Dürkopp aus Bielefeld produzierte nicht nur Nähmaschinen. Vielmehr wurden hier bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert Fahrräder und Automobile (LKW und PKW) gebaut und ab 1901 begann man auch, Motorräder zu konstruieren. Die für ihre soliden Konstruktionen weithin bekannte Firma zählte zu den Pionieren der motorisierten Fortbewegungsmittel und war einer der ersten deutschen Automobilhersteller
Der gebürtige Herforder Nikolaus Dürkopp, von Beruf Schlosser, arbeitete 1865 in der jungen Bielefelder Nähmaschinenfabrik Baer & Koch. 1867 gründete er dann mit dem Kaufmann Karl Schmidt eine eigene Nähmaschinenfabrik mit selbst konstruierten Produkten. Als in den 1880er Jahren die Überproduktion im Nähmaschinengewerbe auch der Firma Dürkopp stark zusetzte, sah sich Dürkopp, wie andere auch auch, nach einem weiteren Standbein um. Der Mann aus Ostwestfalen erkannte schon frühzeitig den Trend zum Fahrrad und bald darauf zum Automobil. Bereits 1886 nahm der Betrieb den Bau von Fahrrädern auf, ungefähr zeitgleich begann auch der Bau stationärer Gasmotoren bei Dürkopp. 1896 kaufte man die Norddeutschen Fahrradwerke in Oldesloh und beteiligte sich zudem an der Styria-Fahrradfabrik von Puch in Österreich. Ungefähr zeitgleich engagierten sich die Bielefelder ebenfalls in der Automobilproduktion und wenig später in der Motorradproduktion. Ihr erstes Motorradmodell mit hauseigenem Motor entstand 1901 und hieß „1 ¾ HP“.
Das erste Automobil stellte Dürkopp um 1898 her
Zunächst waren es leichte Voituretten nach französischem Baumuster, doch den kleinen Flitzern nach System Panhard folgten schon sehr bald hubraumstärkere Modelle. Ab 1902 konzentrierte Dürkopp sich im Automobilbau auf die Produktion größerer Tourenwagenmodelle mit Vierzylinder und Dreizylindermotoren, die allerdings in nur kleinen Stückzahlen entstanden. 1903 gesellte sich sogar ein Sechszylindermodell hinzu. Unter der Bezeichnung DG präsentierte Dürkopp später seine Oberklassemodelle, wozu als stärkste Variante eine 13-Liter-Vierzylinderversion mit 100 PS zählte. Später wurde diese Baureihe von den P-Modellen abgelöst. Große Stückzahlöen wurden von ihnen allerdings nicht gebaut. In größeren Stückzahlen entstanden hingegen die Lastwagen der Marke. Ab 1908 bereicherten auch kleinere Modelle mit Vierzylindermotoren, die erst als K - bzw KD-Serie und dann unter dem Namen Knipperdolling bekannt wurden, das Angebot. Ein „Knipperdolling“ bedeutete im Westfälischen soviel wie eine „kleine Person“. Unter den Dürkopp-Personenwagen fanden vor allem diese Knipperdollings einen wirklich nennenswerten Absatz. Von ihrer technischen Grundkonstruktion her basierten die meisten Dürkopp-Modelle dieser Zeit auf dem für das Kaiserpreis-Rennen von 1907 entwickelten Rennwagen mit 7,2 l Vierzylindertriebwerk und einer Leistung von 70 PS. Erfolg im Sport hatte Dürkopp auch 1911 und 1912, als Dürkopp Rennwagen den zweiten Platz bei der Rallye Monte Carlo belegten.
Bestückt waren Dürkopp-Fahrzeuge übrigens recht häufig mit Aufbauten des Osnabrücker Karosseriebauers Karmann
Dürkopp zählte damals zu Karmanns ersten Großkunden. Besonders beliebt für Dürkopp-Wagen waren Torpedo Phaeton-Aufbauten und die Landaulet-Limousine. Kleine Ausführungen wie den Knipperdolling gab es allerdings auch als Sportzweisitzer.
Dürkopp ließ Anfang des letzten Jahrhunderts auch Fahrzeuge in der Berliner Motorwagen-Fabrik, den späteren Oryx-Werken bauen. Hier wurde für einen Dürkopp auch einer der ersten Vierzylindermotoren mit vierfach kugelgelagerter Kurbelwelle konstruiert
1906 pachtete Dürkopp die Oryx-Fabrik und übernahm sie 1911 komplett. Zum größten Teil entstanden dort die LKWs von Dürkopp, so auch einer der ersten LKWs mit Kardanantrieb. Ab den 20er Jahren wurden dann auch die meisten Dürkopp-PKW in Berlin gebaut. Als Mitte der 20er Jahre, wie bei anderen Herstellern auch, die Umsätze drastisch zurückgingen, stellte Dürkopp 1927 die Automobilproduktion und zwei Jahre später die Nutzfahrzeugproduktion ein.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Vierzylinderreihenmotor
Hubraum: 2100 ccm
Leistung: ca. 18 PS bei 2000 U/min
Vergaser: Pallasvergaser
Zündung: Magnetzündung
Höchstgeschwindigkeit: ca. 70 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe
Chassis: Kastenrahmen
Vorderradaufhängung: starr, Halbelliptikfedern.
Hinterradaufhängung: starr, Halbelliptikfedern
Bremsen: Fußbremse auf Getriebeausgangswelle, Handbremse auf Hinterradbremstrommeln
Gewicht: ca. 700 kg Chassis
Preis: 5500 Mark
Bauzeit: 1910-1913