Der von 1957 bis 1977 gebaute, kompakte und sehr innovative Kleinwagen Fiat Nuova 500 wurde zum Millionenseller und zu einem Kultobjekt, das neben den leistungsstarken und hinreißend schönen italienischen Sportwagen, dem aus der Architektur erwachsenen, wohlproportionierten italienischen Design und der seit Alters her exzellenten Küche des Landes ein Synonym für Italien wurde. Erschaffen hatte ihn Fiats genialer Konstrukteur Dante Giacosa nach der Prämisse ein Volksauto zu kreieren, das praktisch, günstig und problemlos sein sollte
Der Nuova 500 galt mit seinem größeren Bruder 600 damals zu den interessantesten Kleinwagen-Neuheiten der Nachkriegszeit. Der Nachfolger des ebenfalls recht erfolgreichen Fiat Topolino verfügte über eine selbsttragende Karosserie, über rundum unabhängig aufgehängte Räder, über einen kostengünstigen Heckmotor und trotz seiner geringen Größe über eine gutes Raumangebot. Die Vorderräder waren an oberen Dreieckslenkern und unteren Querblattfedern aufgehängt, hinten gab es eine Schräglenkerachse mit Schraubenfedern. Der luftgekühlte Zweizylinderreihenmotor hatte oben hängende Ventile, befand sich im Heck des Fahrzeugs und trieb die Hinterräder an. Anfangs verfügte der leise und erschütterungsarm laufende Motor über einen Hubraum von 479 ccm, der aber bald auf 499 ccm erweitert wurde. In der von 1960 bis 1965 angebotenen Version 500 D leistete er 22 PS. Damit kam die eiförmige und mit nur 455 kg recht leichtgewichtige Limousine auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 100 km/h, was eine recht ordentliche Fahrleistung darstellte. Zudem war der Nuova 500 sehr wendig und kletterfreudig. Das war in einer bergigen Landschaft wie die Italiens eine unbedingte Notwendigkeit. Bis 1965 waren die beiden Türen noch hinten angeschlagen. Mittlerweile gab es ab 1958 allerdings bereits Kurbelfenster statt der frühen Schiebefenster und statt des bis zum Motorraum zu öffnenden Faltdaches war ein kleineres, ebenfalls aufrollbares Sonnendach und eine fest eingebaute Heckscheibe serienmäßig. Ab 1960 gab es den Fiat 500 auch als Kombimodell mit dem Namen Gardiniera (Gärtnerin) mit Flachmotor im Heck, um mehr Stauraum zu ermöglichen. Dafür musste der Motor fast komplett neu konstruiert werden.
Mit der ausgereiften zweiten Version des Nuova 500, dem von 1960 bis 1965 angebotenen 500 D, verkaufte sich der Fiat 500 wie geschnitten Brot und brachte es bis zum Produktionsende auf fast vier Millionen Exemplare
Diese kleinen, preiswerten und sehr praktischen Fahrzeuge fanden Liebhaber in der ganzen Welt. Sie waren so beliebt, dass sie auch in Lizenz gebaut wurden, so als NSU Fiat Neckar Weinsberg 500 oder von Steyr-Daimler-Puch.
Auch im Sport war der Fiat Nuova 500 eine große Nummer
So bewiesen für Rennen präparierte 500er beim 12-Stundenrennen für Kleinwagen auf dem Hockenheimring, was in ihnen steckte und machten Goggomobil und Co. schwer Konkurrenz.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Reihenzweizylindermotor im Heck, luftgekühlt (Gebläse)
Hubraum: 499 ccm
B x H: 67,4 mm x 70 mm
Leistung: 22 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 100 km/h
Getriebe:Vierganggetriebe, unsynchronisiert
Antriebsart: Hinterradantrieb
Lenkung: Schnecke und Rolle
Vorderradaufhängung: Dreieckslenker, Querblattfeder
Hinterradaufhängung: Schräglenkerachse, Schraubenfedern
Bremsen: Trommelbremsen
Radstand: 1840 mm
Länge: 2970 mm
Breite: 1320 mm
Höhe: 1350 mm
Gewicht: 455 kg
Preis: 3390 DM
Bauzeit: 1960-1965 (500 D)
Stückzahl: 3 702078 Ex. - alle Versionen von 1957-1977