Hondas Sechszylindermodell CBX 1000, das von 1978 bis 1982 angeboten wurde und eine weitere Steigerung im „Wettrüsten“ der konkurrierenden japanischen Großserienhersteller im Motorradbau darstellte, ähnelte technisch den Sechszylinderwerksrennmaschinen, mit denen Honda 1966 und 1967 vier Weltmeisterschaftstitel einfuhr. Konstruiert hatte jene wie diese Hondas Ingenieur Soichiro Irimajiri, letztere in Zusammenarbeit mit Chefdesigner Norimoto Otsuka
In den späten 70er Jahren hatte die japanische Motorradindustrie so ziemlich alle anderen Motorradhersteller in Bezug auf die Verkaufszahlen aus dem Feld geschlagen. Honda, als größter Motorradhersteller der Welt stand natürlich immer unter Zugzwang und musste das Optimum bieten. So geschah es auch mit dem Superbike CBX 1000, das als Flaggschiff lanciert wurde, nachdem Kawasaki, Suzuki und Yamaha den größten Motorradhersteller mit ihren derzeitigen Topmodellen herausgefordert hatten und Benelli aus Italien bereits 1972 mit einem Sechszylinderserienmodell (750 Sei) auf den Markt kam.
Irimajiri orientierte sich beim Bau des Supersportlers an seinen Konstruktionsplänen für die Werksrennmaschine aus den 60er Jahren. Dem kompakten Reihensechszylindertriebwerk wurde natürlich die größte Aufmerksamkeit zuteil
Der mit zwei oben liegenden Nockenwellen und 24 Ventilen ausgestattete Reihensechszylinder war um 33 Grad nach vorn geneigt. Eine Kette sorgte für den Antrieb der Nockenwellen. Um den 1000 ccm-Motor möglichst schmal zu gestalten, wurden die Lichtmaschine und die Zündanlage hinter den Zylinderblock gelegt. Für die „Beatmung“ sorgten sechs Keihin-Gleichdruckvergaser. Gelungen wirkte auch die 6-in2-Auspuffanlage der 1000er und der elegant geformte Tank, dem man seine Größe gar nicht ansah. Eingehängt wurde das imposante Triebwerk in einen offenen Brückenrahmen. Das machte den Motor zu einem mittragenden Element. Und nicht nur das, er war auch ein Designhighlight und zog alle Blicke auf sich. Keinesfalls sollte er hinter einer Verkleidung versteckt werden. Der seidenweich laufende Motor, der über eine Leistung von 105 PS verfügte und die CBX 1000 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h brachte, war damals ein Meilenstein im Motorradbau. Damit hatte Honda sich mal wieder selbst übertroffen. Dennoch trat bald ein Problem auf.
Mit dem leistungsstarken Sechszylindermotor des Supersportlers konnte sein Fahrwerk nicht mithalten
Neben einer zu schwachen Telegabel, sorgte die in Kunststoffbuchsen gelagerte Hinterradschwinge und die zu schwachen Federbeine für viel Instabilität bei hoher Geschwindigkeit. Deshalb rüstete Honda das Fahrwerk 1980 nach und bestückte das Modell mit einer luftunterstützten Telegabel, einer nadelgelagerten Schwinge und ComStar-Rädern. Ab 1981 gab es ein zentrales Federbein und eine Pro-Link-Hinterradaufhängung.
Der heutige Besitzer dieses Sechszylindermodells, der das Fahrwerk seiner CBX von 1979 nachgerüstet hat, besaß dieses Motorrad sozusagen zweimal
Er war der zweite und der vierte Besitzer dieser Honda, denn er hatte sie 1983 erworben, dann nach einigen Jahren wieder verkauft und sie 1992 mit 3000 km mehr auf dem Tacho wieder zurückgekauft. Schließlich nimmt dieses Sechszylindermodell, das damals das erste Serienmotorrad mit einer Leistung über 100 PS war, einen besonderen Platz in der Honda-Historie ein.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Reihensechszylinder, luftgekühlt, 24-Ventiler
Hubraum: 1047 ccm
B x H: 64,5 mm x 53,4 mm
Leistung: 105 PS bei 9000 U/min
Max. Drehmoment: 84,3 Nm bei 8000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 225 km/h
Beschleunigung: in 4 sec von 0 auf 100 km/h
Vergaser: sechs 28mm-Keihin-Gleichdruckvergaser
Zündung: kontaktlose CDI Zündanlage
Kupplung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung
Getriebe: 5-Ganggetriebe
Antriebsart: Kettenantrieb des Hinterrads
Bremsen: vorn Doppelscheibenbremse, hinten 300 mm-Scheibenbremse
Rahmen: Stahlrohr-Brückenrahmen, Motor mittragend
Vorderrad: hydraulische Teleskopgabel
Hinterrad: Schwinge mit zwei Federbeinen
Tankinhalt: 20 Liter + Reserve
Verbrauch: ca.9-10 l auf 100 km bei moderater Fahrweise
Leergewicht: ca. 274 kg vollgetankt
Radstand: 1495 mm
L x B x H: 2240 x 740 x 1150 mm
Sitzhöhe: ca. 81 cm
Preis: 10963 DM
Bauzeit: 1978-1982
Stückzahl: ca. 36000 Ex.