Einen Zweizylinder-Zweitakter mit 350 ccm Hubraum hatte die tschechische Motorradfirma Jawa seit 1947 im Programm. Gebaut wurde der Twin, stetig weiterentwickelt, bis in die Neuzeit und kann als echter Evergreen gelten
Während des Krieges hatte der ehemalige Waffenfabrikant Frantisek Janecek (der Name Jawa setzte sich aus den Anfangsbuchstaben des Gründers Janecek und der von ihm aufgekauften Motorradsparte von Wanderer im Jahr 1929 zusammen) bereits ein neues Modell, das sich die DKW NZ 250 zum Vorbild nahm, konstruiert. Auf der Basis des Einzylindermodells Jawa 250 wurde alsbald ein Zweizylindermodell entwickelt. An dieser Entwicklung war der Firmengründer allerdings nicht mehr beteiligt, da er 1941 verstorben war. Seiner Vorarbeit war aber zu verdanken, dass Jawa gleich nach dem Krieg mit der Produktion des Einzylindermodells, das auch im Sport sehr erfolgreich war, loslegen konnte. Bald wurde die Zweitakt-Jawa auch in viele andere Länder exportiert. Auch die Zweizylinder-Jawa sollte ein durchschlagender Erfolg werden. Sie wurde übrigens, nachdem Jawa 1945 verstaatlicht worden war, im Prager Ogar-Motorradwerk gebaut.
Der Zweizylindermotor der 350er besaß Zylinder mit einem sehr kleinen Zylinderabstand für einen möglichst kompakten Rahmeneinbau, einen langen Hub und viel Schwungmasse
Diesem Konzept blieb Jawa auch später treu, denn auch der Zweitakt-Twin von 1993 weist diese Merkmale auf. Das Styling hatte sich allerdings verändert und war eckiger geworden samt eckig gestalteten Motordeckeln, auch das Innenleben des Motors mit Alulaufbuchsen seit 1985 sah etwas anders aus. Eine andere Jawa-Tradition wurde beibehalten. So besaß auch das „neuzeitliche“ Modell einen mit dem Fußschalthebel kombinierten Kickstarter (Schalthebel wurde nach innen gedrückt, hochgestellt und fungierte dann als Kickstarter). Auch der Schmutz abweisend gekapselte Kettenantrieb war altbewährt. Ansonsten hatte man das Modell aus den 90ern natürlich der Moderne angepasst, allerdings so moderat, dass es als Retromodell durchgehen konnte.
Das Fahrwerk der Jawa 350 Chopper mit Doppelrohrrahmen, Telegabel, Hinterradschwinge und Scheibenbremse im Vorderrad war gut abgestimmt. Beim Chopper mit etwas länger und schräger angestellter Vorderradgabel musste man sich aber auf ein arttypisches Fahrverhalten einstellen
Die Abstimmung der Federelemente war im Prinzip recht gut. Der Chopper war allerdings vom Fahrverhalten her eher für‘s gemütlichere Fahren gedacht. Schnelle Kurven waren nicht so sein Ding. Auch schlechte Wegstrecken erwiesen sich für die Fahrer eines Choppers eher als Herausforderung und wurden gerne gemieden.
Freunde dieses Motorradtyps gab es seit den 60er Jahren weltweit, doch gerade in den USA erfreute er sich einer großen Beliebtheit
Spätestens seit dem Film „Easy Rider“ waren Chopper ein Phänomen. Sie schienen geradezu gemacht für das Cruisen oder das Dahingleiten auf den weiten und endlosen amerikanischen Highways.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Zweizylinder-Zweitaktmotor, luftgekühlt
Hubraum: 344 ccm
B x H: 58 x 65 mm
Leistung: 23,5 PS bei 5250 U/min
max. Drehmoment: 31,4 Nm bei 4750 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 125 km/h
Vergaser:
Zündung: Batteriezündung
Anlasssystem: Kickstarter
Getriebe: Vierganggetriebe
Hinterradantrieb: Kette
Rahmen: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Radführung vorn: hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel
Radführung hinten: Schwinge, Ferderbeine
Bremse vorn: Scheibenbremse
Bremse hinten: Trommelbremse
Sitzhöhe: 750 mm
Tankinhalt: 17 l
Gewicht: ca. 147 kg