Bleichert - Eidechse (1950)


Das 1874 in Leipzig gegründete Unternehmen von Adolf Bleichert, dem Erfinder der Exzenter-Friktionskupplung, baute Seilbahnen in der ganzen Welt. Bleichert galt als einer der führenden Seilbahnbauer, der auch für die schwierigsten Bedingungen Lösungen fand

So baute Bleichert die höchste und längste Seilbahn Argentiniens, die steilste Seilbahn in Tansania, die längste über Wasser führende Seilbahn in Neukaledonien. Eine der leistungsstärksten Seilbahnen von Bleichert fand sich in Frankreich, es gab sie in Norwegen, in Chile, China oder Indien und vielen anderen Ländern.

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts Elektromotoren leistungsfähig und zuverlässig wurden, begann Bleichert um 1895 auch Verladeanlagen, Elektrohängebahnen und viele andere von einem Elektromotor angetriebene Transportanlagen zu bauen. Ab etwa 1920 kam auch der Bau von Elektrokarren hinzu

Um die Produktion so vieler unterschiedlicher Gerätschaften zu vereinfachen und ökonomisch zu machen, führte Bleichert zur Zeit des ersten Weltkriegs ein Baukastensystem ein. In der Weltwirtschaftskrise musste das Unternehmen 1931 Konkurs anmelden. Nach dem Ende der Firma als Familiengesellschaft, wurde das Unternehmen als Bleichert-Transportanlagen GmbH weitergeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte der Leipziger Betrieb, der nun der sowjetischen Aktiengesellschaft Transmasch angegliedert war, als erstes Reparationsleistungen an die Sowjetuniun zu erfüllen. Gebaut wurden Kabelkrane, Elektrokarren, Verladebrücken, Frässchaufler, etc. und auch wieder Seilbahnen. 1953 wurde die SAG Bleichert dann ein volkseigener Betrieb der DDR.

Die weltweit vertriebene Bleichert Eidechse galt als Vorläufer eines modernen Elektrogabelstaplers

Dieser Elektrokarren mit der Bezeichnung Eidechse (die Bezeichnung sollte auf die Wendigkeit des Elektrokarren verweisen) war ein kleines niedriges und vierrädriges Fahrzeug mit Vollgummibereifung und einer Plattform als Transportfläche. Der Antrieb erfolgte durch zwei Motoren, die sich unter der Ladefläche in einem Kasten befanden und von Akkus gespeist wurden. Je nach Ausführung gab es die Eidechse mit der Betriebs,- und Bremseinrichtung hinten oder vorn. Später konnte auch eine Vollverkleidung und ein Dach für die Eidechse geordert werden. Das Außergewöhnliche an diesem Elektrokarren war seine patentierte Lenkung. Die Eidechse besaß nämlich eine Trittbrettlenkung, die auf die Gewichtsverlagerung des Fahrers reagierte. Je nachdem, auf welche Seite des Trittbretts er sein Gewicht verlagerte, konnte die Fahrtrichtung bestimmt werden. In den 20er Jahren betrug die Fahrgeschwindigkeit um die 8 km/h. Später steigerte sie sich bis auf 16 km/h. Die Eidechse wurde anfangs in zwei Größen für 750 kg und für 1500 kg Nutzlast gebaut. Später kamen weit stärkere Varianten auf, die sogar eine Nutzlast von 7,5 Tonnen ermöglichten. Es gab die Eidechse in unterschiedlichen Bauarten, die Basis war aber immer der Plattform-Elektrokarren EK. Entwickelt wurde das Fahrzeug 1920. Drei Jahre später ließ Bleichert den Elektrokarren unter der Bezeichnung Eidechse patentieren. Genutzt wurde er auf vielfältige Weise. So wurde er bei der Eisenbahn in Bahnhöfen als Transportmittel für Gepäck eingesetzt, genauso wie in Fabriken zum Transport von Material oder Waren, bei der Post zur Paketbeförderung und in anderen städtischen Bereichen wie Krankenhäusern, Molkereien, Friedhöfen etc.. Dem Einsatz als Kleintransportmittel waren sozusagen einst kaum Grenzen gesetzt. Für diesen Elektrokarren konnte sogar eine Straßenzulassung erlangt werden. Beliebt war die Eidechse übrigens nicht nur in Deutschland, schließlich wurde sie weltweit exportiert und machte Bleichert fast so bekannt wie es seine Seilbahnen taten. Selbst in den 90er Jahren waren die langlebigen Fahrzeuge noch auf etlichen Bahnhöfen in täglichem Einsatz.

Die abgebildete Eidechse von 1950 entstand in Westdeutschland

Die Felten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft aus Köln, die seit den späten 20er Jahren viele Anteile der Bleichert-Werke besaß, gründete 1932 als das Unternehmen Adolf Bleichert & Co. in Konkurs ging, die Auffanggesellschaft Bleichert Transportanlagen GmbH. Nachdem die Tochtergesellschaft im Osten nach dem Krieg verloren war, gründete das Carlswerk 1946 die Bleichert Transportanlagen GmbH Köln, die auch die abgebildete Eidechse von 1950 baute.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeBleichert
ModelEidechse
Baujahr1950

Weitere Fahrzeuge