Sportkinderwagen waren für Kleinkinder, die bereits sitzen konnten, gedacht. Im Prinzip war diese Art Kinderwagen sogar älter als der Kinderwagen mit Liegefläche für Babys
Als einer der ersten Kinderwagenproduzenten, der Kinderwagen industriell fertigte, gilt der Engländer Charles Burton. Er baute ab 1840 als erster in großem Stile Kinderwagen, die allerdings nicht für Babys, sondern für sitzende Kleinkinder gedacht waren. Diese „Perambulator“ genannten Gefährte zum Schieben besaßen drei Räder, wie einige aktuelle Sportwagen. Erst mit Ernst Albert Naether, der sein Unternehmen 1846 in Zeitz gründete, wurden Kinderwagen mit Korb und Liegefläche für Säuglinge en vogue.
Von England, das damals industriell am weitesten entwickelt war, gingen im 19. Jahrhundert sehr viele bahnbrechende, technische Entwicklungen aus
Man denke nur an die Eisenbahn, das Fahrrad, die Glühlampe, den Luftreifen, die Rechenmaschine, das Telefon oder auch an den Kinderwagen. Erfinder in anderen Ländern ließen sich von den neuen, englischen Entwicklungen inspirieren. In England machte man sich auch früh Gedanken über die Gesundheit kleiner Kinder. Schließlich starben damals ungemein viele Kinder nicht nur an Virusinfektionen sondern auch an Atemwegs,- und Lungenerkrankungen wie etwa an der weit verbreiteten Tuberkulose. Man erkannte, dass Bewegung an frischer Luft ungemein wichtig für die Gesundheit der Kleinen war und so kam Burton auf die Idee, ein fahrbares Gerät für den Transport von Kindern zu entwickeln, das bequemer zu handhaben war als ein Schubkarren.
Burtons „Perambulator“ hatte Ähnlichkeit mit späteren Sportwagen. Über die Jahrzehnte wurden Sportwagen immer praktischer, leichter, handlicher und sicherer. Auch bei ihnen setzten sich vor allem in den 40er und 50er Jahren vom Automobildesign abgeleitete Stilelemente durch. In den 60er Jahren wurde es zunehmend praktischer und in den 70er und 80er Jahren legte man verstärkt Wert auf Funktionalität, gute Fahreigenschaften und auch immer mehr auf Sicherheit. Eine Kombination der besten Eigenschaften eines Sportwagens aus dieser Zeit mit denen des genialen und superleichten Buggys von 1965, einer Erfindung des englischen Flugzeugkonstrukteurs Owen Finlay Maclaren (Entwickler des Spitfire-Fahrwerks), der sich wie ein Regenschirm zusammenklappen ließ, allerdings wegen seiner kleinen Räder nur für befestigte Wege geeignet war, sollte dann der „neuzeitliche“ Sportwagen werden
Der Sportwagen für das Kleinkind war vorn offen und mit einer Fußstütze versehen. Das abgebildete Exemplar aus den 80er Jahren ließ sich mittels eines Scherenmechanismus komplett zusammenklappen und bequem im Auto verstauen. Es besaß eine verstellbare Rückenlehne und Haltegriffe in der Manier von Autoarmlehnen. Abgefedert wurde der Wagen über vier Lederriemen. Die gepolsterten Seitenteile waren mit Kunstleder bezogen und mit einem Gürtelimitat verziert. Die Scheibenräder mit einem Durchmesser von 22 cm waren mit einer weißen Gummibereifung bestückt. Die Grifffläche der Anschubstange hatte man mit gerilltem, schwarzem Kunststoff überzogen. Als eine Art Rausfallschutz diente eine Stange mit Kugelelementem zum Spielen. Ein an der Schubstange angebrachtes Einkaufsnetz war leicht und erfüllte seinen Zweck.
Fotos & Text: Marina Block