Das Bugattimodell T15 zählt zu den frühen Exemplaren des aus einer Künstlerfamilie stammenden Automobilproduzenten und Pferdenarren Ettore Bugatti
Im Elsässischen Molsheim bei Straßburg entstanden in dem 1909 gegründeten Unternehmen ab 1910 die ersten Serienmodelle. In den Katalogen von 1910 und 1911 waren noch keine Typenbezeichnungen vermerkt. Erst 1912 wurden die Typen T13, T15 und T17 namentlich erwähnt, gebaut wurden sie aber schon früher, hatten allerdings erst ab 1913 den hufeisenförmigen Kühlergrill (zuvor war das Hufeisen eckig geformt). Sie besaßen alle denselben Vierzylindermotor mit über eine Königswelle angetriebener oben liegender Nockenwelle, außergewöhnlichen Bananenstößeln und 8 Ventilen. Lediglich im Radstand (T13-2000 mm, T15-2400 und T17-1550 mm) unterschieden sich die Modelle voneinander.
Der in Mailand geborene Ettore Bugatti begann seine Automobilkarriere bei Prinetti & Stucchi, ging dann zu De Dietrich ins Elsaß, später zu Mathis und schließlich zu Deutz nach Köln
Bei Prinetti & Stucchi in Mailand baute er Ende des 19. Jahrhunderts sein erstes motorisiertes Fahrzeug, ein Dreirad und wenig später 1899 sein erstes Auto. Für De Dietrich, Mathis und Deutz konstruierte er weitere Automobile. Bei Deutz entwickelte er unter anderem auch einen leistungsstarken 5 Liter Motor und sein erstes Bugatti-Modell den Prototypen T10 mit 1,3 l Motor. Beides nahm er mit nach Molsheim. In Molsheim konzentrierte er sich dann neben der Entwicklung seiner ersten Modelle auf den Bau eines Kleinwagens für Peugeot. Dieser Bébé-Peugeot wurde ein voller Erfolg und das damit verdiente Geld half Bugatti bei der Realisierung seiner Serienmodelle.
Auf Größe kam es Bugatti nur im Sinne von Genialität an. Bei einem Auto zählte für ihn vor allem ein geringes Gewicht, ein exzellenter (auch durchaus kleiner) Motor und ein gut abgestimmtes und gut handhabbares Fahrwerk. Die Gesamtproportionen und das Verhältnis vom Motor zum Wagen waren für ihn bei einem Auto das Ausschlaggebende
So waren bereits die ersten Modelle T13, T15 und T17 mit ihren 1,3 l ohc-Triebwerken Hochleistungskleinwagen. Der ohc-Motor war ein Kunstwerk und auch wie eines mit dem Schriftzug von Ettore Bugatti signiert. Es leistete zwischen 18 und 22 PS bei 2500 U/min und brachte das mit einem Vierganggetriebe ausgestattete, leichte Fahrzeug, das im Fall des abgebildeten T15 mit Bootsheckkarosserie um die 700 kg wog auf eine respektable Höchstgeschwindigkeit.
Bereits die frühen Bugattis waren auf der Rennbahn kaum zu schlagen
Ettore Bugatti selbst, aber auch sein spanischer Geldgeber De Viscaya pilotierten den Typ 13 erfolgreich in etlichen Wettbewerben. Einer der frühen Erfolge war zudem der zweite Platz im Grand Prix von Frankreich 1911 in Le Mans als Bugatti-Mitbegründer und Rennfahrer Ernest Friderich mit dem 1,3 l Bugatti Achtventiler hinter dem weitaus größeren Fiat von Heméry über die Ziellinie ging. Siege bei Rennen wie dem Bergrennen Mont Ventoux, dem Rennen in Gaillon, der Tour de France und Cote du Val Suzon folgten.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohc Reihenvierzylindermotor
Hubraum: 1327 ccm
B x H: 65 mm x 100 mm
Leistung: ca. 18-22 PS bei 2500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 100 km/h
Verbrauch: 7 l/100 km
Radaufhängung vorn: Starrachse, halbelliptische Blattfedern
Radaufhängung hinten: Starrachse, Cantilever-Viertelelliptikfedern
Antriebsart: Kardanwelle auf Hinterachse
Getriebe: Vierganggetriebe
Chassis: Kastenrahmen mit Traverse hinten
Karosserieform:offener Zweisitzer, Katalog: offener Torpedo Spider (3 Sitze) + Torpedo Forme Tulipe 4 Sitze
Bremsen: Seilzugbremsen
Radstand: 2400 mm
Gewicht: ca. 700 kg
Bauzeit: 1913 (dieses Exemplar mit Bootsheckkarosserie)
Preis: Chassis 6600 Francs-1913 für T15
Stückzahl: 175 Ex. aller Typen im Jahr 1913