Das G-Modell von Mercedes-Benz ist seit 1979 einer der weltweit erfolgreichsten Geländewagen und zählt zu den geländegängigsten und alltagstauglichsten Fahrzeugen dieser Art. Entwickelt und gebaut wurde das Modell in Zusammenarbeit mit Steyr-Daimler-Puch in Österreich, wo auch die Produktion in Graz angesiedelt wurde. Fast 40 Jahre blieb man bei steten Verbesserungen (ab 1981 nur von Daimler-Benz weiterentwickelt) nahe an der Grundkonstruktion. Erst 2018 kam Mercedes-Benz mit einer neuen Generation heraus
Angestossen hatte die gemeinsame Entwicklung des G-Modells Anfang der 70er Jahre ein damaliger Großaktionär von Daimler (der iranische Machthaber wollte es als Jagdwagen und Patrouillenfahrzeug nutzen). So entstand in Graz um 1972 in Zusammenarbeit mit den österreichischen Experten für Geländewagen das Mercedes-Benz G-Modell, das in einigen Ländern später auch laut Vertriebsvereinbarung als Puch G-Modell verkauft wurde. Angeboten wurde der Geländewagen als zweitürige, offene Version, als geschlossener Dreitürer auf kurzem Radstand und als Fünftürer auf langem Radstand. Außerdem gab es eine Mititärversion. Eingesetzt wurde das G-Modell im Prinzip in allen Bereichen, die mit schwierigen Wegverhältnissen und Einsätzen einher gingen. So wurde das Fahrzeug bei der Feuerwehr (wie abgebildet), beim Militär, als Jagdwagen, für Expeditionen, als Zugfahrzeug für Pferdehänger und im landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Betrieb genutzt, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch bei Rallyes war dieser Geländewagen erfolgreich. So gewann etwa Jacky Ickx die legendäre Rallye Paris-Dakar von 1983 mit ihm.
Der auf Langlebigkeit ausgelegte Mercedes-Benz G/Puch G erfüllte die Erwartungen an einen zuverlässigen und leistungsstarken Geländewagen
So war er trotz einer geringeren Achsverschränkung, als sie der Land Rover Defender besaß, auch unter erschwerten Bedingungen dank seiner zuschaltbaren Differentialsperren sehr geländegängig (Kippwinkel bei ungefähr 38°). Aufgebaut war das Fahrzeug auf einem stabilen Kastenrahmen mit Quertraversen. Vorder,- und Hinterachse waren starr. Die Differentialsperren waren zuschaltbar. Zum Hinterradantrieb konnte der Vorderradantrieb zugeschaltet werden. Das Fahrzeug verfügte zudem über lange Federwege und eine große Bodenfreiheit. Die Zugkraft des Fahrzeugs war ausgezeichnet, mit Abstufungen je nach eingesetzter Motorvariante. Angeboten wurden für dieses Modell in den 80er Jahren ein Vierzylinder-Dieselmotor, ein Fünfzylindermotor mit 3 l Hubraum und als stärkste Variante ein dohc Reihensechszylinder (280 GE).
Nach dem Alfa Romeo Matta Geländewagen aus den frühen 50er Jahren kam erst im 280 GE wieder ein Reihensechszylindertriebwerk mit zwei oben liegenden Nockenwellen in einem Geländewagen zum Einsatz
Dieser Sechszylindermotor wurde von 1972 bis 1989 in vielen Mercedes-Benz-Modellen verwendet. Er bildete die letzte Entwicklungsstufe des Sechszylindertriebwerks, das 1951 im Mercedes-Benz 220, dem ersten Sechszylinder-Modell der Marke nach dem Krieg, vorgestellt wurde. Der dohc-Motor des 280 GE besaß einen Hubraum von 2746 ccm, war mit dem Saugrohreinspritzsystem K-Jetronic von Bosch versehen, und leistete 1987 150 PS bei 5250 U/min.
Gebaut wurde die Grundversion (W460) des G-Modells bis 1990, danach gab es mit dem W461 und dem W463 zwei Ausführungen
Der W461 mit zuschaltbarem Allradantrieb war etwas einfacher ausgestattet und zielte auf einen Einsatz bei Behörden und Militär, wohingegen der W463 besser ausgestattet und mit einem permanenten Allradantrieb versehen war und eher den privaten Sektor ansprach.
Das abgebildete, fünftürige, auf einem langen Radstand aufgebaute Exemplar war als Feuerwehrfahrzeug im Einsatz
Die hintere Sitzbank wurde ausgebaut. Stattdessen wurde die hintere Fläche für eine Feuerwehrausrüstung samt Erster-Hilfe-Box, Feuerlöschern und anderer spezifischer Geräte ausgebaut. Außerdem wurde die seitlich angeschlagene Hecktür durch zwei nach oben und nach unten zu öffnende Heckklappen ersetzt. Das Fahrzeug besaß Nebelleuchten vorn und hinten sowie zwei blaue Blinkleuchten und ein Einsatzhorn auf dem Dach. Als Feuerwehrwagen wurde dieser 280 GE von 1987 ein Jahr später in der Feuerwehrgerätefabrik und Schlauchweberei von Albert Ziegler in Giengen (Brenz) ausgerüstet.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Reihensechszylindermotor
Hubraum: 2746 ccm
B x H: 86 x 78,8 mm
Leistung: 150 PS bei 5250 U/min
max. Drehmoment: 226 Nm bei 4250 U/min
Benzineinspritzung: K-Jetronic von Bosch (mechanisch-hydraulisch gesteuerte Saugrohreinspritzung)
Getriebe: Vierganggetriebe, Geländereduktion
Antriebsart: Hinterradantrieb, zuschaltbarer Vorderradantrieb
Vorderradaufhängung: starr
Hinterradaufhängung: starr
Bremsanlage: hydraulische Scheibenbremsen
Radstand: 3428 mm
L x B x H: 5345 x 2190 x 2235 mm
Gewicht: 3300 kg (Fünftürer)
Stückzahl: bis 2018 insgesamt über 300000 Ex. des G-Modells
Bauzeit: 1979-2018 insgesamt, danach neue Generation