Höhm und Formeta - Fahrschulmodelle (50/60er Jahre)


Die am weitesten verbreiteten Fahrgestellmodelle für Fahrschulen stammten von der Firma Höhm und der Firma Formeta.

Vertrieben wurden sie allerdings zumeist von Fachverlagen für Lehrmittel

Im Fall der Höhm-Modelle war es die 1934 gegründete Lehrmittel GmbH von Werner Degener aus Hannover und im Fall von Formeta der 1931 gegründete Verkehrs-Verlag Remagen von Adolf Wirtzfeld, der die von ihm vertriebenen Produkte mit VVR kennzeichnete.

Bereits 1934 hatte Werner Degener seine Lehrmittel GmbH als Fachverlag in Hannover gegründet

Gleich anfangs hatte er sich hauptsächlich auf die Gestaltung von Materialien für die Ausbildung von Kraftfahrern konzentriert. So brachte er erste Auftragsblätter für Fahrlehrer, Prüfungsformulare, Verkehrszeichenkarten und -modelle sowie sein erstes Lehrbuch für die Ausbildung angehender Kraftfahrer auf den Markt. Nach dem Krieg begann der Verlag Ende der 40er Jahre wieder neue Unterrichtsmodelle für Fahrschulen und Materialien für Fahrlehrer zu produzieren. In den späten 50er Jahren wurde das Angebot der Lehrmittel GmbH immer vielschichtiger und zeigte bereits multimediale Züge.

Emil Höhm gründete seine Firma Maschinen,- und Apparatebau (eine feinmechanische Werkstatt) 1928 in Letmathe bei Iserlohn und eröffnete dort in den 30er Jahren zudem ein Opel-Autohaus

Gelernt hatte Emil Höhm sein Handwerk im Luftschifffahrtsbau in Friedrichshafen. Sein erstes Modell in kleinerem Maßstab war ein funktionierendes Motorenmodell aus dem Focke-Hubschrauber.

Als sich Degener und Höhm bei einer Ausstellung kennenlernten, vereinbarten sie eine Zusammenarbeit und entwickelten einen Fahrgestell-Prototypen für Demonstrationszwecke. Da Höhm auch Opel-Händler war und über Unterlagen vom Opel Kapitän verfügte, orientierten sich die beiden weitestgehend an diesem Fahrzeug. Es handelte sich um ein funktionstüchtiges Modell mit Bremsen, Lenkung, Federung und Beleuchtung, sogar das Getriebe ließ sich schalten. Das Triebwerk bildete wie beim Opel Kapitän ein Reihensechszylindermotor. Später soll es aber auch Modelle mit einem Vierzylinderblock aus Plexiglas gegeben haben, um die Kolben und Ventile bei der Arbeit zeigen zu können. Stand-, Abblend- und Fernlicht ließen sich einschalten. Die technischen Teile des Antriebs konnten manuell über eine Kurbel in Bewegung gesetzt werden (später auch gegen Aufpreis elektrisch). Eine aufgeschnittene Kupplungsglocke gab den Blick frei und das ebenfalls einsehbare Dreiganggetriebe ließ sich nach dem damaligen Opel-Schaltschema schalten. Einsehbar war auch das aufgeschnittene Differential und das Lenkgetriebe, funktionstüchtig waren die Trommelbremsen, das Bremspedal, die Seilzüge, die über einen Knopf zu entriegelnde Handbremse. Anfangs bestand die Kühlermaske noch aus massivem Aluminiumguss, später dann aus Kunststoff mit integrierten Scheinwerfern (60er Jahre).

Die beiden einigten sich darauf, dass Höhm das Lehrmodell baute und Degener es über seinen Verlag vertreiben konnte. Die Zusammenarbeit wurde aber erst nach dem Krieg intensiviert, denn während des Krieges wurde das Lehrmodell von der Wehrmacht vereinnahmt. Nach der offiziellen Vorstellung des Modells 1939 auf der IAA in Berlin sollte Höhm Lehrmodelle für die technische Ausbildung der Fahrer bei der Wehrmacht bauen.

Als es in der Nachkriegszeit dank des beginnenden Wirtschaftswunders und des darauf folgenden Runs auf das Automobil immer mehr KFZ-Lehrlinge gab und auch immer mehr Fahrschulen gegründet wurden, wuchs auch der Bedarf an Lehrmodellen

Das auf eine massive Holzplatte montierte Fahrgestell-Modell von Emil Höhm, das in aufwendiger Handarbeit hergestellt nicht eben wenig kostete, wurde in gut 7000 Exemplaren gebaut und war ein voller Erfolg. Seine Grundzüge wurden immer beibehalten, es wurde jedoch stets technisch modifiziert. So änderte sich etwa die Frontmaske in den 60er Jahren, und die vordere Starrachse mit Blattfedern wich einer Einzelradfederung mit Schraubenfedern. Neben diesem Modell baute Höhm auch viele andere Funktionslehrmodelle für Degener, wie Bremssysteme, Schnittmodelle von Motoren und anderes.

Die über den Verkehrsverlag Remagen (VVR) vertriebenen Lehrmodelle wurden zumeist von der Firma Formeta gebaut

Im Prinzip war VVR ähnlich strukturiert wie der Lehrmittelverlag von Werner Degener und belieferte dieselbe Klientel. Unter anderem gab VVR eine Zeitschrift für Fahrlehrer heraus und entwickelte in den 60er Jahren das Multiple-Choice-Prüfverfahren mit. Auch VVR hatte Funktionsmodelle in seinem Repertoire. Bei dem abgebildeten Exemplar aus den 50/60er Jahren handelte es sich um ein Allradfahrzeug für das Militär mit Nachtsichtleuchten. Vom Armaturenbrett aus ließen sich über Schalter die Zündung, das Licht und die Blinker betätigen. Ansonsten war auch wie beim Höhm-Modell die Mechanik des Fahrzeugs funktionstüchtig und einsehbar. Gebaut hatte das 130 ccm lange Modell Fritz Fortenbacher, der in den 50er Jahren Fahrlehrer war und Ende der 50er Jahre die Firma Formeta gründete.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeHöhm und Formeta
ModelFahrschulmodelle
Baujahr50/60er Jahre

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