leistungsfähigeren Motor gab es noch einige kleinere Detailverbesserungen bei der Serie 2
Im Laufe der Zeit wurde auch der Innenraum des Minor etwas überarbeitet und 1955 nahm der große Tachometer eine mittige Position im Armaturenbrett ein. Ab 1954 änderte sich auch das Design des Kühlergrills, der nun eine breite, horizontale Verstrebung erhielt. Auch die Blinker wanderten weiter nach außen. Im Herbst 1956 wurde die Serie 2 vom Minor 1000 mit auf 948 ccm Hubraum vergrößertem Austin-Motor und mit nun ungeteilter, gewölbter Windschutzscheibe abgelöst. Von der Serie 2 waren bis dahin in ihrer knapp fünfjährigen Produktionszeit gut 318000 Exemplare entstanden. Neben der Limousine (zwei oder viertürig) und dem Cabriolet (Tourer) hatten sich auch noch ein mit Holzelementen bestückter Kombi (Traveller), ein Pick-Up und ein Van zum Angebot hinzugesellt.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Reihenvierzylinder
Hubraum: 804 ccm
B x H: 58 mm x 76 mm
Verdichtung: 7,2:1
Leistung: 30 PS bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 100 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Vorderradaufhängung: Doppelquerlenker, Torsionsstabfedern
Hinterradaufhängung: Starrachse mit Blattfedern
Bremsanlage: Trommelbremsen
Radstand: 2180 mm
L x B x H: 3760 mm x 1520 mm x 1510 mm
Gewicht: 750 kg
Bauzeit: 1952-1956
Stückzahl: 318000 Ex.