Fords Alltagssportwagen für Jedermann, das Sportcoupé Capri, das ursprünglich Colt heißen sollte, aber wegen Mitsubishis Namensrechten dann doch eine italienisch inspirierte Bezeichnung erhielt, wurde von 1969 bis 1986 in drei Generationen gebaut. Das ausgestellte Exemplar von 1971, das über einen V-Sechszylindermotor mit 2l Hubraum und 90 PS verfügt, zählt zu der bis 1973 entstandenen ersten Generation und ist ein seltenes, unverbautes Exemplar. Denn der Capri, der sich am erfolgreichen amerikanischen Ford Mustang orientierte, wurde meist von seiner jungen Kundschaft mit Spoilern, Hutzen, Breitreifen und vielem mehr „aufgehübscht“
Gedacht war der Capri, der Ford in Europa aus den miesen Verkaufszahlen herausholen sollte und das auch tat, für junge und sportlich ambitionierte Erwachsene, wie der Generaldirektor der Ford Division und Mustang-Initiator Lee Iacocca die Capri-Zielgruppe bezeichnete. Er sollte in Europa dieselbe Funktion einnehmen wie sie in Amerika der erfolgreiche Ford Mustang inne hatte. Als eine Art „Mini-Mustang“ (der Mustang begründete die Gattung der Pony-Cars, bei denen es sich um Coupś mit hoher Motorleistung auf Kompaktwagen-Plattformen handelte) wurde das viersitzige Capri-Coupé in Europa zum Trendsetter aufgebaut und mit einer breiten Auswahl an Motoren und Ausstattungsoptionen versehen, so dass damit möglichst viele Kundenwünsche abgedeckt werden konnten. Es gab den Capri in 52 unterschiedlichen Ausführungen. Zur Auswahl standen etliche V-Motoren mit 1300 bis 2600 ccm Hubraum (in GB bis 3000 ccm) in verschiedenen Leistungsstufen sowie sechs Ausstattungsvarianten und die GT-Ausführungen. Die kleineren Motoren waren V-Vierzylinderaggregate wie sie auch im Ford Taunus zu finden waren, die größeren waren V-Sechszylindermotoren. V6- Capris waren leicht am „Buckel“ auf der Motorhaube zu erkennen. Die für ein Sportcoupé erschwinglichen Preise variierten je nach Ausstattungsmerkmalen stark und reichten von knapp 7000 bis an die 20000 DM.
Mit dem Capri, der in England, Belgien und Deutschland gebaut wurde, manifestierte Ford sein sportliches Image in Europa. Das geschah ohne allzu großen Aufwand, denn beim Capri wurde auf zuverlässige Großserientechnik gesetzt und auf die Mechanik bereits vorhandener Ford-Modelle zurückgegriffen (Fahrwerk vom Ford Cortina, Motoren teils vom Taunus). Viel Aufmerksamkeit erhielten Sicherheitsaspekte und natürlich das sportliche Design mit langer Motorhaube, knappem Heck und einer schlanken Silhouette. Auch verfügte das Fahrzeug über gute cW-Werte
Der heckgetriebene Capri besaß eine Vorderradaufhängung an McPherson-Federbeinen mit Querlenker und Schraubenfedern. Hinten gab es eine Starrachse, Blattfedern und Schubstreben. Eine unterschiedliche Befestigung der Stoßdämpfer wirkte den Verwindungskräften der Halbelliptikfedern entgegen. Ausgestattet war der Capri mit einem nach neusten Sicherheitserkenntnissen konzipierten Armaturenbrett, mit einer Sicherheitslenksäule und mit einer neuen Heiz,- und Belüftungsanlage (Aeroflow). Auch hatte man den Benzintank aus Sicherheitsgründen stoßgeschützt hinter den Rücksitzen platziert.
Der Capri wurde ein Verkaufsschlager. Schon bald gab es von ihm auch hochfrisierte Sonderversionen. Seine sportlichen Ambitionen stellte er früh unter Beweis und eroberte eine große Fangemeinde
So schickte die Motorsportabteilung von Ford Köln nicht nur den 20 M RS und den Escort, sondern auch den Capri sehr erfolgreich in Rennen und Rallyes. Oft genug lieferte er sich mit seinen Kontrahenten von BMW und Porsche heiße Duelle. Sogar Fahrerlegenden wie Stuck, Maas und Lauda fuhren den schnellen Capri und holten Siegeslorbeeren.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: V-Sechszylindermotor, ohv
Hubraum: 1999 ccm
B x H: 84 mm x 60,14 mm
Vergaser: Solexdoppelvergaser
Leistung: 90 PS bei 5000 U/min
max. Drehmoment: Nm bei U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 170 km/h
Getriebe: vollsynchronisiertes Vierganggetriebe, auf Wunsch Borg-Warner-Automatik, Mittelschaltung
Antriebsart: Hinterradantrieb
Radaufhängung vorn: McPerson-Federbeine, Querlenker, Querstabilisator
Radaufhängung hinten: Starrachse, Blattfedern, Längslenker, Querstabilisator
Bremsen: vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Radstand: 2559 mm
L x B x H: 4262 x 1645 x 1330 mm
Gewicht: ca. 975 kg
Preis: ca. 11450 DM
Bauzeit: 1969-1973 Serie I