Tragkraftspritzen sind durch einen Motor angetriebene Pumpen, die flexibel einsetzbar und nicht dauerhaft in einem Feuerwehrwagen eingebaut sind. Wie der Name schon andeutet, müssen sie von ihren Betreibern manuell transportierbar sein
Der große Vorteil dieser mobilen Pumpen mit Motor ist, dass sie das benötigte Wasser auch aus Wasserreservoirs holen können, die für das Feuerwehrfahrzeug nicht zugänglich sind. Wenn sich etwa ein Teich nicht allzu weit vom brennenden Objekt befindet, aber keine Zufahrt oder überhaupt befestigte Straßen für das Feuerwehrauto vorhanden sind, können Tragkraftspritzen zum Einsatz kommen. Vor der Erfindung des Verbrennungsmotors wurden im 19. Jahrhundert vornehmlich Handdruckpritzen verwendet, die mit Muskelkraft den nötigen Druck aufbauen mussten, um das Löschwasser zum Feuerherd zu bringen.
Ein seit den frühen 50er Jahren sehr verbreitetes Modell war die VW-Tragkraftspritze des Typs TS 8/8 mit einer Nennleistung von 800 l bei 8 bar, die von der Firma Hermann Koebe unter Verwendung des VW-Industriemotors Typ 122 gebaut wurde
Diese mit dem luftgekühlten Industriemotor von VW, einem ohv Vierzylinder-Boxermotor aus dem VW Käfer, bestückte Pumpe musste von vier Einsatzkräften zu ihrem Wirkungsort getragen werden. Das sagt schon aus, wieviel Gewicht diese Tragkraftspritzen trotz ihrer Mobilität auf die Waage brachten (in diesem Fall waren es 94 kg). Sie waren zwar immer nur in Teamarbeit einsetzbar, konnten aber die Arbeit in schwierigen Situationen enorm erleichtern. Der ohv Vierzylinder-Boxermotor des Typs 122 von VW besaß 1192 ccm Hubraum und leistete je nach Vergaser zwischen 24 und 33 PS. VWs Industriemotor kam bis 1991 nicht nur in verschiedenen Tragkraftspritzen zum Einsatz, sondern wurde etwa auch in Mähdreschern oder in Silofahrzeugen verbaut.
Die VEB-Tragkraftspritze des Feuerlöschgerätewerks Jöhstadt (Typ TS 8/8) war mit einem Zweitaktmotor bestückt
Diese Pumpe arbeitete mit einem Zweizylinder-Zweitaktmotor von Barkas und wurde hauptsächlich in Leipzig eingesetzt. Der Motor besaß einen Hubraum von 1100 ccm und leistete circa 28 PS bei 3000 U/min. Er basierte auf einer DKW Entwicklung. Eine wesentliche Aufgabe des in Chemnitz beheimateten Betriebs war die Versorgung des Tabants mit Fahrzeugteilen und vor allem mit Motoren. Daneben war der Bau von Stationärmotoren und Motoren für Tragkraftspritzen ein wichtiger Aufgabenbereich von Barkas. Die abgebildete Pumpe stammte aus dem „volkseigenen“ Feuerlöschgerätewerk Jöhstadt, das nach dem zweiten Weltkrieg die traditionsreiche Löschgerätefabrik von E.C. Flader übernommen hatte, die seit 1904 Produkte für den Löscheinsatz herstellte.
Der Stationärmotor KM48 von Fichtel & Sachs war ein Wankelmotor und verfügte über einige Vorzüge
Sein geringes Gewicht und seine Vibrationsarmut prädestinierten ihn für den Einsatz in Motorseglern. Mit einer Leistung von 10 PS und mit seinen ruhigen Laufeigenschaften war er für eine derartige Verwendung bestens geeignet. Leistungsstärkere Versionen wurden später auch in Booten und Schneemobilen eingesetzt. Fichtel & Sachs hatte 1960 Lizenrechte für den Wankel-Kreiskolbenmotor von NSU gekauft.
Fotos & Text: Marina Block