Die ab 1953 gebaute Quickly avancierte in der Wirtschaftswunderzeit nicht nur zum Synonym für das moderne Moped schlechthin sondern auch zu einem Mittel größerer Bewegungsfreiheit einer jungen Gesellschaft
Ab etwa Mitte der 50er Jahre bildete die Mopedproduktion für viele Motorradhersteller einen Rettungsanker. Größere Motorräder verkauften sich wegen der einsetzenden Wirtschaftswunderzeit und der Orientierung hin zum Automobil immer schlechter, das Moped hingegen boomte.
Zu verdanken war diese Entwicklung den geburtenstarken Jahrgängen, die gerade ins passende Alter für diese neue Fahrzeuggattung kamen. Anfang der 50er Jahre hatte der Gesetzgeber diese neue Fahrzeugklasse mit der Vorschrift geschaffen, dass das Fahrzeug Pedale und eine Klingel haben musste. Motorfahrräder gab es natürlich schon weit länger, Mopeds (der Begriff setzt sich aus Motor und Pedale zusammen) zeichneten sich demgegenüber durch stabilere und ansprechender geformte Rahmenkonstruktionen aus, die mit einem 50 ccm-Motor bestückt waren.
Die NSU Quickly war im Meer der Mopedhersteller damals nicht nur wegen Albert Roders elegant geformtem wie modernem Zentralpressrahmen (er diente auch zur Ansauggeräuschdämpfung, Luftreinigung und Lufterwärmung. So trug das System der „beruhigten Luft“ zur Langlebigkeit des Motors bei, da die staubhaltige und kalte Ansaugluft erst den Rahmen passieren musste) und dem zuverlässigen 1,4 PS Zweitaktmotor mit Leichtmetall-Druckgusszylinder samt hartverchromter Lauffläche so enorm beliebt. Auch NSUs genialer Werbetexter Arthur Westrup, der für die Quickly mit lustigen Sprüchen und großem Einfallsreichtum die Werbetrommel schlug und damit bei dem jugendlichen Publikum bestens ankam, trug viel zum Erfolg bei
Sicherlich spielte auch der Name NSU eine wesentliche Rolle, denn die Marke bürgte für Qualität und Leistungsfähigkeit. Bedeutende Rennerfolge der NSU-Motorräder, ein dichtgespanntes Servicenetz, langlebige und wartungsarme Motoren, sowie ein gutes Fahrwerk sprachen allein schon für sich. Doch gerade um ein junges Publikum an sich zu binden, trafen die Slogans von Westrup damals genau ins Schwarze. Sogar heute erinnern sich noch viele an:„Nicht mehr laufen, Quickly kaufen“; oder „Fräulein von K., die Baroneß, fährt neuerdings die Quickly S, drum wünschen alle hier im Städtchen, jetzt auch das neue Luxusrädchen.“ oder in der Betriebsanleitung: “Ketten sind wie Martinsgänse: Sie geraten am Besten, wenn sie im eigenen Fett schmoren dürfen“, und und und.
Die Quickly S war das zweite Quickly-Modell und kam 1956 heraus, kurz gefolgt vom Modell L (Luxus). Die Quickly S besaß seitliche Spritzschutzbleche, Chromfelgen und einen Tachometer in der Lampe
Da die Gewichtslimitierung für Mopeds (ursprünglich 33 kg) 1956 aufgehoben wurde, waren auch die Quickly-Modelle nun umfangreicher ausgestattet und der Pressstahlrahmen mit elegant geformten Schutzblechen und kleineren Abdeckungen versehen. Auch ein großer Tank war kein Hindernis mehr. Wählen konnte man ab 1957 auch zwischen einem handgeschaltetes Dreiganggetriebe oder einem Zweiganggetriebe, ein integrierter Tacho mit Kilometerzähler war üblich und Vollnaben-Trommelbremsen bei den neueren Modellen ebenfalls.
Das Modell S besaß vorn eine Schwingfedergabel aus Pressblech mit zwei Schraubendruckfedern und ein starr aufgenommenes Hinterrad. Ein Beinschild konnte extra geordert werden. Das Modellangebot wurde mit der S2 (Sitzbank für zwei Personen), der S23 und N23 mit 23“-Rädern und der S2/23 mit Doppelsitzbank und Alufelgen, oder der chicen Cavallino und den sportlichen Modelle „TT“ und TT/K mit Kickstarter erweitert. Als letztes Modell kam 1962 noch die Quickly F auf den Markt. Bei dem abgebildeten Modell S von 1960 handelt es sich um einen Scheunenfund.
Im Laufe der 60er Jahre zog NSU einen Schlussstrich unter die Produktion des erfolgreichsten Mopeds Deutschlands. Über 1,5 Millionen Exemplare wurden von den Quicklies weltweit verkauft
Mitte der 60er Jahre verabschiedete NSU sich dann komplett vom Motorradbau, denn man sah, bestätigt durch den Erfolg der Prinzen und neuer Projekte wie dem NSU Ro 80, seine Zukunft im Automobil. Schließlich orientierte sich in der Wirtschaftswunderzeit alles in diese Richtung. Damit war das Ende des Zweiradbaus bei NSU besiegelt.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor
Hubraum: 49 ccm
B x H: 40 mm x 39 mm
Verdichtung: 5,5:1
Zündung: Schwungradlichtmagnet
Leistung: 1,4 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Vergaser: Bing-Startvergaser
Getriebe: Zweiganggetriebe, auf Wunsch Dreiganggetriebe
Kupplung: Mehrscheibenkupplung
Rahmen: Stahlblechbrückenrahmen
Vorderradaufhängung: Blechpreßgabel mit Schwinghebel
Hinterradaufhängung: starr
Bremsen: Halbnaben-Trommelbremsen
Reifen: 26 x 2.00
Tankinhalt: 4,5 l
Gewicht: 45 kg
L x B x H: 1895 x 642 x 960 mm
Bauzeit: 1956-1965 Modell S
Preis: 515,- DM – 1956 Modell S
Stückzahl: 314715 Ex.