verschiedene Hersteller - Benzinkanister


Vor 1937 hatten Benzinkanister, oft je nachdem in welchem Land sie entstanden, eine andere Formgebung, da eine weit verbreitete Normierung nicht existierte. Aus Metall waren sie vor dem Siegeszug des Kunststoffes damals natürlich immer

In Deutschland gab es, bis der Wehrmacht-Einheitskanister 1937 entwickelt wurde, vorwiegend dreieckig geformte Benzinkanister. Die dreieckige Form hatte den Vorteil, dass man den Brennstoff leichter in den Tank einfüllen konnte, da der Kanister relativ handlich war. Im angelsächsischen Raum wurden hingegen hauptsächlich hohe eckige Kanister verwendet. Am bekanntesten waren hier die Kanister von Pratts Oil. Die Ölgesellschaft des Amerikaners Charles Pratt zählte zu den ganz frühen Unternehmen in der Ölbranche. Pratt war ein Pionier der Petroleum-Industrie und gründete in den 1860er Jahren seine Kerosin-Raffinerie Astral Oil in Brooklyn, New York. 1867 nannte sich das Unternehmen Charles Pratt Company und einige Jahre später fusionierten Pratt und sein Geschäftspartner Rogers mit der Ölgesellschaft Standard Oil von John Rockefeller. Pratt und Standard Oil verkauften ihre Produkte natürlich auch in Europa. Neben den am häufigsten auftretenden, dreieckigen und den etwa 10 l fassenden, ca. 35 cm hohen und 15 cm tiefen, eckigen Kanistern gab es in der Frühzeit aber auch außergewöhnlich geformte Kanister aus edel wirkenden Materialien wie Messing und Kupfer für sehr teure Automobile, die optisch etwas her machten.

Im Zuge der Mobilmachung in Deutschland während der 30er Jahre wurden immer mehr Produkte des Alltagslebens vereinheitlicht, um zum einen mehr Ressourcen für die Kriegsvorbereitung zu erhalten und zum anderen um Vielfalt, die als Bedrohung empfunden wurde, einzudämmen und die Bevölkerung auch hier auf eine Uniformierung zu trimmen. So gab es später nicht nur einen Einheitskinderwagen, das Radio „Volksempfänger“, den Volkswagen als allgemeine Fiktion oder die Einheitsmarke Linde‘s Kaffeemittelmischung, sondern auch einen Einheitsbenzinkanister, der speziell für die Ansprüche des Militärs entwickelt wurde

Dieses Objekt war eckig mit leicht abgerundeten Kanten, fasste 20 l Benzin und war sehr stabil gebaut. Er ließ sich dank seiner Quaderform praktisch stapeln, was durch Noppen auf der einen Seite und passende Vertiefungen auf der anderen Seite noch optimiert wurde. Um ihn schnell entleeren oder befüllen zu können, besaß er einen Bügelverschluss mit großer Öffnung und ein Entlüftungsrohr. Griffe waren so angebracht, dass sich vier leere Kanister tragen ließen. Da er möglichst bruchsicher sein sollte, verfügte der Kanister, dessen zwei Hälften vor dem Verschweißen mittels großer Weinberg-Pressen tiefgezogen wurden, über Verstärkungssicken. Innen war er zum Schutz gegen Korrosion tauchlackiert. Entwickelt hatte den Kanister der Ingenieur Vinzenz Grünvogel bei den Eisenwerken Müller & Co. aus Schwelm in Westfalen im Auftrag der Wehrmacht. Zur Serienreife weiterentwickelt und gebaut wurde er 1937 bei Ambi-Budd in Berlin, einem amerikanisch-deutschen Unternehmen, das einer der ersten Spezialisten für Ganzstahlkarosserien war und über die nötigen Geräte und Pressverfahren verfügte.

Der praktische Einheitsbenzinkanister aus Blech wurde sehr schnell weltweit adaptiert und als jerrycan (Jerry war ein Synonym für Deutsche) überall bekannt

Im zweiten Weltkrieg benutzte jede Armee diese Benzinkanister, denn sie besaßen wichtige Vorteile bezüglich der Treibstoffversorgung, ohne die Kriege kaum möglich waren. Die Kanister unterschieden sich im Wesentlichen lediglich durch die Verschlüsse, so hatten die amerikanischen Kanister einen anderen Verschluss als die deutschen Kanister.

Fotos & Text: Marina Block




Bilder

Informationen:

Markeverschiedene Hersteller
ModelBenzinkanister
Baujahrab ca. 1910

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