Der britische Computerspezialist und Erfinder Sir Clive Marles Sinclair versuchte Mitte der 80er Jahre der Luftverschmutzung in den Städten durch die vielen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mit einem offenen, einsitzigen und dreirädrigen Elektrofahrzeug entgegen zu wirken
Mit dem für eine Person ausgelegten Elektrofahrzeug C5 wollte Sir Clive Sinclair den Personennahverkehr 1985 revolutionieren. Er hatte festgestellt, das in der Stadt überwiegend Einzelpersonen in konventionell arbeitenden Fahrzeugen unterwegs waren, die für vier Personen ausgelegt waren. Natürlich führte dies vor allem in Großstädten zu einer erheblichen Belastung der Luft und zu einem Mangel an Parkflächen. So kam er auf die Idee ein auf eine Person zugeschnittenes und nur auf das Notwendigste komprimiertes Elektro-Fahrzeug zu entwerfen. Dazu muss man wissen, dass der Erfinder Sinclair auch auf anderen Gebieten ein ausgeprägtes Faible für die Miniaturisierung und für auf das Wesentliche reduzierte Dinge hatte, so war er etwa für seine Mini-Computer und Taschenrechner bekannt. Auch im Fall des C5 versuchte er mit geringen und Ressourcen schonenden Mitteln das Effektivste zu erreichen.
Elektrofahrzeuge waren keine Erfindung unserer Tage
Schon um die Jahrhundertwende (1900) gab es viele Elektrofahrzeuge, sogar mehr als benzinbetriebene Automobile. Damals konkurrierten drei Technologien miteinander. Elektrofahrzeuge, Dampfwagen und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren traten gegeneinander an und es war noch keinesfalls entschieden, wer das Rennen machen würde. Ein Handicap hatten die Elektroautos damals aber schon, denn sie waren sehr schwer und teuer durch ihre vielen Batterien.
Wenn nun ein derartiges Fahrzeug wirklich praktikabel sein sollte, musste man beim Gewicht ansetzen
Das tat Sinclair mit dem C5, der ohne Batterien lediglich 30 kg und mit Batterien etwa 45 kg auf die Wage brachte. Außerdem versuchte Sinclair das Fahrzeug mit modernsten Fertigungsmethoden in Großserie zu produzieren, um es so konkurrenzlos preiswert anbieten zu können.
Das Chassis des mit Motorradlenker und unterstützender Pedalerie ausgestatteten C5 wurde beim Sport,- und Rennwagenhersteller Lotus entwickelt und dann beim Haushaltsgerätehersteller Hoover gebaut
Bei der Konstruktion handelte es sich damals um das größte Polypropylen-Pressteil der Welt. Um die Steuerungselektronik kümmerte sich Clive Sinclair selbst. Die Produktion und den Kundendienst des C5 übernahm Hoover. Der Vertrieb des Elektro-Dreirads erfolgte, kostensparend ohne Zwischenhändler, über den Postversand.
Mit Pedalen hatte Sinclair den C5 ausgestattet, um die begrenzte Energiemenge eines Elektrofahrzeugs bei Höchstbeanspruchung zu schonen
Am Berg und beim Anfahren verbrauchte ein Elektrofahrzeug die meiste Energie. Dann konnte das Fahrzeug mit Hilfe von Muskelkraft unterstützt und die Batterie geschont werden. Außerdem kam man mit Hilfe der Pedalerie auch nach Hause, falls die Batterie ausfiel.
Trotz eines günstigen Preises von 429 Pfund war der Sinclair kein Erfolg und seine Produktion wurde nach nur einem Jahr eingestellt
Fahren durfte einen Sinclair in England jeder über 14jährige und das ohne Steuer, Versicherung, Führerschein oder Sturzhelm. Dennoch verkauften sich von dem günstigen Elektro-Einsitzer, den es übrigens auch mit einem anorakartigen Wetterschutz für den Fahrer gab, nicht allzu viele Exemplare. Geplant hatte Sinclair eine Großserienproduktion von 100000 Stück. Doch nach etwa 20000 gebauten Exemplaren standen so viele C5 auf Halde, dass die Produktion eingestellt werden musste. Eine erfolgsversprechende Möglichkeit, die Luftverschmutzung in den Städten zu verringern, war damals gescheitert.
Sinclair hatte nicht bedacht, dass seine anvisierte Kundschaft Angst haben könnte in einem derartig unkonventionellen, kleinen, dreirädrigen und dazu auch noch ziemlich langsamen Fahrzeug ausgelacht zu werden.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Elektromotor
Batterie: zwei 12 V-Batterien
Leistung: 250 Watt bei 4100 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Aktionsradius: bis 60 km
Karosserie: einsitzige Kunststoffkarosserie, Polypropylen-Pressteil
Vorderradaufhängung:
Hinterradaufhängung:
Bremsen: vorn Felgenbremse, hinten Scheibenbremsen
Reifen vorn: 12 1/2“ x 2 1/4“
Reifen hinten: 16“ x 2“
Gewicht: 30 kg Eigengewicht + 15 kg Batterien
Preis: 429 Pfund
Stückzahl: ca. 20000 Ex.
Bauzeit: 1985