Der VW Käfer war eines der am meisten verkauften Automodelle der Welt. Konzipiert hatte man ihn als ein robustes und preiswertes Fahrzeug mit genügend Platz für eine Kleinfamilie, das auch im Unterhalt genügsam war und einen großen Kundenkreis ansprechen sollte
Mit gut 22 Millionen Exemplaren in einer Bauzeit von 1938 bis zum letzten in Mexiko vom Band gelaufenen Fahrzeug im Jahr 2003 zählte dieser Volkswagen nach der in 15 Millionen Exemplaren gebauten Tin Lizzy von Ford (1908-1927) bis dato zu den Bestsellern unter den langlebigen Automodellen.
Der Ursprung des Käfers, der intern Typ 1 hieß, war etwas brisant
Sein Konstrukteur Ferdinand Porsche hatte sich nämlich in den 30er Jahren einiger Ideen Hans Ledwinkas (Tatra 97) bedient und auch schon Bela Barenyi hatte in den 20er Jahren ein ähnliches Konzept ausgearbeitet. Das führte nach dem Krieg zu Gerichtsverhandlungen in deren Folge VW wegen verletzter Urheberrechte Entschädigungen zahlte. Ein bezahlbares und robustes Auto für die breite Masse zu bauen, hatten in den 30er Jahren viele europäische Automobilproduzenten im Sinne. Auch die Nazis sprangen auf diesen Zug auf. Durch den staatlich forcierten Bau eines „Volkswagens“, den sie KdF(Kraft durch Freude)-Wagen nannten, versuchten sie breite Bevölkerungsschichten zu vereinnahmen. Vereinnahmt wurde dann auch das Geld derjenigen, die die ausgegebenen Anteilscheine für dieses Fahrzeug erwarben. Zu Gesicht bekamen sie ihr angezahltes Fahrzeug nämlich nie, stattdessen ging ihr Geld in die Waffenproduktion.
Der Käfer besaß einen luftgekühlten ohv Vierzylinder-Boxermotor im Heck, eine drehstabgefederte hintere Pendelachse, eine Kurbellenker-Vorderachse, einen Zentralrohrrahmen mit Bodenplatte, Heckantrieb und ein von Erwin Komenda ausgearbeitetes Design
Die Technik des Käfers war solide und zuverlässig. Sie überdauerte in ihren wesentlichen Elementen seine komplette Bauzeit. Vergrößert wurde lediglich der Hubraum und die Leistung des Triebwerks. Auch seine rundliche Formgebung sprach die Menschen jahrzehntelang an. Leichte Veränderungen gab es meist am äußeren Erscheinungsbild und da vor allem bei der Heckfenstergestaltung („Brezelfenster“, ovale Heckscheibe, Panoramaheckscheibe). Einen wirklich anderen Eindruck hinterließ das Hebmüller-Cabriolet, das eine deutlich veränderte Heckgestaltung aufwies.
Seinen Spitznamen „Käfer“ erhielt das Fahrzeug erst in den frühen 50er Jahren, nachdem man begann, ihn mit großem Erfolg in die USA zu exportieren
Die Amerikaner nannten das robuste, kleine Gefährt bald beetle oder bug. Dieser Spitzname wurde in der deutschen Übersetzung dann auch hier schnell adaptiert.
Das Käfer Cabriolet war eines der beliebtesten Cabriolets überhaupt. Die meisten Käfer Cabriolets (Viersitzer) kamen von Karmann aus Osnabrück, insgesamt waren es 331847 Exemplare (bis 1980). Weit seltener waren die ab 1949 gebauten, eleganten zweisitzigen (2+2) Cabriolets der Firma Hebmüller aus Wuppertal, wo in der Nachkriegszeit ungefähr 696 Käfer Cabriolets gefertigt wurden
Die Söhne des Stellmachers Joseph Hebmüller konzentrierten sich ab 1919 auf die Produktion von qualitativ hochwertigen Aufbauten für verschiedene Automobilhersteller. Dank einer guten Auftragslage entstanden zwei Werke in Wülfrath und ein Reparaturbetrieb in Barmen, dem alten Hauptwerk. Auf Fahrgestelle von Fiat, Opel, Ford, Dürkopp, F.N., Hanomag oder auch Austro-Daimler bauten die Hebmüllers ihre zumeist offenen Karosserien auf. In den 30er Jahren bekamen sie unter anderem etliche größere Aufträge für Cabriolets und offene Sportwagen von Großserienherstellern, wie Opel und Ford. Aber auch Einzelstücke wurden gefertigt, wie etwa ein Hebmüller-Aufbau auf Bugatti-Chassis. Nach dem Krieg erhielt Hebmüller einen Auftrag von Volkswagen zum Bau von 2000 zweisitzigen (2+2) und luxuriös ausgestatteten Cabriolets. Nach einigen Prototypen im Jahr 1948 startete 1949 die Serienproduktion. Die Fahrzeuge besaßen ein langgezogenes Heck, eine Zweifarbenlackierung und ein vollversenkbares Verdeck, was damals als etwas ganz Besonderes galt und dem Fahrzeug ein sportlicheres Outfit verlieh. Auch der Innenraum war sehr ansprechend gestaltet. Luxuriös war nicht nur das hochwertig ausgestattete Armaturenbrett samt Uhr, abschließbaren Handschuhfächern und Telefunken-Radio, sondern auch das Federspeichen-Lenkrad, die Lederpolsterung und natürlich das hochwertige und vollversenkbare Verdeck. Gebaut wurden letztendlich nur 696 Cabriolets, weil ein Großbrand im Hebmüller-Werk die Produktionsanlagen zum großen Teil zerstörte. Der Wiederaufbau und die Modernisierung überforderten das Unternehmen, so dass die Produktion 1952 eingestellt wurde. Bei Karmann in Osnabrück wurden dann noch circa 12-14 Fahrzeuge aus Restbeständen zusammengebaut.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Vierzylinder-Boxermotor im Heck, luftgekühlt
Hubraum: 1131 ccm
Leistung: 24,5 PS bei 3300 U/min
Vergaser: Solex-Vergaser
Verdichtung: 6,6:1
Höchstgeschwindigkeit: 105 km/h
Antriebsart: Hinterradantrieb
Getriebe: Vierganggetriebe
Rahmen: Zentralrohr-Plattformrahmen
Vorderradaufhängung: Kurbellenker oben und unten, zwei Torsionsstabfedern quer
Hinterradaufhängung: Pendelachse an Längslenkern, querliegende Torsionsstabfedern
Bremsen: Trommelbremsen
Radstand: 2400 mm
L x B x H: 4070 mm x 1540 mm x 1450 mm
Gewicht: 802 kg
Verbrauch: ca. 8l/100 km
Bauzeit: 1949-1952
Stückzahl: 696 Ex.