unbekannter Hersteller - Faltkinderwagen (50er Jahre)

Der abgebildete Faltkinderwagen aus den 50er Jahren war im Stil der Zeit mit reichhaltigem Chromschmuck versehen. Vor allem in den 40er und 50er Jahren war der enge Bezug zum Automobildesign jener Zeit auffällig. Auch wurden die Kinderwagen technisch weiter entwickelt, man gönnte ihnen bequemere Federungssysteme und sie waren besser auf die Bedürfnisse und die Sicherheit der Kleinkinder ausgerichtet

In der Wirtschaftswunderzeit war der enge Bezug zum Automobildesign sehr auffällig. War es einst der Kutschenbau, der einen Anhaltspunkt für den Kinderwagenbau bot, so wirkte nach dem zweiten Weltkrieg vor allem das Automobil inspirierend. Es kamen Schutzbleche für die Räder, verchromte Stoßstangen, Haltegriffe, Umrandungen sowie anderweitige Chromverzierungen, Scheibenräder, Zierleisten, Verdeckführungen wie beim Cabriolets-Verdeck, sogar gelegentlich Rücklichter und etliche andere automobile Details in Mode. Neben der vom Automobildesign inspirierten Gestaltung und der mittlerweile guten Abfederung der Kinderwagen war die Herausnehmbarkeit des Wagenkörpers und die Faltbarkeit des Unterbaus und Fahrwerks eine hervorzuhebende Eigenschaft. Man konnte den Aufbau vom Fahrgestell trennen und als Tragetasche verwenden. Praktisch war am abgebildeten Exemplar für den Halt und auch für die Abnahme des Wagenkörpers das verchromte und wie eine Ziehharmonika auf,- und zuklappbare Reelings-Gerüst, das den Wagenkörper hielt. So musste er nicht extra befestigt werden und saß doch sicher im Gestell. Das Gestell war zusammenfaltbar, was praktisch für den Transport im Kofferraum eines Automobils war. Und das war sehr wichtig, schließlich ging der Trend in der Wirtschaftswunderzeit zum Automobil, das sich jeder für seine Familie wünschte. Da musste natürlich auch der Kinderwagen Platz finden. Man legte nun mehr Wert auf Flexibilität und einfache Handhabung. Diesem Bedürfnis kam der abgebildete und gut durchdachte Kinderwagen aus den 50er Jahren entgegen, denn der Wagenkörper konnte leicht aus dem Gestell entnommen werden und das Fahrgestell ließ sich ohne große Schrauberei einfach zusammen falten und im Auto verstauen. Außerdem nahm der Wagen auch in geparktem Zustand dank seiner vorklappbaren Schubvorrichtung weniger Platz ein.

Die Existenz von Kinderwagen hat eine lange Geschichte und kann bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Eine weite Verbreitung erfuhr der Kinderwagen jedoch erst mit der Industrialisierung

Ziehwägelchen mit einem Korbaufbau aus dichtem Korbgeflecht und Holz waren bereits im 16. und 17. Jahrhundert bekannt, wenn auch sehr selten, denn die meisten Menschen waren arm und transportierten ihre Kleinkinder in Tüchern oder, wenn schon auf Rädern, dann im Schubkarren. Speziell für den Transport von Kleinkindern entwickelte Wagen waren zu dieser Zeit dem Adel und dem wohlhabenden Bürgertum vorbehalten. Aufwändige Konstruktionen, die vom Kutschenbau inspiriert waren und mit viel Metall und dekorativen Korbverzierungen auskamen, gab es häufiger in Adelskreisen des 18. Jahrhunderts. Hier hatte man auch an die Bequemlichkeit gedacht und große Räder sowie lange Deichseln verwendet, so dass die Kinderwagen eine angenehme Höhe erreichten. Für den Adel wurden auch die ersten, fast schon sportlich und leichtgängig wirkenden Konstruktionen mit Schiebevorrichtung gebaut, wie etwa bei einem für die Kinder des Duke of Devonshire gebauten Kinderwagen von 1730. Früh entstanden auch schon Kinderwagen für den Adel, die ein Kummet besaßen und von Kleintieren gezogen wurden.

Ein echter Durchbruch im Kinderwagenbau erfolgte erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als Charles Burton in London die erste Kinderwagenfabrik baute. Allerdings stellte er damals dreirädrige Wagen her, die er Perambulatoren nannte und in denen die Kleinkinder, ähnlich wie heute in den dreirädrigen Sportwagen, in Fahrtrichtung saßen. Für Babys waren diese Fahrzeuge allerdings nicht konstruiert. Mit vierrädrigen Gefährten, die für Babys geeignet waren, über einen Korb mit Verdeck verfügten und anfangs zum ziehen aber bald auch zum schieben waren, kam als erster Ernst Albert Naether aus Zeitz heraus.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

Markeunbekannter Hersteller
ModelFaltkinderwagen
Baujahr50er Jahre

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