Der traditionsreiche Motorrad,- und Automobilhersteller NSU, brachte Anfang der 50er Jahre mit der NSU Max ein Motorradmodell heraus, das legendär werden sollte und sich in elf Produktionsjahren bis zum Ende der Motorradproduktion von NSU mit über 97000 Exemplaren auch recht gut verkaufte. Offiziell hieß es NSU Max 251 OSB, wurde aber fast durchweg nur NSU Max genannt
Mit der Rennversion dieses 250 ccm Viertaktmodells und natürlich auch mit seinen Rennföxen feierte der zeitweilig (in den 50er Jahren) größte Motorradhersteller der Welt enorme Erfolge auf sportlichem Terrain und zwar sowohl im Straßenrennsport als auch im Geländesport.
Das Besondere an der Max war die Ventilsteuerung und das Vollschwingenfahrwerk
Die NSU Max besaß einen ohc-Einzylindermotor, dessen oben liegende Nockenwelle mit Exzenter betätigt wurde, ein Prinzip, das auch W.O. Bentley für seine Sportwagen verwendet hatte. Es nannte sich Schubstangen-Steuerung und wurde bei NSU von Chefkonstrukteur Albert Roder zuerst für die Max entwickelt. Später erhielten auch andere NSU-Motoren diese Steuerung. Bei der Max lagen der Primärtrieb und die Kupplung auf der linken Seite. Dort war auch der Auspuff zu finden. Der Kettenkasten mit dem Hinterradantrieb befand sich auf der anderen Seite. Die Max verfügte über eine Trockensumpfschmierung samt reichhaltiger Ölmenge und über einen Feinstölfilter im Öltank. Ebenso besaß sie das NSU-typische Vollschwingenfahrwerk mit Blechpreßrahmen, vorn einer Blechpreßgabel mit Kurzschwinge und hinten einer Cantilever-Schwinge (Zentralfederung).
Motorräder bis 250 ccm Hubraum verkauften sich anfangs in Deutschland ziemlich gut
Fahrzeuge bis 250 ccm Hubraum durften hier nämlich mit dem günstiger zu erlangenden Führerschein der Klasse 4 gefahren werden. Deshalb hatte die etwas größere 301 OSB mit 297 ccm Hubraum, die größtenteils in den Export ging, hier auch keine allzu große Chance gegenüber der 251 OSB Max. Ab 1956 kam auch noch die 251 OSB Supermax mit etwas stärkerem Triebwerk (18 PS) und geänderter Hinterradaufhängung sowie weiteren kleineren Veränderungen auf den Markt.
In der zweiten Hälfte der 50er Jahre setzte der Sinkflug im Motorradmarkt ein
Ausgelöst wurde der Niedergang durch den wachsenden Wohlstand der Wirtschaftswunderzeit und die damit einher gehenden wachsenden Ansprüche. Die meisten wollten ein Auto und empfanden das Motorrad immer deutlicher als ein unzureichendes Verkehrsmittel. Mit der sportlichen Max versuchte NSU dem Trend noch eine Zeit lang entgegenzuwirken und den Spaß am Motorradfahren werbewirksam herauszustellen, denn man hatte erkannt, dass hier die Zukunft des Motorrads lag. Bis sich allerdings ein Trend zum Freizeitmotorrad abzeichnen würde, sollten noch etliche Jahre vergehen. Dennoch hielt sich die Max dank ihrer Sporterfolge und der damit verbundenen Popularität bis 1963 im Verhältnis zu anderen noch ziemlich gut. Das abgebildete Exemplar von 1955 mit Steib LS200-Beiwagen befindet sich in einem schönen, unrestaurierten Originalzustand.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohc Einzylindermotor, obenliegende Nockenwelle, Antrieb über Exzenter
Hubraum: 247 ccm
B x H: 69 x 66 mm
Verdichtung: 7,4 : 1
Leistung: 17 PS bei 6500 U/min
Vergaser: Bingvergaser
Höchstgeschwindigkeit: ca. 130 km/h
Zündung: Bosch Lichtbatteriezündung
Getriebe: Vierganggetriebe, fußgeschaltet
Kupplung: Mehrscheiben-Trockenkupplung
Rahmen: Zentralpresstahlrahmen mit Soziusausleger
Vorderradaufhängung: Pressstahlgabel mit geschobener Kurzschwinge
Hinterradaufhängung: Schwinge mit Zentralfeder
Bremsen: 160 mm Trommelbremsen
Bereifung: 3.25 x 19“
Radstand: 1311 mm
Länge: 2051 mm
Gewicht: 155 kg
Tankinhalt: 12 l
Verbrauch: 3,2 l auf 100 km
Preis: 1995 DM-1955
Bauzeit: 1952-1963
Stückzahl: 97120 Ex. insgesamt