Der 1960 herausgebrachte Lancia Flavia, auf dem der drei Jahre später lancierte Appia-Nachfolger Fulvia aufbaute, war das erste Lancia-Modell mit Vorderradantrieb. Zudem waren Flavia und Fulvia die letzten eigenständig von Lancia entwickelten Modelle bevor Fiat die Regie übernahm
Angeboten wurde der Fulvia als Limousine und als Coupé. Neben dem werksseitig gebauten und von Lancia-Designer Pietro Castagnero entworfenen Coupé in verschiedenen Ausführungen gab es als dritte Karosserievariante das aus der Feder von Ercole Spada bei Zagato entstandene Fulvia Sport Coupé, das in der ersten Serie mit verschiedenen Modifkationen von 1965 bis 1970 und in der zweiten Serie von 1970 bis 1972 gebaut wurde. In der ersten Serie gab es den Fulvia Sport anfangs mit 1,2 l Hubraum und 80 PS. Ab 1967 verfügte er über 1,3 l Hubraum und 87 bzw. bald 90 PS. Der 90 PS-Motor wurde in der zweiten Serie beibehalten. Ausgestattet mit zwei Doppelvergasern kam der Sport auf eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Das Zagato-Coupé, aber vor allem das werksseitig gebaute Coupé in Rallye-Ausführung sollte viele Jahre im Rennsport für Furore sorgen. Zagato-Versionen hatten bei Lancia übrigens bereits Tradition, denn leichte und aerodynamische Sportausführungen hatte Zagato auch schon für den Flaminia, für den Appia und Flavia entworfen. Die Außenhaut des Fulvia Sport bestand anfangs komplett aus Aluminium, später waren nur noch Hauben und Türen aus Leichtmetall bis man bei der zweiten Serie zur völligen Stahlkonstruktion über ging. Ein Leichtgewicht blieb der Sport aber auch dann noch.
Die Technik basierte auf dem Flavia
So besaß auch der Fulvia Vorderradantrieb und Dunlop-Scheibenbremsen an allen Rädern. Sein Fahrwerk war äußerst überzeugend und das Fahrverhalten ausgezeichnet. Die Vorderräder waren an doppelten Querlenkern mit obenliegender Querblattfeder aufgehängt. Hinten gab es eine starre Stahlrohrachse mit Halbelliptikblattfedern und einen Panhardstab. Der komplette Antriebsstrang mit Vorderradaufhängung, Motor und Getriebe war an einem Hilfsrahmen befestigt. Der vor der Vorderachse liegende Motor des Fulvia war ein technischer Leckerbissen par excellence. Es war ein eng gewinkelter V-Vierzylinder mit einem Zylinderwinkel von 13°, der über zwei kettengetriebene, oben liegende Nockenwellen (je eine pro Zylinderreihe) verfügte. Für eine bessere Laufruhe erhielt jedes Pleuel einen eigenen Hubzapfen auf der Nockenwelle. Platziert wurde der kompakte Motorblock um 45° zur Seite geneigt im Motorraum. Der qualitativ hochwertige Motor war nicht nur für seine Leistungsfähigkeit sondern auch für seine enorme Haltbarkeit bekannt.
Das Design des Fulvia, das auf eine gute Innenraumnutzung ausgerichtet war, zeigte eine moderne, kantige Linienführung. Das von Ercole Spada gezeichnete Fastback-Coupé Fulvia Sport mit tiefer Gürtellinie, großzügigen Fensterflächen und elektrisch zu öffnendem Heckfenster stach durch gute Proportionen und eine besondere Eleganz hervor. Außerdem besaß es bessere aerodynamische Werte als selbst das auch recht gelungene Werks-Coupé
Der Fulvia Sport vereinte die kantige, ein wenig an den Chevrolet Corvair erinnernde Linienführung, wie sie die Fulvia Berlina besaß, mit fließenden Formen, die in einer zeitlos elegant sportlichen aber auch in einer für Zagato typisch eigenwilligen Gestalt mündeten. Dank seiner geringeren Höhe, der etwas größeren Länge und Breite und des geringeren Gewichts war das Zagato-Coupé in der Höchstgeschwindigkeit gut 10 km/h schneller als das normale Coupé. Gebaut wurden von der zweiten Serie des Fulvia Sport ungefähr 2600 Exemplare. Das abgebildete Fahrzeug, das zu der zweiten Serie zählt, besaß eine Wettbewerbsausstattung (Competizione). Der mit Weber-Vergasern, Doppelscheinwerfern und Maifrini Mille Miglia-Felgen bestückte Fulvia Sport war leistungsgesteigert und kam auf 115 PS.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: V-Vierzylinder mit obenliegenden Nockenwellen
Hubraum: 1298 ccm
B x H: 77 mm x 69,7 mm
Leistung: 115 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Vergaser: zwei Weber-Doppelvergaser
Getriebe: Vierganggetriebe
Antriebsart: Vorderradantrieb
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern, obere Querblattfeder, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Starrachse, Panhardstab
Bremsen: Dunlop-Scheibenbremsen vorn und hinten
Radstand: 2330 mm
L x B x H: 4090 x 1570 x 1200 mm
Gewicht: 930 kg
Stückzahl: 2600 Exemplare - zweite Serie Fulvia Sport 1.3 S
Bauzeit: 1970-1972 – zweite Serie Fulvia Sport 1.3 S