Mit dem Luxusautomobil Phantom I, das zuerst New Phantom hieß und erst später die Bezeichnung Phantom I erhielt, brachte Rolls-Royce 1925 den Nachfolger des legendären Silver Ghost heraus, der vor dem ersten Weltkrieg als das beste Automobil der Welt galt. Wie jener wurde auch der Phantom I sowohl in Großbritanniens als auch in den USA (in Springfield, Massachusetts) gebaut. Der Phantom I besaß einen immensen Durchzug und zeichnete sich durch eine mühelose und völlig unangestrengte Kraftentfaltung mit ansatzlosen und geschmeidigen Beschleunigungsvorgängen bei völlig sanft laufendem ohv Reihensechszylindertriebwerk aus
Daneben verwies auch die Namensgebung der 40/50 hp-Modelle von Rolls-Royce mit den Bezeichnungen Ghost und Phantom auf eine enorm leise Geräuschentwicklung. Der Phantom I verfügte mit seinem neuen 7,7 l ohv Reihensechszylindermotor über eine hohe Kraftentfaltung. Seine paarweise gegossenen Zylinder (2x3) hatten einen abnehmbaren Zylinderkopf, der ab 1928 aus Aluminium gefertigt wurde. Gearbeitet war der Motor in einer unglaublichen Präzision. Schon bei dreistelligen Drehzahlen entwickelte das wie ein LKW-Motor wirkende Triebwerk eine gewaltige Leistung.
Von Rolls-Royce kamen nur der Motor und das Fahrwerk. Für die Aufbauten auf die rolling chassis waren Karossiers zuständig
In Großbritannien sorgten zumeist Karosseriehäuser wie Thrupp & Maberly, Park Ward, Barker, Mulliner, Hooper und andere für die Einkleidung der Rolls-Royces. In den USA kamen die meisten Aufbauten für den Phantom I von Brewster, wie auch bei dem abgebildeten Phantom von 1929.
Der Karosseriebauer Brewster aus New York konnte auf eine lange Geschichte zurückblicken
Gegründet wurde das Unternehmen, das anfangs Kutschen herstellte, bereits 1810. Das erste Automobil kleidete Brewster 1896 ein. Ab 1906 importierte die Firma Fahrzeuge des französischen Luxuswagenherstellers Delaunay-Belleville und ab 1914 rolling chassis von Rolls-Royce, die dann in New York karossiert wurden. Als Rolls-Royce 1921 ein Tochterunternehmen in Springfield aufbaute und die Chassis für den amerikanischen Markt dort herstellen ließ, wurden auch diese wiederum hauptsächlich von Brewster eingekleidet. Nach dem ersten Weltkrieg zählte dieses Karosseriehaus zu den exklusivsten in den USA und galt als Synonym für Luxus und Eleganz. Die Weltwirtschaftskrise setzte Brewster dann so stark zu, dass die Firma 1935 schließlich in Insolvenz ging.
Zwischen den Phantom I aus England und denen aus den USA gab es einige Unterschiede
So waren die „amerikanischen“ Phantoms oft besser ausgestattet und waren etwa mit einer Zentralschmierung nach Bijur-System versehen, besaßen thermostatgesteuerte Kühlerjalousien und serienmäßig Stoßstangen. Letztere wurden, so sagt man, von Henry Royce missbilligt, da seiner Meinung nach nur schlechte Autofahrer Stoßstangen benötigten. Unterschiede gab es auch beim langen Radstand, der beim US-Modell 10 cm kürzer war als beim englischen Phantom. Außerdem wurden für die US-Versionen andere Getriebe verwendet. Statt eines Viergang-, kam ein Dreiganggetriebe zum Einsatz.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Reihensechszylinder
Hubraum: 7668 ccm
B x H: 107,9 mm x 139,7 mm
Leistung: keine Angabe von Rolls-Royce; ca. 100 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 145 km/h
Getriebe: unsynchronisiertes Dreiganggetriebe
Antriebsart: Hinterradantrieb
Chassis: Kastenrahmen
Karosserie: Limousinen-Aufbau von Brewster
Vorderradaufhängung: starr an halbelliptischen Blattfedern
Hinterradaufhängung: Starrachse an Cantileverfedern
Bremsen: Servo-Trommelbremsen
Radstand: 3721 mm
Länge: 5563 mm
Breite: 1829 mm
Höhe: 1800 mm
Gewicht: 1450 kg-Fahrgestell
Verbrauch: l/100 km
Bauzeit: 1926-1931 (Produktion in den USA)
Stückzahl: ca. 1241 Ex. (in den USA)