An geländegängigen Amphibienfahrzeugen versuchten sich eigentlich schon seit der Frühzeit des Automobils viele Hersteller. Verstärkt trat dieses Phänomen dann in den 60er und 70er Jahren auf. Die wenigsten von ihnen stellten jedoch ein wirklich zufriedenstellendes Fahrzeug auf die Beine
Der Wunsch völlig unabhängig von Straßen und Brücken zu sein, war natürlich schon immer vorhanden. So versuchten über die Jahrzehnte hinweg sicherlich hunderte Autobauer so einen Alleskönner zu konzipieren. Allerdings stellte sich zumeist schon bald heraus, dass es gar keinen großen Bedarf an derartigen Fahrzeugen gab. Die meisten Leute wollten schlicht ein normales Auto fahren. Selbst beim Militär fristeten solche Schwimmwagen bald ein Dasein als pure Spaßfahrzeuge, weil sie sich für den echten militärischen Einsatz dann doch nicht eigneten.
Die meisten Schwimmwagen krankten an einem großen Problem
So ließen sie sich prima auf der Straße fahren, man konnte auch gut ins Wasser hineinfahren und im Wasser herumfahren. Ihr großes Manko zeigte sich aber, wenn man versuchte, wieder aus dem Wasser herauszukommen, denn die Fahrzeuge hatten keinen Allradantrieb. Wenn man nämlich versuchte auch die lenkenden Vorderräder anzutreiben, geriet Wasser und Dreck ins Getriebe. Deswegen ließ man das bleiben und trieb nur die Hinterräder an. Ohne Allradantrieb hatte man aber in der Regel nicht genug Traktion, um ein Fahrzeug im schweren Gelände zu bewegen. Schon gar nicht, ein Gewässer wieder zu verlassen.
Mit dem Solo Typ 750 brachte die Solo Kleinmotoren GmbH aus Sindelfingen, die hauptsächlich motorbetriebene Gartengeräte herstellte, 1971 ein wirklich geländegängiges Amphibienfahrzeug heraus. Hergestellt wurde der Solo bis etwa 1980
Beim Solo hatte man sich gedacht, einfach alle sechs Räder anzutreiben. So konnte man auch Steilufer bewältigen und durch Schilf oder durch Matsch fahren. Man kam mit dem Solo einfach überall hoch oder wieder raus. Das ging problemlos, weil man bei ihm die Räder nicht lenken musste, da sie immer geradeaus laufen. Dieses Fahrzeug fuhr man nämlich wie einen Panzer. Gelenkt wurde, indem man eine komplette Seite abbremste. Tat man dies, so fuhr der Solo eine Kurve.
Selbst im Stadtverkehr konnte der Solo, der als All-Terrain-Vehikel eine Straßenzulassung besaß, mithalten und war zudem gar nicht unbequem
So fuhr der Solo mit einer Höchstgeschwindigkeit um die 50 km/h für ein derartiges Fahrzeug relativ schnell und war auch im Wasser allein durch die Drehung der Räder recht flott. Die Reifen nutzten nicht einmal besonders ab, weil der Reifendruck nur bei minimalen 0,2 bis 0,3 Bar lag. Dadurch erfüllten sie auch noch die Funktion einer Federung.
Auch wenn der Solo in Test sehr gut abschnitt, ein Verkaufserfolg wurde er nicht
Verkauft wurden in einer etwa zehnjährigen Produktionszeit lediglich 96 Exemplare, obwohl er auch in Großbritannien, den USA, Kanada, Südafrika und Australien angeboten wurde. Selbst das Militär bestellte lieber attraktivere, wenn auch schlechter funktionierende Wagen. Beliebt war er hingegen bei einigen Tierfilmern und auch in einigen Fernsehfilmen kam er zum Einsatz.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Zweizylinder-Zweitaktmotor
Hubraum: 430 ccm
Leistung: 20 PS bei 5500 U/min
max. Drehmoment: 3 mkp bei 3000 U/min
Elektrik: 12 V, Drehstromlichtmaschine, 36 Ah-Batterie, elektrischer Anlasser
Höchstgeschwindigkeit: ca.50 km/h
Antriebsart: Sechsradantrieb über Ketten
Getriebe: Spezialgetriebe mit zwei Planetensätzen für kombiniertes Kuppeln, Lenken und Bremsen
über Lenkhebel; zusätzliches stufenloses Keilriemengetriebe
Karosserie: offene, glasfaserverstärkte Kunststoffkarosserie in Zweischalenbauweise mit
einlaminierter Stahl-Bodenplatte
Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen
L x B x H: 2130 x 1400 x 1030 mm
Tankinhalt: 24 l
Leergewicht: 410 kg
Preis: 12765 DM
Bauzeit: 1971- 1980
Stückzahl: 96 Ex.