Anfang der 80er Jahre entbrannte ein regelrechter Überbietungswettkampf unten den großen japanischen Motorradherstellern Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki. Es begann ein Wettlauf um immer mehr Hubraum und immer leistungsstärkere Superbikes. Letztendlich ging es natürlich um nichts weniger als die Vorherrschaft im Motorradbau
In Europa und den USA hatten die Japaner zu diesem Zeitpunkt den Durchbruch bereits geschafft und waren hier führend im Motorradgeschäft. Fast immer stand Honda unangefochten auf Platz 1. Aber auch die anderen japanischen Hersteller hatten viel zu bieten und waren bestrebt an Hondas Erfolge heranzukommen. Vor allem Yamaha versuchte immer wieder den großen Rivalen vom Treppchen zu stoßen, was definitiv ein schwieriges Unterfangen darstellte.
1969 brachte Yamaha, bis dato Zweitaktspezialist und erfolgreich in internationalen Wettbewerben auf der Rennbahn wie auch Off-Road, mit dem Parallel-Twin XS1 sein erstes Viertaktmodell auf den Markt. 1976 kamen dann mit der XS 750 und ab 1980 mit der weiterentwickelten XS 850 die ersten Dreizylinder-Viertaktmodelle mit Kardanantrieb von Yamaha und wurden als leistungsstarke Sporttourer ein voller Erfolg, vor allem auch in den USA
In der Zwischenzeit hatte Yamaha mit dem Zweizylinder-Vierventiler-Modell XS 500, dem großen Einzylinder XT500 und anderen Modellen viel Erfahrung im Viertakt-Segment gesammelt. Die nun folgenden Dreizylindermodelle mit Kardanantrieb hatten von der steten Entwicklung profitiert. Der in einen Doppelschleifen-Rohrrahmen eingebaute Dreizylindermotor von Yamaha war sogar so gut, dass auch die Leute aus der Versuchsabteilung von Porsche fasziniert von ihm waren. Dort wurde nämlich der bei Getrag in Ludwigsburg für Yamaha entwickelte Endantrieb mit homokinetischem Gelenk zwischen Getriebeausgang und Kardanwelle getestet und endabgenommen bevor es nach Japan ging. Der Motor verfügte über zwei obenliegende Nockenwellen und die Ventile wurden über Tassenstößel direkt betätigt. Ausgestattet war das Kardanmodell mit einem Fünfganggetriebe und einer Doppel-Scheibenbremse im Vorderrad, hinten gab es eine Einscheibenbremse. Die aus der 750er weiter entwickelte XS 850 war noch etwas drehfreudiger als ihr Vorgängermodell. Sie musste mit einer mittlerweile angewachsenen Phalanx anderer Hersteller in dieser Hubraumklasse konkurrieren (u.a. Moto Guzzi 850 T3, BMW R80/7, Suzuki 850 GS). Die XS 850 leistete 79 PS bei 8500 U/min. Damit war eine Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h erreichbar. Anders als der Vorgänger besaß sie nun ein weit preisgünstigeres aber genauso effektives Kreuzgelenk zwischen Getriebeausgang und Kardanwelle, das jetzt bei Yamaha selbst gefertigt wurde. Auch andere Vergaser, eine größere Ölwanne und ein zusätzlicher Ölkühler wurden verbaut. Eine bessere Schräglage ermöglichte nun ein leicht nach oben laufendes Auspuffrohr pro Seite (rechte Seite two-in-one). Außerdem erhielt das Modell die hinteren Federbeine des großen, bereits 1978 herausgebrachten Schwestermodells XS 1100 mit luftgekühltem Reihenvierzylindermotor, dem damals größten und schnellsten Serienmotorrad.
Auch die XS 850 war erfolgreich
Mit diesem von 1980 bis 1983 gefertigten Modell hatte Yamaha einen besonders ausgewogenen Sporttourer geschaffen. Die Produktion der XS-Modelle und ihrer mit kleinen Abweichungen produzierten Schwestermodelle TX (Vierventiler) wurde 1983 eingestellt.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Dreizylindermotor, luftgekühlt
Hubraum: 826 ccm
B x H: 71,5 x 68,6 mm
Verdichtung: 9,2:1
Leistung: 79 PS bei 8500 U/min
max. Drehmoment: 70 Nm bei 7500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 196km/h
Vergaser: 3 Unterdruckvergaser von Hitachi (HSC 34)
Zündung: kontaktlose Transistor-Zündung TCI
Schmierung: Druckumlaufschmierung mit Ölsumpf (3,7l)
Getriebe: Fünfganggetriebe
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Hinterradantrieb: Kardanwelle
Rahmen: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Radführung vorn: Teleskopgabel , per Luftdruck individuell einstellbar
Radführung hinten: Schwinge
Bremse vorn: Doppel-Scheibenbremse
Bremse hinten: Einscheibenbremse
Bereifung vorn: 3.25 - 19
Bereifung hinten: 4.00 - 18
Sitzhöhe: 830 mm
Tankinhalt: 24 l
Gewicht: ca. 257 kg
Preis: 7915 DM
Bauzeit: 1980-1983