Der britische Automobilhersteller Rover, damals bekannt für seine qualitativ hochwertigen Mittelklassefahrzeuge, ließ sich in der Nachkriegszeit von Raymond Loewys und Vergil Exners Studebaker Champion-Design inspirieren und baute zwischen 1949 und 1964 das Modell P4 mit Champion-ähnlicher Pontonkarosserie. Das Modell begründete die Blütezeit der Marke in den 50er Jahren unter der Ägide von Maurice Wilks
Es gab den P4 mit unterschiedlich starker Motorisierung und Ausstattung als Rover 75, 60, 80, 90, 105 und schließlich ab 1959 als luxuriösen Rover 100 (die letzte Ausführung war der 110). Die Modelle 60 und 80 besaßen Vierzylindermotoren, alle anderen waren mit Sechszylindermotoren bestückt. Der Rover P4 verfügte über ein klassisches und solides Fahrwerk. Hinten gab es eine Starrachse an Blattfedern und vorn Einzelradaufhängung an Dreieckslenkern. Die geräumige Limousinen-Karosserie, deren Hauben und Türen aus Aluminium gefertigt wurden, war auf einen äußerst stabilen Kastenrahmen aufgebaut. Bereits die ersten Ausführungen besaßen vorn hydraulische Scheibenbremsen. Auf Bequemlichkeit und Komfort wurde sehr viel Wert gelegt. So war der Innenraum nicht nur großzügig (sechssitzig und großer Kofferraum) bemessen und mit viel Holz, Teppich und Leder sehr hochwertig und mit Liebe zum Detail ausgelegt, auch der Ein,-und Ausstieg war durch die hinten angeschlagenen Fondtüren sehr komfortabel. Lediglich die Lenkung ohne Servounterstützung war etwas schweißtreibend.
Auch der Rover P4 100 richtete sich an Liebhaber von qualitativ hochwertigen Mittelklassewagen mit höchstem Fahrkomfort und überdurchschnittlichem Finish. Mit ihm war man allerdings noch etwas schneller unterwegs
Der Rover P4 100 wurde auch als „der kleine Rolls-Royce für Aufsteiger“ bezeichnet. Er besaß einen überarbeiteten Reihensechszylindermotor mit ioe-Ventilsteuerung (wechselgesteuert, Einlass,- über Auslassventil) und siebenfach gelagerter Kurbellwelle, der 104 PS leistete und über 2,6 l Hubraum verfügte. Damit erreichte das 1,5 Tonnen schwere Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Entwickelt hatte man den Kurzhuber aus dem 3 l-Motor des P3. Das Viergangschaltgetriebe war mit einem Laycock-De-Normanville Overdrive ausgestattet. Viele Detaillösungen waren klug durchdacht. So gab es einen extra Kasten unter dem Kofferraum zum Verstauen des Reserverads, jedes Fahrzeug führte einen kompletten Werkzeugsatz mit sich, und die Scheibenwischer saßen in Ruhestellung nicht unten auf der Windschutzscheibe, sondern sauber darunter und wurden bei Bedarf automatisch auf die Scheibe hochgehebelt.
Das abgebildete Fahrzeug war über viele Jahrzehnte im Erstbesitz
Ausgeliefert wurde das Modell 1960 an Audrey Hoyle. Die Schulrektorin aus Northern Yorkshire bewegte den Rover, der im Volksmund auch liebevoll und mit Augenzwinkern Auntie (Tantchen) genannt wurde, viele Jahrzehnte lang, bis sie das Fahrzeug schließlich im Alter von 92 Jahren abgab.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ioe Reihensechszylinder, sieben Kurbelwellenlager
Hubraum: 2625 ccm
Bohrung x Hub: mm x mm
Leistung: 104 PS bei 4750 U/min
Verdichtung: 8,7:1
Höchstgeschwindigkeit: ca. 150 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe mit Laycock-de-Normanville Overdrive
Antriebsart: Hinterradantrieb
Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung an Dreieckslenkern
Hinterradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern
Karosserie: viertürige Limousine
Chassis: Kastenrahmen
Bremsen: Girling-Scheibenbremsen vorn
Radstand: 2819 mm
L x B x H: 4580 x 1670 x 1610 mm
Gewicht: ca. 1500 kg
Preis: 1538 Pfund
Bauzeit: 1949 – 1964 P4 insgesamt
Stückzahl: 16521 Ex. des Rover P4 100