Der Ingenieur und Erfinder Reiner Foerst aus Gummersbach gründete 1976 ein Unternehmen, das Fahrsimulatoren herstellte und auch heute noch zu den führenden Unternehmen dieser Branche zählt (Foerst Fahrsimulatoren)
Den entscheidenden Impuls für die Umsetzung seiner Ideen bekam der promovierte Elektroingenieur Reiner Foerst im Prinzip in den USA, wo er nach seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Mannheim für die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit dem Arbeitsgebiet der mathematischen und analogen Simulation ein paar Jahre für das US-Innenministerium in Oregon unter anderem an der digitalen Simulation dynamischer Vorgänge arbeitete. Wieder in Deutschland widmete er sich weiter verstärkt diesem Themenbereich.
Reiner Foerst entwickelte 1975 den ersten kommerziellen Fahrsimulator der Welt und gilt als Pionier auf diesem Gebiet
Er reichte sein Patent in Deutschland, den USA und Japan ein. Und das sollte erst der Anfang sein, denn er kam bis zu seinem Tod im Jahre 2009 auf gut 60 Patente für alle möglichen Arten von Simulatoren, wie PKW und LKW-Simulatoren, Gabelstabler-Fahrsimulatoren, Motorrad, und Rennwagensimulatoren, Trainingssimulatoren und auch Fahrrad-Simulatoren.
Mitte der 70er Jahre erwarb Reiner Foerst die Lizenz für die Verwendung des Ausdrucks „Nürburgring“ und es entstanden seine ersten Fahrsimulatoren, die anfangs hauptsächlich der Unterhaltung dienten
Er baute zuerst den Rennwagensimulator Nürburgring/1 und bald darauf den Motorradsimulator Nürburgring/2. Beim ersten Exemplar handelte sich um ein Holzgehäuse mit Lenkrad, Pedalen, Winkelsensoren, Bedienungshebeln und einem Startknopf. Anfangs wurden diese stehend zu betätigenden Simulatoren in Gaststätten und Spielhallen aufgestellt, wo sie großen Anklang fanden und dadurch bekannt wurden. Ein Durchbruch gelang außerdem 1976 bei der Münzautomaten-Ausstellung IMA in Berlin. Rennsimulatoren mit perspektivischem Videobild hatte es zuvor noch nie gegeben und so waren die Geräte von Reiner Foerst eine große Sensation und erlangten weltweites Aufsehen. Die Automaten-Industrie und Spielehersteller aus vielen Ländern bemühten sich bei Foerst um Lizenzverträge. Nachdem die Idee von Atari kopiert wurde, musste Foerst sich Neues einfallen lassen. So verfeinerte er seine Simulatoren, baute Sitzvarianten und integrierte Bewegungsabläufe, wie bei dem sich in die Kurve legenden Modell Power Slide. Das Modell Nürburgring Turn Table von 1982 zeichnete sich durch einen elektromotorisch angetriebenen Drehteller aus, der die Fahrerkabine in Kurven computergesteuert um seine Vertikalachse drehte.
In den frühen 80er Jahren wurden Foerst Fahrsimulatoren für Lehrzwecke entdeckt. Man erkannte, dass Fahrsimulatoren nicht nur einen hohen Unterhaltungswert haben, sondern auch für Schulungszwecke hervorragend einsetzbar waren
So kann an einem Fahrsimulator die Bedienung eines Fahrzeugs eingeübt und ein Gefühl für das Fahrzeug erworben werden. Außerdem kann über simulierte Situationen die Reaktionsschnelligkeit und Aufnahmefähigkeit trainiert werden. Neben normalen Verkehrssituationen können auch schwierige Situationen simuliert werden, die der Fahrer am Simulator völlig risikofrei üben kann. Voraussetzung für einen optimalen Lerneffekt ist natürlich eine sehr realitätsnahe Umsetzung der dynamischen Impulse. Ein großer Vorteil von Simulatoren ist die Sicherheit bei der Lernsituation, da dem Probanden während des Prozesses nichts passieren kann. Zudem kann man völlig unabhängig von Witterungseinflüssen Fahrsituationen trainieren. Auch lassen sich Fahrsituationen nach Belieben wiederholen, was in der Realität eher selten sofort möglich ist. Eine zeitnahe Auswertung des Trainings unterstreicht außerdem den Lerneffekt. Eingesetzt werden Simulatoren in Fahrschulen und Flugschulen, bei der Aus,-und Weiterbildung von Berufskraftfahrern und Berufspiloten, beim Training von Einsatzfahrten, in der Verkehrsöffentlichkeitsarbeit und für wissenschaftliche sowie für medizinische Untersuchungen wie etwa der Verkehrspsychologie. Neben all diesen sehr ernsthaften Einsatzgebieten haben Fahrsimulatoren aber auch einen hohen Unterhaltungswert, weil es einfach Spaß macht sich hinter das Lenkrad eines imaginären Rennwagens zu setzen und seine fahrerischen Fähigkeiten auf einem berühmten Rennkurs zu testen.
Fotos & Text: Marina Block