Honda war der erste japanische Motorrad,- und Automobilhersteller, der seine Produkte bereits Anfang der 60er Jahre auch auf dem europäischen Markt anbot. Der Ausbau des Händlernetzes für Europa startete 1961 in Hamburg. Als Soichiro Honda aus Hamamatsu, der bald der größte Motorradproduzent der Welt werden sollte und in Asien auch bereits seine sportlichen, kleinen und günstigen Modelle S360, S500 und S600 sehr gut verkaufte, 1967 den kleinen Sportwagen S800 mit aus dem Rennsport entlehntem, drehfreudigem Hochleistungstriebwerk auch in Deutschland auf den Markt brachte, begründete er schon mit diesem Modell den guten Ruf, den die sportlichen und zuverlässigen Fahrzeuge von Honda bald haben würden. Der kleine Sportwagen S800 profitierte von all den Erfahrungen, die Honda im Motorradbau und in der Formel-I gesammelt hatte. In der Formel I hatte Honda 1965 mit seinem 1,5l-Zwölfzylinder-Rennmotor sogar Ferrari Paroli geboten, als die Japaner, die erst im Jahr zuvor in die Formel I eingestiegen waren, auf Anhieb den Grand Prix gewannen. Ganz in diesem sportlichen Sinne wurde der S800 in Deutschland auch von einem Rennfahrer (Hans Hermann) vorgestellt
Das kleine, wassergekühlte und ausgesprochen robuste Vierzylindertriebwerk des S800 besaß 791 ccm Hubraum und leistete 67 PS bei 7600 U/min, konnte aber problemlos bis 11000 Umdrehungen drehen. Es geht sogar die Geschichte um, dass ein S800-Motor einen Drehzahlprüfstand hat kollabieren lassen. Kurbelwelle und Pleuel des langhubigen Motors aus Aluminiumguß waren nadelgelagert, was Reibungsverluste minimierte und geringere Anforderungen an Schmierung und Kühlung stellte. Der Ventiltrieb erfolgte über zwei oben liegende Nockenwellen und Tassenstößel, die Gemischbildung übernahmen vier Keihin-Vergaser. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 160 km/h. Von diesem hoch drehenden Motor war im Prinzip die komplette Fachwelt begeistert, die diesen kleinen Honda-Motor für ein Meisterwerk hielt. Man attestierte damals den Japanern beim Bau kleiner Hochleistungsmotoren eindeutig die Nase vorn zu haben.
Etwas Kritik musste im Gegensatz zum Triebwerk das Fahrwerk des kleinen Sportwagens, den es als elegant geformtes Cabriolet und als schickes Fließheck-Coupé gab, hin nehmen. Die Bauweise mit auf einem konventionellen Leiterrahmen aufgebauter Karosserie erinnerte übrigens sehr an englische Roadster
Das Fahrverhalten auf unebenem Untergrund wurde wegen der Spurungenauigkeit der Hinterachse kritisiert. Dem Problem konnte aber mit einer Nachrüstung von Koni-Stoßdämpfern effektiv begegnet werden. Von einem Hinterradantrieb über eine Art von Schraubenfedern abgestützter Schwingenkonstruktion (also Einzelradaufhängung mit auf jeder Seite in einem ölbefüllten Kasten laufenden Ketten, die die Hinterräder antrieben) verlegte man sich beim S800 sehr bald auf eine konventionelle Bauweise mit Kardanwellenantrieb und einer hinteren Starrachse an Längslenkern und Panhardstab. Die vordere Einzelradaufhängung erfolgte an Querlenkern und längsliegenden Drehstäben. Ab Ende 1967 erhielt der S800 vorn Scheibenbremsen und 1968 eine Zweikreisbremsanlage. Gebaut wurden von 1966 bis 1970 circa 26000 Exemplare des 7750 DM teuren S800. In Deutschland wurde das Cabriolet in roter, weißer oder gelber Lackierung und das Coupé in silber, rot und weiß angeboten. Als Nachfolger im Geiste wurde erst 1999 der Honda S2000 beworben.
Auch im Rennsport war der S800 ziemlich erfolgreich
So gewann etwa ein S800 1967 das ADAC 1000km-Rennen auf dem Nürburgring in der Gran Turismo-Klasse bis 1000 ccm und einige Monate später wiederum auf dem Nürburgring das 500 km-Rennen in der Gran Turismoklasse bis 1000 ccm. Auch in seiner Heimat Suzuka, wo der S800 gebaut wurde, fuhr der kleine Renner Siege ein, wie in der GT1-Klasse beim 12-Stundenrennen von Suzuka 1968. Anlässlich der vielen sportlichen Erfolge konnte für einen mehrfachen Preis des Grundmodells ab 1967 auch ein in geringer Stückzahl gebauter S800 Racer mit Rennausstattung erworben werden.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Reihenvierzylinder aus Leichtmetall, nadelgelagerte Kurbelwelle + Pleuel
Hubraum: 791 ccm
B x H: 60 x 70 mm
Leistung: 67 PS bei 7600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe
Antriebsart: Hinterradantrieb
Chassis: Leiterrahmen
Karosserie: Ganzstalkarosserie
Vorderradaufhängung: Querlenker, zwei längsliegende Torsionsstäbe
Hinterradaufhängung: Starrachse, Längslenker, Panhardstab
Bremsanlage: Trommelbremsen hinten, Scheibenbremsen vorn ab Ende 1967
Radstand: 2000 mm
L x B x H: 3335 x 1400 x 1215 mm
Gewicht: ca. 800 kg
Bauzeit: 1966-1970, in Deutschland ab 1967
Stückzahl: insgesamt ca. 26000 Ex.