Der von 1956 bis 1959 angebotene Mercedes-Benz 219 mit Ponton-Karosserie war ein Oberklassemodell und wurde parallel zum teureren Modell 220 S mit selbsttragender Ponton-Karosserie, mit hinterer, ursprünglich für den Rennsport entwickelter Eingelenk-Pendelachse, vorderer Doppelquerlenkerachse und ohc Reihensechszylindertriebwerk gebaut. Auch der 219, der wie der 220 zu den „Großen Pontons“ zählte, basierte auf dieser Technik und besaß ebenfalls den 2,2 l-ohc Reihensechszylindermotor. Mit einem Vierzylindermotor hingegen war der „Kleine Ponton“ des Typs 190 ausgestattet
Als ein Luxusprodukt der Wirtschaftswunderzeit war der 219 komfortabel, repräsentativ und dank seines ohc Sechszylindertriebwerks mit einer Leistung von anfangs 85 PS (ab 1957 dann 90 PS) und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 150 km/h auch sehr schnell. Beschleunigen konnte er in nur 17 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Im Prinzip stellte der 219 eine Art Zwittermodell dar, denn er besaß sowohl Komponenten des 220 S als auch des 190. Der Motor und der längere Vorderwagen samt Vierpunktlagerung der Motor/Getriebe-Einheit stammten vom 220 S (lediglich mit weniger PS), ab der A-Säule ähnelte er hingegen dem kleineren 190. Radstand und Gesamtlänge des 219 waren kürzer als beim 220 S aber länger als beim Typ 190. Als Zwischenmodell entstanden von ihm geringerer Stückzahlen als von den anderen beiden Serien. Dank Sechszylindermotor und „kurzer“ Karosserie war der 219 übrigens im Rallye-Sport wegen seiner Leistung und Wendigkeit recht beliebt.
Der 219 war ein komfortables, gut verarbeitetes und zuverlässiges Fahrzeug, das es hauptsächlich als viertürige Reise-Limousine gab
Ausgestattet war der 219 mit einem Bremskraftverstärker und mit einem am Lenkrad zu betätigenden Vierganggetriebe samt optionalem Hydrak-Kupplungsautomaten. Auf Wunsch gab es unter anderem eine automatische Lichthupe, ein Radio mit automatischem Sendersuchlauf und ein Faltschiebedach über die gesamte Dachlänge.
Die abgebildete Limousine ist ein Rechtslenker, ging damals in den Export und befindet sich seit langer Zeit in Familienbesitz
Ausgeliefert wurde das Fahrzeug ursprünglich an einen englischen Nato-Offizier in Belgien und gelangte später nach England. Der Vater des heutigen Besitzers, der als englischer Soldat in Münster stationiert war, entdeckte das Fahrzeug auf einem Schrottplatz in England und brachte es mit nach Münster. Dort restaurierte er den 219 aufwendig und schenkte ihn später seinem Sohn, der die Restaurierung des Ponton-Mercedes fortsetzte. Von den 27842 insgesamt gebauten Limousinen wurden übrigens gut 16000 Exemplare in andere Länder exportiert.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohc Reihensechszylinder
Hubraum: 2195 ccm
B x H: 80 x 72,8 mm
Leistung: 90 PS bei 4800 U/min
Beschleunigung: 17 sec von 0 auf 100 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 148 km/h
Vergaser: Solex Doppel-Fallstromvergaser
Getriebe: Viergangschaltgetriebe (Lenkradschaltung), auf Wunsch Hydrak-Kupplungsautomaten
Vorderradaufhängung: Doppelquerlenker, Schraubenfedern, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Eingelenk-Pendelachse, Schubstreben, Schraubenfedern
Bremsanlage: hydraulische Trommelbremsen
Radstand: 2750 mm
Gesamtlänge: 4680 mm
Gewicht: 1260 kg
Verbrauch: 11 l auf 100 km
Stückzahl: 27842 Ex.
Preis: 10500,- DM
Bauzeit: 1956 – 1959