Renault - R16 TS (1978)


Im März 1965 stellte Renault auf dem Genfer Automobilsalon sein innovatives Mittelklassemodell R16 vor. Es war das erste Serienmodell der Mittelklasse mit Schrägheck. Die fünftürige Schräghecklimousine mit großer Heckklappe und variablem Innenraum durch eine abklappbare und leicht ausbaubare Rücksitzbank blieb bis 1979 im Programm und avancierte zum Bestseller

Der Trendsetter und der erste in Sachen Variabilität und Schrägheckklappe war allerdings bereits ein kleineres Fahrzeug, nämlich der Verwandlungskünstler Autobianchi Primula, den Fiats Chefkonstrukteur Dante Giacosa entworfen hatte. Der Primula war ebenfalls eine Schräghecklimousine mit zur Ladefläche verwandelbarem Heck und großer Heckklappe. Im Prinzip hatte er größtenteils das vorweg genommen, was man später als „Golf-Klasse“ bezeichnete. Noch besser gelang dies allerdings dem R16, der auch noch über die nötigen PS und die passende Größe verfügte. Einen Bruch mit der Tradition vollzogen und neue Wege gegangen war Renault bereits seit den frühen 60er Jahren mit der Erfindung des genialen R4( große Heckklappe samt umbaubarem Innenraum + innovative Technik). Von nun an standen sehr praktisch und anwenderfreundlich konzipierte Fahrzeuge auf der Agenda. Das, was im Kleinen großen Erfolg hatte, sollte vom Prinzip her auch in der Mittelklasse funktionieren. Renault bewarb sein völlig neu gestaltetes Modell R16 als einen Mittelklassewagen für einen Kundenkreis, der ein praktisches und sachliches Fahrzeug wünscht. Es müsse sicher, ausreichend schnell und ungewöhnlich komfortabel sein. Ein Fahrzeug, das gut aussieht und in das die Erfahrungen eines Werkes hinein gebaut sind, das zu den Pionieren des Automobilbaus zählt.

Es heißt, die Bauanweisung für den R16 habe gelautet, so praktisch, kostengünstig und sparsam wie ein R4 und so elegant, sicher und komfortabel wie ein Citroen DS zu sein. Hinzu kam noch Agilität und Schnelligkeit sowie ein gutes Fahrverhalten

Der R16 verfügte dank des Vorderradantriebs, seines langen Radstands und seiner Lenkradschaltung über viel Platz vorn und dank einer umklappbaren und mit wenigen Handgriffen auch leicht ausbaubaren Rücksitzbank über einen vielfältig nutzbaren hinteren Innenraum, der sich wegen der großen Heckklappe leicht beladen ließ. Ferner besaß das Fahrzeug viel Fensterfläche und ermöglichte so eine gute und übersichtliche Rundumsicht.

Die zweckmäßige und elegante Schräghecklimousine zeichnete sich auch durch große Fahrsicherheit und einen hervorragenden Federungskomfort aus

Der R16 besaß eine selbsttragende und strömungsgünstig geformte Karosserie mit vorn abfallender Motorhaube, abfallendem Heck und eingelassenen Türgriffen. Außergewöhnlich war auch das Pagodendach. Die über die Dachlinie hochgezogenen Karosserieseiten sorgten zusammen mit der stabilen Bodengruppe für hohe Verwindungssteifheit. Das Vierganggetriebe des frontgetriebenen R16 war wie bei Renault und auch anderen französischen Herstellern üblich vor dem Motor eingebaut. So wurde mit dem weiter zum Fahrgastraum hin rückenden ohv Vierzylindertriebwerk (ein Teil des Motors lag unter dem Armaturenbrett) eine gute Gewichtsverteilung erreicht. Die rundum einzeln aufgehängten Räder waren drehstabgefedert. Der Radstand war rechts und links ungleich lang, weil die Drehstabfedern hintereinander angeordnet waren. Da die Drehstabfedern über die ganze Fahrzeuglänge hinten verschränkt angeordnet waren, hatte der R16 rechts und links unterschiedlich lange Radstände.

Auch der je nach Ausführung 55 bis 93 PS (in der TX-Version) leistende, langhubige ohv Vierzylinderreihenmotor des R16 war etwas Besonderes

Motorblock, Zylinderkopf und Getriebegehäuse bestanden nämlich aus Aluminium. Er war der erste Renault, dessen Block aus Leichtmetall gefertigt wurde. Die seitlich platzierte Nockenwelle war recht hoch angeordnet, so dass man nur kurze Stoßstangen für den Ventiltrieb benötigte. In seiner stärksten Ausführung wurde der Motor übrigens auch im Lotus Europa und im Renault Alpine verwendet.

Der 1968 herausgebrachte R16 TS war eine leistungsgesteigerte Ausführung, die vom Rennwagenkonstrukteur Amedèe Gordini optimiert wurde

Der R16 hatte nun einen um 100 ccm auf 1565 ccm Hubraum vergrößerten Motor und leistete 83 PS. Er verfügte über einen von Gordini neu konstruierten Querstromzylinderkopf und über v-förmig im Kopf hängende Ventile statt der zuvor parallel hängenden. Weitere Verbesserungen betrafen die größeren Scheibenbremsen, den Einsatz eines Bremskraftverstärkers und eine noch komfortablere Ausstattung mit übersichtlichen Rundinstrumenten, einem Drehzahlmesser, einer heizbaren Heckscheibe und Halogen-Zusatzscheinwerfer für Fernlicht. Die nächste Änderung kam Anfang der 70er Jahre als der R16 mit größeren Heckleuchten bestückt wurde. Später wich der Aluminiumgrill einem Grill aus schwarzem Kunststoff.

Der R16 hatte mit fast 1850000 bis 1979 verkauften Exemplaren großen Erfolg

Seine Bauweise wurde zum Wegweiser für die Kompaktklasse.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten


Motor: ohv Reihenvierzylinder, wassergekühlt

Hubraum: 1565 ccm

B x H: 77 x 84 mm

Leistung: 83 PS bei 5500 U/min

max. Drehmoment: 120 Nm bei 3500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h

Getriebe: Vierganggetriebe, Lenkradschaltung; Automatik auf Wunsch

Antriebsart: Vorderradantrieb

Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie

Vorderradaufhängung: unabhängig an Doppelquerlenkern, längsliegenden Drehstabfedern, Stabilisator

Hinterradaufhängung: unabhängig an Längslenkern, querliegenden Drehstabfedern, Stabilisator

Radstand: 2720 mm links; 2650 mm rechts

L x B x H: 4231 x 1648 x 1455 mm

Gewicht: 1060 kg

Verbrauch: 8,5 l auf 100 km

Bauzeit: 1965-1979

Stückzahl: 1846000 Ex.



Bilder

Informationen:

MarkeRenault
ModelR16 TS
Baujahr1978

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