Die BMW Isetta 250 von 1962 zählt zu den letzten ausgelieferten Exemplaren dieses Kleinstwagenmodells von BMW, das von 1955 bis 1962 produziert wurde. In den 50er Jahren trug die kleine eiförmige Isetta das Ihre dazu bei, die Zukunft von BMW zu sichern
Bei BMW begann man 1948 erst einmal wieder mit der Motorradproduktion. Im Münchener Werk hatte das Unternehmen auch schon vorher Motorräder und Flugmotoren gebaut. Die Automobilproduktion musste zuerst noch warten, da vor dem Krieg BMW Autos in Eisenach baute, das nun in der sowjetischen Besatzungszone lag und für BMW nicht mehr erreichbar war. Bis die Automobilproduktion in München aufgebaut war, dauerte es einige Jahre. Erst 1951 kam mit dem Barockengel (BMW 501) das erste Nachkriegs-Automodell heraus. Mit diesem in der Produktion und im Verkauf sehr teuren Auto verhob sich die Marke. Außerdem bekam BMW, wie alle anderen Hersteller von Motorrädern auch, die Motorradkrise der 50er Jahre zu spüren und geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Lösung nahte 1955 mit einem günstig zu realisierenden Lizenzbau, der italienischen Isetta.
Das italienische Unternehmen Isothermos von Renzo Rivolta aus Turin baute eigentlich Kühlschränke, wandte sich in den 50er Jahren aber mit dem Bau des kuppelartig-geformten Kabinenrollers Isetta, von dem bald viele Lizenzen verkauft wurden, gerade der Autoproduktion zu. Später wurde die Firma Iso auch für ihre Sportwagen bekannt
Natürlich war der Bedarf nach günstigen Fahrzeugen in der Nachkriegszeit groß, so standen zuerst Motorräder und als es finanziell für viele etwas besser lief, vor allem Kleinstwagen, wie die vor Wind und Wetter schützenden Rollermobile, als erstes auf der Agenda. Die knubbelige Isetta mit ihrer platzsparend vorn aufgehenden „Kühlschranktür“ und mitschwenkendem Lenkrad war das ideale Fahrzeug für den Stadtverkehr. Bei einer kurzen Gesamtlänge von 2,28 m ließ sie sich bequem längs und quer einparken, konnte dank der vorn angeschlagenen Tür dicht an dicht stehen und war dank des kleinen Einzylindermotors auch schön sparsam. Ein Dreirad war die Isetta übrigens nicht, denn sie besaß wegen der besseren Stabilität auch hinten zwei, wenn auch dicht nebeneinander stehende Räder. Nur die nach England exportierte Version besaß drei Räder, weil Dreiräder in England steuerbegünstigt waren.
Die BMW Isetta war vor allem mit dem 12 PS-leistenden 250 ccm ohv Motorradmotor besonders gefragt
Der Grund dafür lag in der deutschen Führerscheinregelung. Fahrzeuge bis 250 ccm Hubraum (und zwar auch Autos) durften nämlich mit dem Klasse IV-Führerschein, den viele Leute besaßen, gefahren werden.
BMW verwendete für ihre Isetta keinen Zweitaktmotor, wie es Iso tat, sondern einen Einzylinder-Viertaktmotor aus der Motorradproduktion. Ständige Höchstleistungen durfte man dem kleinen Einzylindermotor in der Isetta natürlich nicht abverlangen, denn das war auf Dauer nicht machbar.
BMW verkaufte die kleine Isetta bis 1962 über 160000mal
Mit diesem Verkaufserfolg leistete dieser Kleinstwagen, der für die einen ein „auf Räder gestelltes Ei“ und für die anderen ein vor Wind und Wetter schützendes „Motocoupé“ (Worterfindung von BMW) war, einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der finanziellen Krise von BMW.
Erfolgreich war die BMW Isetta auch als Exportmodell. In die USA wurde sie mit einem größeren Motor und ausgestattet nach den dortigen Verkehrsbestimmungen ausgeliefert.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: gebläsegekühlter ohv Einzylindermotor (rechte Wagenseite hinter Sitzbank)
Hubraum: 245 ccm
B x H: 68 x 68 mm
Verdichtung: 6,8:1
Leistung: 12 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 85 km/h
Vergaser: Bing-Vergaser
Getriebe: Vierganggetriebe, Schalthebel links an der Seite
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung
Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung an Schwingarmen,Schraubenfedern
Hinterradaufhängung: schmalspurige Starrachse, Viertelelliptik-Blattfedern
Rahmen: trapezförmiger Stahlrohrkonstruktion
Bremsen: hydraulische 180 mm- Innenbackenbremsen
Spurweite vorn: 1200 mm
Spurweite hinten: 520 mm
Radstand: 1500 mm
L x B x H: 2285 x 1380 x 1340 mm
Bereifung: 4.80-10“
Gewicht: 350 kg (leer)
Tankinhalt: 13 l
Verbrauch: 3,3 l auf 100 km (bei 55 km/h)
Bauzeit: 1955-1962
Stückzahl: ca. 161700 Ex.