Ehemalige BMW-Angestellte, darunter der Ingenieur Ernst Loof fanden sich kurz nach dem Krieg im badischen Meßkirch zusammen um unter dem Markennamen Veritas Rennwagen und später auch Sportwagen auf der Basis des BMW 328 zu bauen
In einer Zeit als Deutschland in Trümmern lag und die Menschen froh waren, wenn sie etwas zu essen hatten, baute Ernst Loof und sein Team Rennwagen, die bald so erfolgreich waren, dass nahezu jeder Sportinteressierte den Namen Veritas kannte. Hunderttausende von Zuschauern kamen zu den Rennen um Veritas-Wagen siegen zu sehen. Viele bald allseits bekannte Fahrer begannen ihre Nachkriegskarriere auf Veritas wie der spätere Auto Motor und Sport Verleger Paul Pietsch, Karl Kling, Hermann Lang und etliche andere.
Nach der Währungsreform dachte man bei Veritas um und kam zu der Überzeugung, dass nur der Bau eines Straßensportwagens das Überleben der Firma sichern könne
Dafür musste allerdings einiges anders organisiert werden, denn handwerkliches Basteln, das das Team um Firmenmitinhaber Ernst Loof bei den Rennwagen so meisterlich beherrschte, reichte für eine angestrebte Serienproduktion nicht mehr aus. Daher wurde in der Schweiz ein Konstruktionsbüro gegründet. Hier entstanden 1949 wieder auf der Basis des BMW 328 die ersten Veritas ‚COMET‘ Coupes, die weit schneller waren als die BMWs. So waren nicht nur die Motoren leistungsfähiger sondern auch die neuen Karosserien weit windschlüpfriger. Die Karosserien lieferte das Karosseriehaus Spohn aus Ravensburg, das vor dem Krieg vor allem mit Aufbauten für Maybach bekannt wurde.
Das erste Cabriolet entstand nach acht gebauten Comet-Coupés im Auftrag eines amerikanischen Offiziers
Für die Konstruktion des Cabriolets wurde im Schweizer Konstruktionsbüro eine bereits entwickelte Karosserieform mit den später für Veritas so typischen Seitenkiemen verwendet. Genau dieser Wagen ist hier abgebildet. Wie durch ein Wunder hat er fast 70 Jahre im Originalzustand überlebt. Als eines von 2 gebauten Veritas Cabriolets diesen Typs ist er eine ganz besondere Rarität.
Die Karosserie war eine handwerkliche Meisterleistung
Sie bestand aus Aluminiumblech, das auf einem Gitterwerk aus dünnen Eisenrohren von Hand geformt wurde. Die seitlichen Kiemen verbesserten nicht nur den Fluss der Kühlluft durch den Motorraum, sie waren auch ein stilistisches Mittel um die großen Seitenflächen der damals noch sehr neuartigen Pontonkarosserie aufzulockern. Alle späteren Veritas hatten genau dieses Erkennungsmerkmal. Ebenso wie der von Ernst Loof für BMW entwickelte Sportwagen, der dann aber zu Gunsten der Designikone von Albrecht Graf Goertz, dem legendären 507 zurückgestellt wurde.
Insgesamt sind von Veritas letztlich nur ca. 80 Wagen gebaut worden. Wohl keine andere Autofirma hat mit einer so geringen Produktionszahl eine derart große Berühmtheit erlangt wie Veritas.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Reihensechszylinder
Hubraum: 1971 ccm
B x H: 66 mm x 96 mm
Verdichtung: 7,5:1
Leistung: 90 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Vergaser: 3 Solex-Vergaser
Getriebe: Vierganggetriebe
Rahmen: Doppelrohrrahmen von BMW 328, Gitterrohrgerippe mit Aluminiumkarosserie
Vorderradaufhängung:Querfeder oben, Querlenker unten
Hinterradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen, Alu-Trommeln
Reifen: 5.50 x 16“
Radstand: 2400 mm
Länge: ca. 3900 mm
Gewicht: 980 kg
Bauzeit: 1949
Stückzahl: 2 Ex.