Aral - Zweitaktzapftsäule

Bis es die ersten Tankstellen gab, dauerte es ein Weilchen

Anfangs bezog der Automobilist seinen Kraftstoff flaschenweise in Apotheken. Um 1900 wurden dann die ersten mechanischen Zapfanlagen für Benzinfässer entwickelt und man füllte den benötigten Kraftstoff über eine Handpumpe in einen Behälter ab. Die ersten öffentlichen „Pumpstationen“ mit Betankung über Schläuchen gab es ab 1903 in Dallas (Texas) und in der Autostadt Detroit. In Deutschland ging es erst 1923 mit der ersten Tankstelle in Hamburg los. Die öffentlichen Zapfstellen standen in den 20er Jahren häufig auf Gehsteigen vor Gasthöfen oder Kaufhäusern. Sie hatten von Hand zu bedienende Tanksäulen, die farbenfroh gestaltet waren. Die rot-gelbe-Variante von Shell wurde auch „Eiserne Jungfrau“ genannt.

Zweitakt-Tanksäulen fanden erst ab den 50er Jahren eine weite Verbreitung, zuvor mischte man Benzin und Öl meist selbst.

Als der Zweitaktmotor weit verbreitet war und auch viele Motorräder (später meist kleinere Zweiräder) über einen Zweitaktmotor verfügten und noch keine Getrenntschmierung besaßen, gab es an jeder Tankstelle eine Zweitaktzapfsäule für kleinere Abgabemengen

Diese meist mobil auf dem Tankstellengelände platzierten Geräte bestanden aus einem zylindrischen Behälter aus Stahlblech und einer darüber montierten Mischvorrichtung, die zumeist aus Milchglas war und die Sicht auf den Mischvorgang freigab. Dieser Glaszylinder, in den das Benzin über einen Handhebel oder auch pneumatisch über Druckluft aus dem unteren Behälter hoch gepumpt wurde, war mit Eichstrichen in Halbliterschritten versehen. Nachdem man das Mischungsverhältnis,- bei manchen Säulen konnte ein Verhältnis von 1:20 bis 1:75 gewählt werden, beim abgebildeten Modell gab es keine Auswahl sondern nur ein 1:25-Mischungsverhältnis -, eingestellt hatte, wurde das Öl im passenden Mischungsverhältnis aus einem Ölreservoir zugemischt. Nach dem Mischvorgang betankte man dann das Fahrzeug über einen Zapfschlauch mit dem Gemisch. Der Betrieb des Gerätes erfolgte bei Selbstbedienung oft über an der Kasse ausgegebene Wertmarken, die in das Gerät eingeworfen wurden und den Mischvorgang auslösten.

Nachdem der Zweitaktmotor immer weiter ins Abseits geraten war, findet man heute die Zweitakt-Zapfsäule immer seltener

Da heute auch die meisten Mopeds oder Roller, wenn sie denn überhaupt noch einen Zweitaktmotor besitzen, mit Getrenntschmierung arbeiten, sind diese Zapfsäulen kaum mehr zu sehen. Seit den 2010er Jahren verschwanden sie langsam aber sicher aus dem Tankstellen-Repertoire.

Weit praktischer als die Gemischschmierung war die Getrenntschmierung

Bei der Getrenntschmierung musste man nicht bei jedem Tanken dem Benzin eine genau definierte Menge an Öl beimischen. Stattdessen erfolgte die Zufuhr der benötigten Ölmenge automatisch. Über eine von der Kurbelwelle angetriebenen Ölpumpe wurde das Öl aus dem Öltank in den Ansaugtrakt des Motors gespritzt. Wieviel Öl die Pumpe förderte, konnte drehzahlabhängig oder drehzahl,- und lastabhängig erfolgen. Die etwa über den Gasgriff des Motorrads angesteuerte Frischölpumpe sorgte dann für die passende Zufuhr des Schmiermittels aus dem separaten Öltank. Gab man mehr Gas, wurde auch mehr Öl in die Ansaugkanäle gespritzt. Die Getrenntschmierung über eine drehzahlabhängige Dosierpumpe wurde 1961 unter der Bezeichnung „Frischöl-Automatik“in Zusammenarbeit von Bosch und Ingenieuren der Auto Union entwickelt. Eingeführt wurde sie 1961/62 zum ersten Mal beim Auto Union 1000, dem Nachfolger des Großen DKW 3=6. Anfangs gab es allerdings beim AU mit der Getrenntschmierung noch einige Probleme, weil die Dosierpumpe nicht richtig funktionierte.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeAral
ModelZweitaktzapftsäule
Baujahrab 50er Jahre

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