„Zwei Kilo Blech, ein Kilo Lack-fertig ist der Hanomag“-war ein landläufiger Spottvers über den in den 20er Jahren angebotenen Kleinwagen-Bestseller Hanomag Kommissbrot mit Halbliter-Einzylinder-Heckmotor. Hanomag versuchte mit diesem Kleinwagen, der als das erste Fließband-Auto Deutschlands gilt und eine der ersten Pontonkarosserien besaß, ein einfaches und zuverlässiges Auto zu konstruieren. Man merkte aber bald, dass man ein „normaleres“ Auto bauen musste. So drang die Hannoversche Maschinenbau AG (Hanomag) in den frühen 30er Jahren in die Sphäre der „echten“ Automobile ein und präsentierte schließlich mit den Modellen Garant und Kurier geräumige, viersitzige und äußerst zuverlässige Modelle mit vorn eingebauten und seitengesteuerten 1,1l Vierzylindermotoren, unabhängiger Vorderradaufhängung, hydraulischen Bremsen und Ganzstahlkarosserien.
Diese Karosserien kamen von Ambi-Budd, einem deutsch-amerikanischen Unternehmen aus Berlin, das viele Automobilproduzenten in Deutschland mit Ganzstahlkarosserien eindeckte. Ganzstahlkarosserien konnte man nur in großen Stückzahlen produzieren. Deshalb verkaufte Ambi-Budd dieselben Karosserien an viele Hersteller. So glichen sich natürlich die Formen der Fahrzeuge dieser Hersteller bis auf markentypische Kennzeichen.
Das von 1934 bis 1938 gebaute Modell Kurier Typ 11K unterschied sich vom Parallelmodell Garant 11 vor allem durch seinen neuen Kastenprofil-Niederrahmen und den längeren Radstand. Der Garant hatte wie die frühen Modelle der 30er Jahre einen U-Profil-Pressstahlrahmen. Auch war die Ganzstahlkarosserie von Ambi-Budd beim Kurier 11K moderner und größer ausgelegt. Diese zweitürige Ambi-Budd- Limousinen-Variante nannte sich „Jupiter“ und war etwas länger und breiter als diejenige des Garant. Auch war sie die einzige Karosserieform, die für den Kurier angeboten wurde. Den Garant gab es hingegen auch als Cabrio-Limousine mit einem konventionellen Aufbau von Karmann in Holz-Stahl-Gemischbauweise.
Für die 1,1 l-Modelle Garant und Kurier verwendete Hanomag den bereits bewährten und zuverlässigen, seitengesteuerten Reihenvierzylindermotor mit 88 mm Hub, nun dreifach gelagerter Kurbelwelle und Stirnradantrieb der seitlichen Nockenwelle
Das in Gummipolster gebettete Triebwerk war solide und auf Langlebigkeit hin konstruiert, wie der komplette Hanomag. Die Räder waren vorn unabhängig an einem Querlenker und einer Querfeder aufgehängt, hinten gab es eine Starrachse mit Halbfedern. Verzögert wurde über hydraulische Öldruckbremsen an allen vier Rädern. Das zwar unsynchronisierte aber leicht zu schaltende Vierganggetriebe wurde über eine Mittelschaltung betätigt. Auch der Innenraum des Kurier war funktional, unprätentiös aber vollkommen ausreichen ausgestattet mit vier Rundinstrumenten im Armaturenbrett aus Blech, Handschuhablagen, Seitentaschen, gut zugänglichen hinteren Sitzplätzen und einem geräumigen, von außen zu öffnenden Kofferraum.
Wegen seiner Qualitäten wurde der kleine Kurier auch gern als Taxi eingesetzt. Schließlich sprachen seine Zuverlässigkeit, die moderaten Kosten für Anschaffung und Unterhalt sowie die Geräumigkeit seiner Ganzstahlkarosserie von Ambi-Budd für diesen Hanomag
Auch das abgebildete Exemplar von 1935 wurde als Taxi genutzt und zwar in Melle. Damals waren Taxis in kleinen Städten noch keineswegs üblich und so war der Hanomag Kurier das erste Taxi das es hier gab. Es stand immer am Bahnhof bereit und wurde noch lange Zeit nach dem Krieg genutzt.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: sv Vierzylindermotor
Hubraum: 1097 ccm
B x H: 63 x 88 mm
Verdichtung: 6:1
Vergaser: Steigstromvergaser von Solex
Leistung: 23 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 85 km/h
Kühlung: Thermosyphonkühlung
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung
Getriebe: Vierganggetriebe, Mittelschaltung
Radaufhängung vorn: Querlenker oben, Querfeder unten
Radaufhängung hinten: Starrachse, Halbfedern
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen
Karosserie: zweitürige Ganzstahl-Limousine von Ambi-Budd (Jupiter-Form)
Radstand: 2725 mm
L x B x H: 4100 x 1520 x 1610 mm
Spur vorn/hinten: 1250 mm
Räder: Scheibenräder, ab 1937 Lochscheiben
Reifen: 4,50 x 17“ ab 1937 5,25-16“
Gewicht: 1000 kg
Tankinhalt: 34 l (Tank im Motorraum)
Verbrauch: ca. 9l/100 km
Preis: ca. 3000 RM
Bauzeit: 1934-1938