Buick - Century Hardtop-Coupé (1957)

 

 



Ein Century-Modell hatte es bereits vor dem Krieg gegeben. Buicks General Manager Harlow Curtice hatte damals mit neuen Modellen, zu denen auch der Century zählte, die kommerzielle Talfahrt der ältesten Division des General Motors Konzerns gestoppt

Der Century Series 60 wurde damals ein voller Erfolg und hieß bald mit Spitznamen „The Banker's Hot Rod“. Schließlich machte er auch seinem Typennamen alle Ehre und schaffte die 100 mph, daher „Century“, mit seinem kräftigen 5,2 l ohv Reihenachtzylindertriebwerk spielend. Nach dem Krieg legte der Century dann erst einmal eine Pause ein, bis er 1954 wieder aufgelegt wurde, allerdings nun mit einem ab 1953 auch bei Buick eingeführten ohv V-Achtzylindertriebwerk. Zeitgleich wurden auch die wuchtig wirkenden Karosserien der frühen Nachkriegszeit durch neue, geräumigere und schlanker geformte Aufbauten mit großen Seitenfensterflächen und einer weit nach hinten gebogenen Panorama-Windschutzscheibe ersetzt. Ab 1957 wurde sie vergrößert und außerdem eine dreigeteilte Panorama-Heckscheibe verbaut.

Die Buicks von damals und auch der Century stellten mit ihren langen Motorhauben, den gestreckten und geschwungenen Linien, der Menge an verbautem Chrom, den vielen zierenden Accessoires und dem grimmigen Kühlergrill-“Gebiss“ einen treffenden Ausdruck von Harley Earls Designphilosophie dar, die Buick-Designer Ned Nickels umgesetzt hatte

Im Modelljahr 1957 bot Buick die Modellvarianten Special (Serie 40), Super (Serie 50), Century (Serie 60) und Roadmaster (Serie 70) mit unterschiedlichen Radständen und Motorleistung an. In der Rangfolge kam der Century direkt nach dem Topmodell und besaß wie der Roadmaster als Identifikationsmerkmal vier stilisierte „Bullaugen“-Applikationen auf jeder Fahrzeugseite und an den Seiten der Heckkotflügel den Century-Schriftzug. Früher waren die Bullaugen übrigens nicht nur stilisiert, sondern echt und fungierten als Belüftungslöcher für den Motor. Zu haben war der Century als zwei oder viertürige Limousine mit und ohne B-Säule. Im letzteren Fall hieß er dann Riviera und bezeichnete ein Hardtop-Coupé. Diese Karosserieform mit festem Dach und fehlenden B-Säulen war damals sehr beliebt, weil man eine Rundumsicht fast wie im Cabriolet hatte (in Europa war auch der Begriff „Faux-Cabriolet“ dafür gebräuchlich). Gerade dieses attraktive Riviera-Styling hatte damals viel Erfolg und führte zu hohen Verkaufszahlen. Es gab den Century 1957 aber auch als Cabriolet und als Hardtop-Kombi ohne B-Säule (Caballero).

 

Zu dem Hardtop-Coupé gab es übrigens eine nette Anekdote: Die Frau eines Direktors von General Motors bestellte sich regelmäßig das neueste Cabriolet und ihr Mann wunderte sich, dass sie das Dach nie aufmachte.

Als er sie darauf ansprach, meinte sie, dass ihr das Dach gar nicht so wichtig wäre, sondern sie nur bei anderen Autos die B-Säule störte, wenn man die Fenster auf machte. Daraufhin entwickelte der Direktor das so genannte Hardtop Coupé. Das Dach konnte man hierbei zwar nicht mehr aufmachen, aber dafür gab es auch keine störende B-Säule.

 

Unter der Motorhaube des Century arbeitete der große V-Achtzylindermotor, der anfangs 5,3 l Hubraum besaß und 253 PS bei 4400 U/min leistete. 1957 wurde er auf 5,9 l aufgebohrt und leistete nun 304 PS. Er brachte den mit 2200 kg nicht eben leichten und mit einem Kastenrahmenchassis versehenen Wagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. „ The Banker's Hot Rod“ hatte also auch in den 50er Jahren seine Gültigkeit nicht verloren, denn die Performance des Century war ausgezeichnet und er galt als einer der damals drei schnellsten Serienwagen Amerikas. Dank seiner nun größeren Innenmaße und seines akzeptablen Preises war allerdings die Bezeichnung „Family Hot Rod“ treffender. Verwendet wurde das Buick-typische, dreistufige Dynaflow-Automatikgetriebe, das man 1955 verbessert hatte. Eine reichhaltige Ausstattung war beim Century, der eine gehobene Klasse darstellte, selbstverständlich. So besaß das Fahrzeug eine Servolenkung (Cadillac hatte sie 1954 als erste Marke serienmäßig eingeführt) und einen Bremskraftverstärker, ein neues, abgepolstertes Armaturenbrett mit horizontaler Skala, Zweifarben,- oder sogar Dreifarbenlackierung und einen Sensor, der bei Dämmerung die Scheinwerfer einschaltete und bei entgegen kommenden Fahrzeugen abblendete. Der Modelljahrgang von 1957 war der letzte, der einfache Scheinwerfer besaß. Im Jahr darauf wurden Doppelscheinwerfer verbaut und das Modell Century vorerst eingestellt.

Die Firmenpolitik des mittlerweile zum GM-Chef avancierten Harlow Curtice, der schon sehr früh dem Styling eine große Bedeutung zuerkannte, hatte anfangs auch bei Buick großen Erfolg gehabt, denn die Marke stieg Mitte der 50er Jahre zum Bestseller hinter Chevrolet und Ford auf, musste dann aber ab 1957 mit wachsenden Verlusten kämpfen.

Fotos & Text: Marina Block



Technische Daten


Motor: ohv V-Achtzylindermotor

Hubraum: 5957 ccm

Verdichtung: 10:1

Leistung: 304 PS bei 4600 U/min

max. Drehmoment: 542 Nm bei 4600 U/min

Beschleunigung: 9 sec. Von 0 auf 100 km/h

Vergaser: Fallstromvergaser

Getriebe: dreistufiges Dynaflow-Automatikgetriebe

Radstand: 3100 mm

Länge: 5290 mm

Chassis: Kastenrahmen mit Kreuzverstrebung

Vorderradaufhängung: unabhängig, Doppelquerlenker, Schraubenfedern, Stabilisator

Hinterradaufhängung: Starrachse, Schraubenfedern, Stabilisator

Karosserie: sechs Karosserievarianten

Bremsen: hydraulische Vierradbremsen, Bremskraftverstärker

Bauzeit: 1954 - 1958

Stückzahl: Buick Century 2-door Riviera (Hardtop Coupé)– 17029 Ex. im Jahr 1957

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Informationen:

MarkeBuick
ModelCentury Hardtop-Coupé
Baujahr1957

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