HAWA - EM3 Elektroautomobil (1922)


HAWA war ein weltweit agierender Waggonbauer aus Hannover, der zur Zeit des ersten Weltkriegs sogar vom Flugzeugpionier Hermann Dorner konstruierte Schlachtflugzeuge (teilweise unter dem Markennamen HAN) und Segelflugzeuge produzierte. Von 1921 bis zur Schließung des Betriebes im Jahr 1932 versuchte sich Hawa außerdem an der Produktion eines Elektro-Kleinwagens, den es als Zweisitzer und als Kastenwagen gab. Es entstanden circa 2000 Exemplare, von denen lediglich zwei überlebt haben

Normalerweise beschäftigte sich das Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Unternehmen mit dem Bau von Straßenbahnwagen, Personen,- und Güterwaggons, Autokarosserien, Lokomotiven, schweren Zugmaschinen, Traktoren und anderem landwirtschaftlichen Gerät. Sozusagen als zweites Standbein orientierte man sich während des ersten Weltkriegs und dann in der Weimarer Republik aber auch am Bedarf in anderen Bereichen, wie dem Flugzeugbau und später dem Kleinwagenbau.

Elektrisch betriebene Kleinwagen waren auch in den 20er Jahren garnicht so selten, denn sie hatten einige Vorzüge

Extrem leichte Kleinwagen wie der Hawa, der nur 320 kg (ohne Akku) auf die Waage brachte, zählte zu den Cyclecars, für die man damals kaum Steuern bezahlen musste. Der elektrische Antrieb des Hawa hatte zudem den Vorteil, ohne das Anfang der 20er Jahre sehr teure Benzin auszukommen. Nach dem ersten Weltkrieg und in der Zeit der Hyperinflation kostete der zumeist importierte Brennstoff nämlich Unsummen, die sich einfache Leute kaum leisten konnten.

Steuerlich begünstigt blieben kleine Elektroautos wie der Hawa allerdings nur, solange das Gewicht des schweren Akkus nicht mit in die Berechnung einfloss

Als später das komplette Gewicht zum Tragen kam, war der steuerliche Vorteil dieser Elektroautos dahin und sie verkauften sich unter anderem (die Ansprüche an Schnelligkeit, Reichweite und Komfort waren gestiegen) auch deshalb kaum mehr.

Den Hawa gab es als offenen, kleinen Tourenwagen mit zwei hinter einander angeordneten Sitzen und als Kastenwagen mit einem Vordersitz

Auch ein Cabriolet soll gefertigt worden sein, von dem es aber keine Abbildungen gibt. Der 40 Volt-Elektrowagen erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 20-25 km/h und besaß je nach Witterung und Fahrweise eine Reichweite von 70 km. Er verfügte über drei, durch einen Fußschalter betätigte Geschwindigkeitsstufen und arbeitete ohne Getriebegangschaltung. Ein Manko dieses hochbeinigen E-Autos, das ohne Differential auskam und bei dem nur das linke Hinterrad angetrieben wurde, war seine Kippneigung auf ungünstiger Wegstrecke.

Der abgebildete Kastenwagen ist einer von lediglich zwei, noch bekannten Exemplaren

Er befand sich über 60 Jahre lang im Besitz der Braunschweiger Elektrizitätswerke, die bis circa 1960 auch noch einige andere Hawas in ihren Diensten hatten. Übriggeblieben ist allerdings nur dieses eine Exemplar.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: Elektromotor

Leistung: 40 Volt

Höchstgeschwindigkeit: ca. 20-25 km/h

Reichweite: ca. 70 km

Antriebsart: Frontantrieb

Chassis: Leiterrahmen

Karosserie: offener Kleinwagen mit zwei Sitzen hintereinander; Kastenwagen (Einsitzer)

Vorderradaufhängung: Starrachse

Hinterradaufhängung: Starrachse

Radstand: 1564 mm

L x B : 2423 x 1150 mm

Gewicht: ca. 320 kg

Bauzeit: 1921-32

Stückzahl: ca. 2000 Ex.



Bilder

Informationen:

MarkeHAWA
ModelEM3 Elektroautomobil
Baujahr1922

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