Der Startschuss für die Verbreitung des Mobilfunks fiel 1958, als die Post mit dem A-Netz das erste öffentliche Mobilfunknetz (den „öffentlichen beweglichen UKW-Landfunkdienst“) schuf, das landesweit funktionierte. Zuvor war die mobile Kommunikation per Funk fast ausschließlich der Polizei, Feuerwehr und medizinischen Notdiensten vorbehalten. Die ersten Mobilfunkgeräte, die zumeist in Autos eingebaut wurden, waren große und schwere Apparaturen, die gut 20 kg wogen und sehr teuer waren
Schon zuvor gab es analoge Mobilfunksysteme amerikanischer Herkunft, wie AMPS, das zur ersten Generation (1G) der Mobilfunknetze zählte, aber nicht landesweit einsetzbar war. In den USA konnten 1946 zum ersten Mal Anrufe aus dem Netz der Bell Telephone Company in Chicago mobile Geräte von Motorola erreichen. Funkgeräte für das Militär und die Schifffahrt kamen übrigens bereits ab 1901 auf und das erste Autotelefon wurde schon 1935 in Betrieb genommen. Das Problem waren derzeit die Netze, Verbindungen und Reichweiten. Erst mit dem A-Netz, das auf einer handvermittelten Verbindungsaufnahme basierte und die Vermittlung des „Fräuleins vom Amt“ notwendig machte, wurde eine größere Verbreitung des Autotelefons und damit des Mobilfunks angestoßen. Dennoch war die Erreichbarkeit schlecht. Auch der Nachfolger des A-Netzes, das 1972 aktivierte B-Netz machte es noch kompliziert vom Auto aus zu telefonieren. Es gab nur wenige Funkstationen und um ein Autotelefon (Mobilfunkteilnehmer) zu erreichen, musste man wissen, in welchem Vorwahlbereich es sich gerade befand, weil man diese Vorwahl vor die Mobilfunknummer setzen musste. Erst mit dem C-Netz sollte alles besser werden.
Einer der ersten prominenten Anwender eines Autotelefons war 1958 Bundeskanzler Konrad Adenauer, der selbiges in seinem Dienstwagen nutzte
In den Funktelefonen waren damals Röhrenverstärker eingebaut. Die Geräte waren sehr groß, kosteten um die 15.000 DM und benötigten viel Strom. Während man telefonierte, musste daher der Motor laufen, weil andernfalls die Autobatterie schnell ihren Geist aufgab.
Erst mit dem 1986 eingeführten C-Netz kam die automatische Weitervermittlung eines Mobilgerätes zwischen den Funkzellen der Basisstationen
Nun ging alles vollautomatisch und der Standort des Mobilfunkgerätes wurde fortlaufend aktualisierte, so dass eingehende Anrufe ohne manuelle Vermittlung an ihr Ziel weitergeleitet wurden. Allerdings war das C-Netz im Gegensatz zum B-Netz, das auch die Nachbarländer erreichte, ein deutschlandinternes Funknetz. In den 80er Jahren entstanden übrigens in etlichen europäischen Ländern miteinander inkompatible Mobilfunksysteme.
Im Zuge der Digitalisierung wurden als Nachfolger des analogen C-Netzes moderne, digitale Netze mit besseren Möglichkeiten entwickelt. Das erste digitale Netz kam 1992 mit dem D-Netz.
Die Nutzung von Autotelefonen war mit hohen Kosten verbunden
Nicht nur die Anschaffung lag mit einem Durchschnittspreis von 10000 DM hoch, sondern auch die Telefongebühren hatten es in sich. Insofern war ein Autotelefon auch immer ein Prestigeobjekt, das sich nicht jeder leisten konnte.
Das abgebildete Autotelefon Sem 320 aus den 80er Jahren stammte von der Stuttgarter Firma SEL
SEL (Standard Elektrik Lorenz) gehörte zum amerikanischen Mischkonzern ITT (International Telephon & Telegraph Corporation) und zählte in den 60er und 70er Jahren zu den größten Unternehmen in Deutschland. Einer der bedeutensten Auftraggeber von SEL war der Staat, denn das Unternehmen belieferte etliche Behörden mit Nachrichten,- Steuerungs,- und Sicherheitstechnik. Ein Teil der Ende der 80er Jahre aufgespaltenen Firma bildete mit Alcatel ein neues Unternehmen. Mittlerweile gehört alles zu Nokia.