1964 stellte Glas sein ab 1966 dann serienmäßig gebautes Spitzenmodell vor. Es handelte sich dabei um einen Sportwagen mit V-Achtzylindertriebwerk, einem der ersten V-Achtzylindermotoren deutscher Produktion nach dem Krieg. Anfangs besaß der Motor 2,6 Liter Hubraum. Noch 1966 erweiterte man den Hubraum bei einem Prototypen auf 3 l. In Serie ging die größere Version erst unter BMW-Regie, allerdings wurde das Glas-Emblem am Motor beibehalten
Um die Entwicklungskosten für den neuen Motor möglichst gering zu halten, übernahm Glas für den V-Achtzylinder die Grundarchitektur des ohc 1,3 l Vierzylindermotors, den das GT Coupé besaß und dessen moderne und sehr leistungsfähige Konstruktion vom ehemaligen BMW-Ingenieur Max Ischinger entwickelt wurde. Sein Debut feierte diese Motorenkonstruktion bei Glas bereits Anfang der 60er Jahre im Modell S1004, mit dem der Aufstieg der Firma in die Mittelklasse begann. Eine Innovation war damals der Einsatz eines Zahnriemens statt einer Kette für den Antrieb der oben liegenden Nockenwelle.
Auch der mit Leichtmetallzylinderköpfen ausgestattete V-Achtzylinder besaß einen Zahnriemenantrieb für die im Zylinderkopf liegenden Nockenwellen (je eine pro Zylinderbank)
Das war damals etwas besonderes, vor allem bei einem Achtzylindermotor. Im Prinzip wurde der Zahnriemenantrieb derzeit sogar belächelt und als „Brotmaschinenantrieb“ durch den Kakao gezogen.
Der 3l-Motor leistete, bestückt mit drei Solex-Fallstromdoppelvergasern, 160 PS und brachte das Fahrzeug in nur 10 Sekunden auf 100 Stundenkilometer und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h.
Die Entwicklung des Glas V8-Motors stand in einer gewissen Tradition. Denn schon sehr früh versuchten Motorenkonstrukteure bei der Entwicklung eines V-Motors Kosten und Aufwand durch die Verdoppelung eines Triebwerks geringer zu halten
Ein sehr frühes Beispiel für diese Vorgehensweise war der von Wilhelm Maybach bei Daimler entwickelte V-Zweizylindermotor von 1889, der als einer der ersten V-Motoren überhaupt gilt. Maybach konstruierte den Motor indem er einen Einzylindermotor von Panhard & Levassor verdoppelte und in V-Form anordnete. Ein anderes Beispiel ist der von Müller-Andernach aus einem DKW 3=6 entwickelte V-Sechszylinderzweitaktmotor. Ausschlaggebend waren auch hier die geringeren Entwicklungskosten und das geringere Gewicht.
Nachdem das Unternehmen von Hans und Andreas Glas in den BMW-Konzern eingegliedert worden war, baute BMW einige Glas-Modelle noch einige Zeit weiter. Auch das Spitzenmodell von Glas wurde als BMW 3000 V8 von 1967 bis 1968 in 418 Exemplaren weiter gefertigt
Anders als etwa beim Glas 1300 GT, der etlichen Veränderungen unterworfen wurde und auch einen BMW-typischen Kühlergrill erhielt, ließ BMW das V-Achtzylindermodell von Glas bis auf das Firmenemblem wie es war.
Im Museum ist der große Glas-V-Achtzylinder mit 3000 ccm Hubraum in einen Prüfstand eingebaut zu sehen
Hervorragend restauriert wurde der Motor von Glasclubmitglied Jürgen Bengsch.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: 90° V-Achtzylinder, eine obenliegende Nockenwelle pro Zylinderbank
Hubraum: 2982 ccm
B x H : 78 mm x 78 mm
Leistung: 160 PS bei 5100 U/min
max. Drehmoment: 236 Nm bei 3500-4200 U/min
Verdichtung: 9,2:1
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Beschleunigung: 10 sec. von 0 auf 100 km/h
Vergaser: 3 Solex-Fallstromdoppelvergaser
Getriebe: vollsynchronisiertes Vierganggetriebe, Mittelschaltung
Stückzahl: 418 Ex.
Bauzeit: 1967-1968