FMR - Tg 500 (1958)

In aller Munde war der FMR TG 500 in den 50er Jahren unter der zwar inoffiziellen aber sehr werbewirksamen Bezeichnung Messerschmitt Tiger, obwohl Willy Messerschmitt zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr an Bord des Projektes war

Gebaut hatte das skurril anmutende, vierrädrige Gefährt der ehemalige Flugzeugingenieur Fritz Fend, der 1957 zusammen mit seinem Kompagnion Valentin Knott die Firma FMR (Fahrzeug- und Maschinenbau GmbH Regensburg) gründete und die Messerschmitt-Fabrikanlage in Regensburg übernahm. Angefangen hatte die Geschichte allerdings schon viel früher. Fritz Fend, der bereits kurz nach dem Krieg seinen ursprünglich für Behinderte konzipierten Fend-Flitzer vorstellte, begann in den frühen 50er Jahren, noch bevor BMW (mit der Isetta) und Heinkel mit ihren Kabinenrollern die Bevölkerung preiswert mit überdachten Gefährten zu motorisieren versuchten (und vor allem die vielen Klasse IV-Besitzer ansprachen), vom Flugzeugbau inspirierte und anfangs dreirädrige, flachgehaltene Kabinenroller in den Werksanlagen seines ehemaligen Arbeitgebers Prof. Willy Messerschmitt zu bauen. Da Messerschmitt aus naheliegenden Gründen erst einmal keine Flugzeuge bauen durfte, stellte er die Kapazitäten seiner Firma für die Produktion von Vespas und von Fends Kabinenrollern zur Verfügung. Der dort entstandene, dreirädrige Kabinenroller KR 175 war in fließend-runden Linien gestaltet und besaß schon diese an das Flugzeug Messerschmitt 109 erinnernde Frontpartie und die gleiche Formgebung, wie später der Tg 500. Die Grundkonstruktion bestand aus einem verwindungssteifen Stahlrohrrahmen, der mit der Bodenwanne verschweißt war. Auf dieses Gerüst hatte man die Stahlblechkarosserie aufgeschraubt. Ein seitlich abklappbares, Plexiglas-Kuppeldach fungierte als Einstieg. Wie auch bei späteren Fend-Konstruktionen waren die Sitzplätze hintereinander angeordnet und auf Schienen befestigt. Diese Anordnung ermöglichte eine schmale Bauweise und brachte bessere aerodynamische Werte. Auch die fließende Formgebung der Karosserie zielte darauf ab, möglichst wenig Luftwiderstand zu bieten. Auf diesem Gebiet kannte Fend sich bestens aus, schließlich war er früher für die Fahrwerkentwicklung von Düsenjägern zuständig gewesen.

Als Willy Messerschmitt sich bereits wieder seinem eigentlichen Metier zuwandte, brachte Fend mit dem vierrädrigen Kabinenroller Tg 500 eine kleine Sportskanone auf den Markt, der inoffiziell weiterhin als Messerschmitt angesehen wurde

Allerdings musste Fend mehrmals den Markenauftritt seiner Firma ändern, weil es Probleme mit verschiedenen Logos gab. So erhob zuerst Mercedes-Benz Einspruch gegen den Messerschmitt-Vogel, weil er angeblich mit dem Mercedes-Stern verwechselt werden konnte. Gegen die drei Ringe und die Bezeichnung „Tiger“ hatte dann wiederum Krupp etwas, weil auch sie drei Ringe verwendeten und zudem der Name „Tiger“ ihnen gehörte. So entschied sich Fend für das Kürzel Tg 500 und später für Rauten statt Ringe. Der abgebildete Wagen zählt zur ersten Serie und hat noch die drei Ringe mit FMR-Zeichen.

Der „Messerschmitt-Tiger“ war dermaßen schnell, kurvenfest und agil, dass er sportliche Fahrer vollauf zufrieden stellte

Auch der Endspurt konnte sich sehen lassen, denn das mit einem kleinen Zweizylinder-Zweitakttriebwerk von 493 ccm Hubraum und 20 PS Leistung bestückte Leichtgewicht,- der Tiger wog nur 350 kg-, brachte es auf eine erstaunliche Höchstgeschwindigkeit von gut 130 km/h. Von seiner Leistungsfähigkeit her konnte sich der FMR TG 500 mit der ersten Serie des Austin-Healey Sprite-Sportwagens messen.

Der als Sportfahrzeug gedachte Tiger wurde aufgerüstet

Um die größere Leistung des Tigers zu kompensieren, spendierte Fend ihm hydraulische Bremsen. Da er so konzipiert war, dass er eine viel größere Fahrleistung auf die Straße bringen konnte als die anderen Kabinenroller von Fend, erhielt er auch ein optimierteres Fahrwerk mit zwei statt einem Hinterrad. Die Hinterräder waren an Dreiecksquerlenkern und Schraubenfedern aufgehängt, die Vorderräder, wie bei den Dreirädern, an Querlenkern und Gummitorsionsfedern. Die Einwirkung des flugzeugähnlichen Lenkers auf die Vorderachse war sehr direkt, denn es gab kein Lenkgetriebe. Das erleichterte blitzschnelle Reaktionen enorm. Anders als bei den anderen Fend-Kabinenrollern besaß der Tiger 10zöllige statt 8zöllige Räder. Auch die Scheinwerfer waren größer dimensioniert.

Der im Heck platzierte Zweitaktmotor machte gelegentlich Probleme

Der Reihenzweizylinder-Zweitaktmotor von Fichtel & Sachs war ursprünglich ein Stationärmotor und wurde bei FMR für den TG500 weiterentwickelt. Das unsynchronisierte Vierganggetriebe wollte behutsam behandelt werden.

Beim Tiger konnte man zwischen purem Cabrio-Vergnügen oder einem Feeling, wie im Hubschrauber-Cockpit wählen

Die Normalausführung des Tigers besaß die Plexiglaskuppel, unter der es allerdings bei schönem Wetter recht heiß werden konnte. Mit nur einem Stoffverdeck war hingegen die Roadster genannte Sportausführung versehen. Allerdings konnte man die Plexiglaskuppel der Normalversion ganz leicht abnehmen und durch ein Cabriodach ersetzen.

Auch wenn der TG 500 viel Aufmerksamkeit vor allem bei der autobegeisterten Jugend erregte und von seinen Fahreigenschaften her einzigartig war, hielten sich seine Verkaufszahlen in Grenzen

Insgesamt wurden von ihm nur um die 350 Exemplare produziert. Das lag sicherlich nicht nur an dem mittlerweile recht großen Angebot an viersitzigen Kleinfahrzeugen und kleinen Roadstern, sondern auch an seinem recht hohen Preis von 3725 DM. Damit lag er in etwa gleichauf mit dem Austin-Healey Sprite. Und ein VW Käfer kostete damals auch nicht wirklich wesentlich mehr, richtete sich aber doch an ein etwas anderes Publikum.

Heutzutage liegen die Preise für überlebende Messerschmitt-Tiger in astronomischen Höhen.

Fotos & Text: Marina Block


Technische Daten

Motor: luftgekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor von Fichtel & Sachs

Hubraum: 493 ccm

B x H: 67 mm x 70 mm

Leistung: 20 PS bei 5000 U/min

Verdichtung: 6,5:1

Vergaser: Bing Fallstrom-Dreistufen-Registervergaser

Höchstgeschwindigkeit: ca. 130 km/h

Getriebe: Vierganggetriebe, unsynchronisiert

Karosserie: Ganzstahlkarosserie mit Rohrträgern und tragender Bodenwanne

Vorderradaufhängung: unabhängig, an Querlenkern, Gummitorsionfedern

Hinterradaufhängung: Dreieckquerlenker, Schraubenfedern

Bremsen: hydraulische 180 mm-Trommelbremsen

Radstand: 1885 mm

L x B x H: 3000 x 1270 x 1240 mm

Gewicht: 350 kg

Reifen: 4.40 x 10

Tankinhalt: 30 l

Verbrauch: 5,8 l auf 100 km

Bauzeit: 1958-1961

Preis: 3725 DM (1958)

Stückzahl: ca. 350 Ex.



Bilder

Informationen:

MarkeFMR
ModelTg 500
Baujahr1958

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