Der Mercedes-Benz 600 (W100) löste 1963 den Mercedes-Benz 300 als „Staatslimousine“ ab. Als er erschien, bediente er höchste technische Ansprüche, konnte vom Luxus her mit einem Rolls-Royce locker mit halten und von seinen Fahrleistungen her mit einem Sportwagen wie etwa einem Jaguar E-Type
Verfügte bereits der Mercedes-Benz 300 als erstes deutsches Repräsentationsfahrzeug der Nachkriegszeit über „amerikanische Ausmaße“, so übertraf das bis 1981 gebaute Modell 600 diese Ausmaße sogar noch und hatte zudem ein großes 6,3 l V-Achtzylindertriebwerk mit Einspritzanlage und einer oben liegenden Nockenwelle pro Zylinderbank sowie 250 PS unter der Motorhaube zu bieten, das für eine überaus sportliche Performance verantwortlich zeichnete. So war der Mercedes-Benz 600 damals eines der schnellsten Serienfahrzeuge seiner Zeit. Umgangssprachlich wurde dieses Modell, das höchsten Komfort bot und über technische Highlights wie ein umfassendes Hydrauliksystem und eine Luftfederung mit Niveauregulierung aller Räder verfügte, „der große Mercedes“ genannt. Die Luftfederung ließ sich für den Normalbetrieb, für Verladung und Aufbockung sowie für unebenes Gelände bedarfsgerecht einstellen. Hydraulisch (mit 150 bar) betätigt wurden die vorderen Sitze, die hintere Sitzbank, die Fensterheber, das Schiebedach, der Kofferraumdeckel, die Trennscheibe (falls vorhanden), die Lüftungsklappen, die Zentralverriegelung etc. (insgesamt 19 Funktionen). Das Fahrzeug war mit einer Klimaanlage, einem Zweikreisservobremssystem samt Scheibenbremsen an allen Rädern, mit Servolenkung, einer automatischen Stoßdämpferregulierung, mit einer elektrisch regulierbaren Lüftungs-, und Heizungsanlage, mit einem Automatikgetriebe, vorn mit einer Doppelquerlenkerachse und hinten mit einer Eingelenk-Pendelachse ausgestattet. Der „normale“ 600er besaß einen Radstand von 3200 mm und kam auf eine Gesamtlänge von 5,54 m. Die vier,- oder sechstürigen Pullmann-Limousinen und die Landaulets hatten einen Radstand von 3900 mm und waren beeindruckende 6,24 m lang. Sonderanfertigungen gab es u.a. für Pabst Paul VI. Insgesamt wurden vom 600 in etwa 2720 Exemplare gebaut. Anfangs kostete die Luxuslimousine auf kurzem Radstand 56500 DM, am Ende der Bauzeit stieg der Preis auf fast 145000 DM. Selbstverständlich gab es für die Kunden eine große Auswahl an Ausstattungsdetails. Ein interessantes Detail waren etwa die kleinen Zusatzscheiben für die hinteren Seitenfenster, die die Zugluft minimierten, übrigens ein Patent von Konrad Adenauer.
Der Mercedes-Benz 600 wurde in seiner langen Bauzeit stets technisch modernisiert, mit sichtbaren äußeren Veränderungen hielt man sich allerdings wegen der doch primär konservativen Kundschaft, zu der viele Staatsoberhäupter zählten, zurück. Das abgebildete Exemplar auf kurzem Chassis ist ein Rechtslenker und zählt zu den 126 Fahrzeugen, die nach England exportiert wurden
Das abgebildete Modell wurde an den damals größten Großgrundbesitzer Südenglands ausgeliefert. Der Super-Mercedes hatte aber nicht nur ein konservatives Klientel, er wurde auch von berühmten und solventen Schauspielern/innen, Musikern und Pop-Stars geordert. Besitzer eines 600er waren etwa Liz Taylor, Elvis Presley, Ivan Rebroff, David Bowie, Reinhard Mey, Coco Chanell oder Herbert von Karajan, um nur einige zu nennen. Auch im Film spielte der Große Mercedes öfter eine tragende Rolle.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: V-Achtzylindermotor, ohc
Hubraum: 6332 ccm
B x H: 103 mm x 95 mm
Verdichtung: 9:1
Leistung: 300 PS bei 4800 U/min (50 PS für Kompressoren, 250 PS für Fahrleistung)
max. Drehmoment: 500 Nm bei 2800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,6 sec.
Einspritzanlage: Saugrohreinspritzung mit 8-Stempel-Einspritzpumpe von Bosch
Getriebe: Viergang-Planetengetriebe mit hydraulischer Kupplung
Vorderradaufhängung: Doppelquerlenker, Schraubenfedern
Hinterradaufhängung: Eingelenk-Pendelachse mit Niveauregulierung
Bremsanlage: hydraulische Scheibenbremsen
Radstand: 3200 mm (kurz)
L x B x H: 5540 x 1950 x 1485 mm
Leergewicht: 2475 kg
Verbrauch: 16-24 l auf 100 km
Stückzahl: insgesamt ca. 2720 Ex.
Bauzeit: 1963-1982