Die Marke Hercules zählt zu den Pionieren im Zweiradbau.
Carl Marschütz hatte bereits 1886 seine Velozipedfabrik in Nürnberg gegründet und baute mit seinem Bruder Heinrich erst Fahrräder und dann auch sehr früh LKWs, anfangs mit Elektromotoren und dann auch mit Verbrennungsmotoren. Als Fichtel & Sachs seine ersten Einbaumotoren herausbrachte, bestückten auch die Marschütz-Brüder ihre Hercules-Fahrräder mit diesen Motoren. Die Produktion leichter Motorräder folgte ebenfalls recht bald. In den 30er Jahren mussten die beiden Brüdern, die Juden waren, vor den Nazis in die USA fliehen.
Nach dem zweiten Weltkrieg durchlief Hercules eine wechselvolle Geschichte
Nach dem Krieg wurde das Unternehmen erst von der Dresdner Bank, dann vom Grundig-Konzern und schließlich von Fichtel & Sachs übernommen, die Mitte der 60er Jahre auch die Zweirad-Union mit den Marken DKW, Express und Victoria aufkauften. Darauf hin wurden die Marken in einem Werk in Nürnberg vereint und es wurde Badge-Engineering betrieben. Unter dem Hercules-Label entstanden weiterhin Fahrräder, Mofas, Mokicks und Kleinkrafträder. Nachdem Mannesmann um 1990 Fichtel & Sachs übernommen hatte, wurde die Marke Hercules einige Jahre später (1995) an die niederländische ATAG Cycle Group verkauft, die unter dem Namen Hercules nur noch Fahrräder baute. Die Mofa und Mopedproduktion übernahm Sachs-Bikes (SFM) und baute die Prima bis 2005 in Nürnberg weiter.
Die Mofas von Hercules, wie etwa die Prima-Baureihe, waren dank ihrer guten Qualität sehr gefragt. Primas wurden sogar bis 2005 gebaut
Mitte der 70er Jahre brachte Hercules mit der M1 die erste Version der Prima-Baureihe heraus (anfangs als M-Reihe vermarktet), der viele weitere Versionen folgen sollten. Eine der etwas rareren Versionen ist die Prima 6, die nur von 1979 bis 1981 im Verkaufsprogramm stand. Wie die anderen Primas besaß auch die Prima 6 einen luftgekühlten, liegenden Einzylinder-Zweitaktmotor von Sachs mit 47 ccm Hubraum und 1,5 PS. Ihr Zweiganggetriebe wurde über eine Drehgriffschaltung betätigt. Die Prima 6 verfügte über einen Rohrrahmen mit bequemem Durchstieg, einen auf dem vorderen Rahmenrohr aufgesetzten, an den Seiten verchromten Tank, eine Teleskopvorderradgabel mit 80 mm Federweg und Faltenbälgen sowie über eine Hinterradschwinge mit 45 mm Federweg. Hinten waren bei ihr pro Seite zwei Stoßdämpfer montiert. Der Fahrkomfort war dank Telegabel und Hinterradschwinge mit 4 Stoßdämpfern recht gut. Außerdem wurde sie ab Werk mit einer Blinkanlage ausgestattet. Es gab sie in den Farben irishgrünmetalic, bordauxrotmetalic und kobaltblaumetalic.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Einzylinder-Zweitaktmotor von Fichtel & Sachs
Hubraum: 47 ccm
B x H: 38 x 42 mm
Leistung: 1,5 PS bei 4000 U/min
Vergaser: Bing-Vergaser 85/10/101
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Zündung: Bosch Magnetzündgenerator
Getriebe: Zweiganggetriebe, Drehgriffschaltung
Rahmen: Stahlrohrrahmen
Vorderradaufhängung: Telegabel
Hinterradaufhängung: Schwinge mit 4 Federbeinen
Bremsen: 90 mm-Trommelbremsen
Räder: 17-Zöller
Gewicht: 54-58 kg
Tankinhalt: 4,5 l
Bauzeit: 1979-1981