verschiedene Hersteller - Tretautos (50-60er Jahre)

Tretautos für Kinder haben eine lange Tradition. Schon in der Frühzeit des Automobils ließen vermögende Automobilkäufer (das waren damals eigentlich alle) gelegentlich ein kleines Exemplar mit Tretkurbelantrieb für ihren Nachwuchs als Einzelexemplar handwerklich anfertigen. So spiegelten diese mit Muskelkraft betriebenen Kleinfahrzeuge im Prinzip die Geschichte des Automobils wieder, an denen sich die Miniatur-Flitzer stets orientierten

Die Idee dahinter ist sogar noch weit älter, denn schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden für reiche Kinder kleine Kutschen gebaut, vor die dann Ziegen oder Hunde eingespannt wurden und mit denen die Kinder Ausfahrten durch den Schlosspark oder das Anwesen ihrer Eltern machten. Als dann die „pferdelose Kutsche“ immer populärer wurde, baute man auch diese im Kleinformat bestückt mit Pedalantrieb nach. Anfangs waren die erst mit Karosserien aus Holz und später aus Blech bestückten Tretautos in Handarbeit gefertigte Einzelstücke, bis die Spielzeughersteller wie etwa Moko (Moses Kohnstam) aus Fürth oder Ferbedo aus Nürnberg, die Firma Löffler aus Hamburg, die Firma Naether aus Zeitz, die bereits 1910 Tretautos fertigte, in Belgien der Spielwarenhersteller Torck oder in England Triang Toys in den 20er und den 30er Jahren (Margarete Steiff baute ab 1935 auch Tretautos) verstärkt das Terrain übernahmen und Tretautos in kleinen Serien bauten.

Die ganz frühen Tretautos waren meist noch keinem Vorbild detailgetreu nachempfunden. Das kam eigentlich erst später, vor allem als die Automobilhersteller erkannten, dass sich mit Tretautos prima bei den Kleinen eine Markenbindung aufbauen ließ. Natürlich musste das Vorbild und der Markenname dann auch deutlich erkennbar sein. Einer, der das früh erkannte, war André Citroen, der als einer der ersten großen Autohersteller Tretauto-Modelle anbot und sich wünschte, dass die ersten Worte eines Kindes „Mamma, Papa und Citroen“ wären. Dem Beispiel Citroens folgten bald auch andere Autoproduzenten, wie etwa in Deutschland Horch, DKW, Wanderer und andere. Selbst Ettore Bugatti baute von seinen Modellen Tretautos, die heute natürlich ein kleines Vermögen wert sind.

In den späten 50er und dann massiv in den 60er Jahren änderte sich das für die Tretautos verwendete Material. Kunststoff wurde für den Bau der Tretautos nun immer beliebter und ermöglichte eine preiswertere Herstellung. Aber auch Blechtretautos wurden immer noch hergestellt, so etwa beim italienischen Spielzeughersteller Giordani aus Bologna und anderen. Außerdem wuchs nun auch eine andere Kategorie an Spielzeugautos langsam heran, die es in den 20er und 30er Jahren kaum gab, und zwar diejenigen mit kleinen Benzinmotoren oder mit Elektromotoren

In den 50er und 60er Jahren gab es eine große Anzahl an Spielzeugherstellern weltweit, die Tretautos aus Kunststoff bauten, und auch viele Automobilproduzenten selbst hatten dieses Spielzeug für die Kleinen im Programm. Es gab Tretautos, die liebevoll und hochwertig gestaltet waren, mit Kunstledersitzen, Motorimitaten, schön ausgeformten Lampen und Ballhupen, elektrischem Licht, und andere, die recht einfach gehalten waren und ein Armaturenbrett und ein paar Embleme lediglich als Abziehbild (nicht plastisch geformt) aufwiesen.

Tretautos wurden nach dem zweiten Weltkrieg auch in der Verkehrserziehung eingesetzt

So gab es in den 50er Jahren einen in Hamburg bei Gunske gebauten, gelben "Shelley Porsche 356" im Maßstab 1:2 (zu sehen hier im Museum). Dieses Tretauto wurde in den Verkehrserziehungsgärten großer Städte eingesetzt. Der Mineralölkonzern Shell (deshalb „Shelley) finanzierte das Vorhaben. In den Autos übten die Kleinen sozusagen für das automobile Wirtschaftswunder.

Auch in der jüngeren Vergangenheit und heutzutage ist das Tretauto immer noch „in“

So boten und bieten viele Automobilhersteller Tretautos ihrer aktuellen oder ihrer klassischen Modelle wie etwa den Landrover Defender, den BMW 328, den Ferrari Dino oder den Volvo C70 als Tretauto in ihren Accessoire-Katalogen an. Und natürlich haben auch die großen Spielwarenhersteller immer noch Tretautos im Programm. Im Museum befinden sich Tretautos von TT (Toys Toys), Jaguar, Mercedes-Benz, Rosca (Italien) und Gunske.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

Markeverschiedene Hersteller
ModelTretautos
Baujahr50-60er Jahre

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