Werbung - Automobil-und Zweiradwerbung (19./20. Jhdt.)


Kurz nach der Entstehung des Automobils und des Motorrads wurde auch schon damit begonnen für Auto und Motorrad Werbung zu machen. Für das Auto wurde allerdings weit mehr Werbung gemacht als für das Motorrad, vielleicht weil das Auto das teurere Produkt war. Annoncen in Zeitungen waren seit der im Bundesgesetz von 1854 verankerten Pressefreiheit eine gute Möglichkeit seine Produkt anzupreisen. Im Laufe der Industrialisierung bewarben fast alle großen Unternehmen ihre Produkte in dieser Form. Auch die ersten Automobilhersteller nutzten dieses Medium bereits Ende des 19. Jahrhunderts umgehend. Eine weitere Möglichkeit bot, vor allem seit der Erfindung der Litfasssäule durch Ernst Litfaß, die Plakatkunst. Automobilwerbung auf Plakaten boomte besonders in den 20er und 30er Jahren

In der Pionierzeit des Automobils stützten sich viele Hersteller neben den Annoncen in Zeitungen auch auf die Herausgabe von Reklamemarken mit Motiven ihrer Produkte. Diese Marken ähnelten Briefmarken und hatten oft ebenfalls eine gezackte Umrandung, waren allerdings lediglich hübsch gestaltete Sammelobjekte. Diese Form der Werbung hielt sich bis ungefähr zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Auch Postkarten waren zu dieser Zeit ein beliebtes Werbemittel. Manchmal konnte sich dieses Sujet allerdings auch ins Gegenteil verkehren, nämlich wenn es sich um Scherzpostkarten handelte. Die damals sehr beliebten Scherzpostkarten nahmen nämlich das Automobil in der Frühzeit seiner Entwicklung besonders gern auf‘s Korn. Die Schwächen des neuen Fortbewegungsmittels wurden auf den Scherzpostkarten so richtig durch den Kakao gezogen. Doch auch negative Werbung konnte eben letztendlich Werbung sein.

Vor allem die auf Plakaten übermittelte Automobilwerbung folgte oft dem Zeitgeist und den künstlerischen Trends der jeweiligen Zeit. Schließlich wurden die Plakate zumeist von Künstlern gestaltet. Manchmal wurden aber auch gerade in der Werbung neue Wege und Kunstformen beschritten

So vereinte etwa eine Werbung für die amerikanische Automobilmarke Jordan die Malerei mit der Dichtkunst. Das gemalte Objekt wurde hier in einer malerischen Landschaft abgebildet und das Bild mit einem geradezu lyrischen Text (gelegentlich auch im Versmaß) versehen, der die Vorzüge des Jordan-Automobils in Geschichten erzählerisch verwebte, mit der Intention dem Betrachter und Leser des Plakats ein positives Gefühl für den Jordan zu vermitteln. Da die Menschen damals noch nicht von einer Flut an Reizen überschüttet wurden, hatten sie die langen Texte wahrscheinlich wirklich gelesen und sich vielleicht in die für sie ersonnene „Fantasiewelt“ entführen lassen. Ähnlich aufgebaut war nach dem erfolgreichen Jordan-Vorbild bald auch die Werbung anderer amerikanischer Autoproduzenten, wie etwa Packard.

Die moderne Kunst kam auf dem Plakat zum Zuge. So gab es vor allem in den 20er und 30er Jahren viele renommierte Künstler, die Plakate für Autohersteller schufen. Von der Qualität dieser Darstellungen profitiert die Werbung. Im Prinzip fand sich die Mentalität und der künstlerische Stil der Zeit auch im Werbeplakat wieder

Künstler wie Geo Ham, René Vincent, Zyg Brunner, Ernest und Marghuerite (Gamy) Montaut oder Georges Gaudy, für die das Automobil ein zentrales Thema ihrer Kunst wurde, hatten auch Plakate für Autohersteller entworfen. Die damals aktuellen künstlerischen Stilrichtungen fanden sich auch im Werbeplakat wieder. Impressionistisch gestaltete Plakate sah man selbst noch in den 20er und 30er Jahren eher auf dem amerikanischen Kontinent, kubistische, surreale und futuristische Konnotationen waren eher in der europäischen Werbung vertreten. Aber auch das Art Deco spielte in der Automobilwerbung in den 20er und 30er Jahren eine große Rolle. Daneben hatten auch die Futuristen, die sich nicht nur der Maschine und dem „Maschinen-Menschen“ generell verschrieben, sondern auch der ihren Objekten innewohnenden Dynamik und Kraft, einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Werbung. Giacomo Balla, Henri Gaudier-Brzeska, Henry Valensi oder auch Luigi Russolo verliehen der Kraft und Schnelligkeit der Maschine Auto auch auf dem Werbeplakat Ausdruck. Aber nicht nur sie, auch viele andere Künstler dieser Zeit, die stilistisch etwas vielfältiger arbeiteten, verwendeten futuristische Elemente, deutlich zu erkennen etwa auf Geo Hams Werbeplakaten für die Rennen in Monaco.

Nach dem zweiten Weltkrieg drangen mit dem Medium der Fotografie und mit der Comic und Pop Art neue Formate in der Plakatwerbung vor, die gelegentlich auch eine gewisse Frische mitbrachten

So entstanden Plakate im Comic-Stil etwa für die bald weltweit erfolgreiche Velosolex. Bunte und witzige Werbung wurde nach den schrecklichen Kriegsjahren und der grauen Nachkriegszeit durchaus geschätzt, wie etwa die lustige Westrup-Werbung für die NSU Quickly und andere NSU-Zweiräder. Neben dieser in ihrer Ausgangsform noch gemalten Werbung nahm die Fotografie einen immer größeren Raum in der Werbung ein und die meisten Werbeplakate oder Prospekte basierten bald auf ihr. Aber auch völlig neue Werbeformen wurden geschaffen. So ließ BMW ab den 70er Jahren Fahrzeuge von Künstlern bemalen. Vertreter der Pop Art wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol, aber auch berühmte Repräsentanten anderer Stilrichtungen, wie der Bildhauer Alexander Calder, der Neo-Konzeptkünstler Jeff Koons oder die Installationskünstlerin Jenny Holzer, etc. bemalten im Auftrag von BMW deren Art Cars, die zu einer Art Denkmal der Mobilität avancierten und natürlich reichlich Werbung für BMW machten.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeWerbung
ModelAutomobil-und Zweiradwerbung
Baujahr19./20. Jhdt.

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