Schwere, mit Seitenwagen bestückte Dnepr-Motorräder aus Kiew in der heutigen Ukraine wurden ab der Nachkriegszeit von IMZ (Kievskiy Motosikletniy Zavod) gebaut. Das seitengesteuerte Modell M-72, das bald von der K 750 abgelöst wurde, basierte auf der Konstruktion der BMW R71, dem von 1938 bis 1941 gebauten, letzten seitengesteuerten Modell von BMW. So besaß auch die 750er Dnepr einen sv Zweizylinder-Boxermotor und einen Kardanantrieb zum Hinterrad. Das Vierganggetriebe mit Rückwärtsgang und der Seitenwagenantrieb waren hingegen von der BMW R75 inspiriert
Entstanden war IMZ 1932 als Reparaturwerkstätte für Militärfahrzeuge. Nach dem Krieg begann man hier mit der Motorradproduktion auf Basis der BMW R71. Die 750er mit seitengesteuertem Boxer-Motor blieb mit leichten Modifikationen sehr lange im Bauprogramm, auch als schon längst ein Modell mit ohv-Boxermotor, ebenfalls nach BMW-Vorbild gefertigt wurde. Die erste 750er Dnepr hieß M-72. 1958 kam mit der K 750 eine modernisierte Version heraus. Sie hatte zur besseren Kühlung eine verrippte Ölwanne, für einen besseren Fahrkomfort eine Schwinge mit hydraulischen Federbeinen hinten statt der Geradwegfederung der M-72, sowie Alufelgen und bessere Bremsen. Außerdem hatte Chefkonstrukteur K.A. Pozdnaykov der K 750 stärkere Speichen, eine bessere Vorderrad-Telegabel und bessere hydraulische Stoßdämpfer spendiert. Auch den Motor hatte man überarbeitet und höher verdichtet. In den 70er Jahren bekam die 750er eine automatische Fliehkraftverstellung und ein automatisches Kupplungssystem.
Der seitengesteuerte und luftgekühlte Motor mit 746 ccm Hubraum war im Prinzip unverwüstlich und zuverlässig
Er leistete anfangs 22 und später 26 PS bei 4800 U/min und brachte das 360 kg schwere Zweirad mit Seitenwagen auf eine Höchstgeschwindigkeit von circa 90 km/h. Wie bei der BMW arbeiteten auch im seitengesteuerten Zweizylinder-Boxermotor der Dnepr viele Zahnräder. So wurde die Nockenwelle von der Kurbelwelle über ein Stirnradpaar direkt angetrieben. Genauso erhielten die Ölpumpe und die Lichtmaschine ihren Antrieb über Zahnräder. Der Antrieb zum Hinterrad erfolgte über eine Kardanwelle. Das Vierganggetriebe mit Rückwärtsgang wurde normalerweise fußgeschaltet, konnte aber auch alternativ über einen Handhebel an der rechten Motorradseite betätigt werden. Das schwere Motorrad besaß einen Doppelschleifenrahmen aus geschweißtem Stahlrohr und seitliche Kugelköpfe zur Aufnahme eines Seitenwagens. Da man bei IMZ Probleme mit dem verschweißten Rahmen hatte, kam es anfangs im Gespannbetrieb öfter zu Rahmenbrüchen. Deshalb wurde der Rahmen bald durch zwei Streben verstärkt. Die ab Mitte der 70er Jahre bis 1984 gebauten 750er Dnepr waren hauptsächlich für das Militär gedacht. Ende der 90er Jahre wurde das Werk in Kiew geschlossen.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter sv Zweizylinder-Boxermotor
Hubraum: 746 ccm
Bohrung x Hub: 78 mm x 78 mm
Leistung: 26 PS bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 90 km/h
Vergaser: aus Leningrader Vergaserfabrik
Schmierung: Druckumlaufschmierung mit Zahnrad-Ölpumpe
Getriebe: Vierganggetriebe + Rückwärtsgang, fußgeschaltet + zusätzlicher Handhebel
Kupplung: Zweischeiben-Trockenkupplung
Hinterradantrieb: Kardanwelle
Rahmen: Doppelschleifenrohrrahmen
Radführung vorn: hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel
Radführung hinten: Schwinge
Bremsen: Vollnaben-Trommelbremsen
Radstand: 1400 mm
Länge: 2430 mm
Bereifung: 3.75-19“
Gewicht: 360 kg (leer)
Bauzeit: 1958-1984 (K750)