Der Ende 1982 vorgestellte Mercedes-Benz 190, der intern W201 hieß und den Spitznamen Baby-Benz erhielt, war eine Limousine der neuen Kompaktwagenklasse, die als Ausgangspunkt für die künftige Entwicklung der Daimler-Benz Modellpalette galt. Ihre klaren und strengen Linien, die der Designer Bruno Sacco entwickelt hatte, und ihre moderaten Ausmaße wiesen in die Zukunft
Der bis 1993 gebaute Typ 190 zeichnete sich durch eine aerodynamisch optimierte Karosserie, den Einsatz innovativer Materialien, ein geringes Gewicht und ein neues Fahrwerk aus. So wurde für den W201 eine Raumlenker-Hinterachse entwickelt, bei der jedes Hinterrad von fünf unabhängigen Lenkern geführt wurde. Sie glichen die Längs,- und die Seitenkräfte in allen Fahrzuständen weitgehend aus, was zu einem sehr entspannten Fahrverhalten führte. Außerdem war diese Konstruktion leichter und nahm weniger Raum ein als andere Lösungen, wie etwa die zuvor verwendete Schräglenker-Hinterachse. Neu eingeführt wurde beim 190 auch der Einarmscheibenwischer. Verzichtet hatte man auf die Feststellbremse im Fußraum und dafür eine normale Handbremse hinter dem Schalthebel positioniert.
Der Baby-Benz vereinte einige positive Eigenschaften der größeren Mercedes-Modelle mit den Vorzügen eines Kompaktwagens. Mit ihm wurde die Kompaktwagenklasse bei Mercedes-Benz etabliert, die dann in der C-Klasse mündete
In Puncto Zuverlässigkeit, Fahrverhalten und passiver Sicherheit stand der Baby-Benz seinen größeren Brüdern in nichts nach. Hinzu kam aber seine weit bessere Wirtschaftlichkeit und seine kompakten Abmessungen und das dadurch bedingte geringere Gewicht. All das ließ ihn in Kombination mit einem potenten Motor auch im Sport glänzen. So brachen drei Prototypen des 1983 vorgestellten 190 E 2.3-16 (2,3 l Reihenvierzylindermotor mit Einspritzung und 16 Ventilen) auf der Rennstrecke im italienischen Nardo mehrere Langstreckenweltrekorde. Später wurde sein Nachfolger, der 190 E 2.5-16 erfolgreich in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft eingesetzt. Die 16-Ventiler entstanden übrigens in Zusammenarbeit mit dem Motorenentwickler Cosworth.
Die Motorenauswahl war reichhaltig
Zu haben war der Baby-Benz anfangs mit einem 2 l großen, erst 90 und später 105 PS starken Reihenvierzylinder mit Vergaser und einem 122 PS starken Reihenvierzylinder mit Bosch KE Jetronic-Einspritzanlage, dann unter der Bezeichnung 190 E. Bei dem Motorentyp M102 handelte es sich um einen 1980 neu eingeführten, modernen Reihenvierzylindermotor mit Querstromzylinderkopf. 1983 gesellte sich ein Vierzylinder-Dieselmotor zum Repertoire hinzu, wenig später dann auch der sportliche 2,3 Liter Sechszehnventiler mit Einspritzanlage. In der nächsten Zeit kamen noch weitere Motorvarianten hinzu, darunter ein Fünfzylinder-Diesel, ein Fünfzylinder Turbodiesel und eine Sechszylinderversion.
Ein Facelifting erhielt die Limousine 1988
Ab diesem Baujahr bekam der Baby-Benz breitflächige Seitenplanken, die bald landläufig als Sacco-Bretter bezeichnet wurden. Außerdem gab es für ihn nun vorn eine Gurthöhenverstellung, einen elektrisch zu betätigenden rechten Außenspiegel und Schaumstoff,- statt Federkernsitze.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohc Reihenvierzylindermotor
Hubraum: 1997 ccm
B x H: 80,25 x 89 mm
Leistung: 105 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 180 km/h
Vergaser: Flachstromvergaser
Getriebe: Viergangschaltgetriebe (auf Wunsch Fünfgangschaltgetriebe oder Fünfstufenautomatik
Vorderradaufhängung: Querlenker, Dämpferbein, Schraubenfedern, Torsionsstabilisator
Hinterradaufhängung: Raumlenker-Hinterachse, Torsionsstabilisator
Bremsanlage: hydraulische Scheibenbremsen
Radstand: 2665 mm
L x B x H: 4420 x 1678 x 1350 mm
Gewicht: 1100 kg
Verbrauch: 8,8 l/100 km
Stückzahl: 1 879629 Ex.
Bauzeit: 1982-1993