Raleigh - Wisp B4 (1985)


Die Fahrradmarke Raleigh wurde 1887 von Sir Frank Bowden in Nottingham gegründet und zählt zu den ältesten Fahrradmarken der Welt. Sehr früh wurden auch Motorräder der Marke gebaut

Daneben ist sie außerdem eine der verbreitetsten und bekanntesten Fahrradmarken und findet sich auf allen Kontinenten. Das hatte nicht nur etwas mit dem British Commenwealth of Nations zu tun, sondern auch mit der großen Aktivität der Firma, die in vielen Ländern Zweigwerke und Firmen gründete. In Deutschland etwa entstand 1974 das Unternehmen Raleigh Deutschland.

Die Qualität und Besonderheit der Raleigh-Fahrräder war immer hoch

Raleigh galt als Qualitätsmarke mit klarer Linienführung und Eleganz. Auch technisch lag die Marke vorn. Bereits im 19. Jahrhundert warb man damit, Fahrräder komplett aus Stahl zu bauen (All Steel Bicycle). Für einen sehr hohen Qualitätsstandard sorgte der Umstand, dass fast alle Bauteile von Raleigh selbst produziert wurden. So baute der Fahrradhersteller auch die Muffen, Innenlager, Pedale, Steuersätze, Lenker, den Vorbau oder die Speichen im eigenen Werk. Die Radnaben kamen von Sturmey-Archer, einem Unternehmen, dass ebenfalls zu Raleigh gehörte. Die Sättel baute Brooks, auch ein zu Raleigh zählendes Unternehmen. Die Felgen und Reifen lieferte hingegen Dunlop, ein Unternehmen, mit dem Raleigh aber in enger Beziehung stand. Ab 1974 wurden Raleigh Fahrräder auch in einem Zweigwerk in Deutschland produziert, erst in Bitburg, dann in Darmstadt, später in Osnabrück (ab 1991) und ab 1999 schließlich in Cloppenburg. Raleigh Deutschland ist heute Teil der Univega GmbH und zählt zur ehemals deutschen Derby Cycle Holding, die seit 2011 unter niederländischer Regie steht.

Das Wisp B4 Damensportrad aus den 80er Jahren zeichnet sich durch enorme Leichtigkeit, Stabilität und Eleganz aus

Die Leichtigkeit gewährleistete der Raleigh Mix-Rahmen aus 18-23 Carbon-Stahl. Die Stabilität des leichten Rahmens wurde beim Damenmodell durch eine obere Doppelrohrführung erreicht. Die Rahmengeometrie war von der Marke Carlton inspiriert. Ausgestattet war das Modell mit Aluschutzblechen und mit einer 5-Gangkettenschaltung von Sachs Huret bzw. einer 5-Gangkettenschaltung von Shimano. Bereits Anfang der 70er Jahre experimentierte Raleigh mit Kohlenstoff, Alu und Titan für seine Fahrradrahmen, die im professionellen Rennsport eingesetzt werden sollten. Ein Bericht in einer englischen Fahrradzeitschrift von 1971 thematisierte einen superleichten Raleigh-Carlton Carbonrahmen, dessen Carbonrohre von Alu-Muffen zusammengehalten wurden. In der Wahl des Materials orientierte man sich damals stark an der Flugzeugindustrie. Raleigh hatte den alten englischen Fahrradhersteller Carlton aus Worksop aufgekauft und auch von dessen Technologie profitiert. Im dortigen Werk baute der Massenproduzent Raleigh seine qualitativ besonders hochwertigen Fahrräder. Vor allem exzellente, superleichte Rennräder entweder mit Rahmen aus Reynolds Stahlrohren verschiedener Stärke oder aus Carbonstahlrohren verließen hier die Werkshallen.

Raleigh baute ab 1903 auch motorisierte Dreiräder

1908 wurde die Produktion wegen finanzieller Verluste zwar wieder eingestellt, aber in den 20er Jahren, als der Staat Dreiräder steuerlich förderte, dann wieder aufgenommen. 1934 verkaufte Raleigh die Dreiradproduktion dann aber an den Reliant-Gründer Williams.

Bekannt war Raleigh nicht nur für seine Alltagsräder und Mountainbikes oder den hier als „Bonanzarad“ etablierten Raleigh Shopper der 70er Jahre sondern vor allem auch für seine erstklassigen Rennräder

Auch im professionellen Radrennsport machten sich Rennräder von Raleigh einen sehr guten Namen. Viele wurden in der Tour de France eingesetzt. 1980 gewann der niederländische Radprofi Joop Zoetemelk sogar die Tour de France auf einem Raleigh-Rennrad.

Fotos & Text: Marina Block

 

Bilder

Informationen:

MarkeRaleigh
ModelWisp B4
Baujahr1985

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