Der von 1963 bis 1968 angebotene Jaguar S-Type war ein technisch ausgefeilterer, noch luxuriöserer und leicht vergrößerter Mark II mit der Hinterachse des E-Type und veränderter Heckgestaltung. Er füllte den Platz zwischen dem Mark II und dem großen Mark X. Zu haben war der S-Type mit den bewährten 3,4 oder 3,8 l-dohc Reihensechszylindermotoren von Jaguar. Auch ein Automatikgetriebe von Borg Warner konnte geordert werden. Wie der Jaguar Mark II war auch der S-Type eine sportliche, viertürige Limousine der Oberklasse, die elegant, luxuriös, geräumig und vor allem schnell war
Die Sportwagenmarke von Sir William Lyons aus Coventry, einem Zentrum der britischen Auto,- und Motorradindustrie, zählt zu den bedeutensten Automarken Englands. Vor allem mit seiner XK-Baureihe hatte Jaguar die Herzen vieler wohlsituierter Sportwagenfans auf der ganzen Welt erobert. Das gleiche gelang Jaguar mit seinen modernen Sportlimousinen Mark I (erster Jaguar mit selbsttragender Karosserie) und noch mehr ab 1959 mit dem ansprechend geformten Mark II. Für sie wurde der Werbeslogan „grace, space and pace“ (Grazie, Raum und Tempo) zum Motto. Mit dem vom Rennwagenbau abgeleiteten E-Type, der in den USA vor allem der Corvette von Chevrolet Konkurrenz machen sollte, brach ein modernes Zeitalter mit etlichen technischen Finessen bei Jaguar an.
Der S-Type besaß die aufwendige Hinterachskonstruktion des E-Type
Die einzeln aufgehängten Hinterräder saßen wie beim E-Type an Dreiecklenkern, mittragenden Doppelgelenk-Antriebswellen, zusätzlichen Querlenkern und doppelten Schraubenfedern. Diese Art der Hinterradaufhängung verhinderte ein Übersteuern des Fahrzeugs. Die Radaufhängung samt innenliegenden Stoßdämpfern und selbstsperrendem Differential waren in einen elastisch über Gummielemente an der Karosserie befestigten Hilfsrahmen integriert. Da die Konstruktion mehr Platz einnahm als die starre Hinterachse des Mark II war eine Änderung der Heckpartie ( Mark X-ähnlich) erforderlich um eine kommode Kofferraumgröße zu erhalten. Die Vorderräder waren wie beim Mark II an doppelten Dreiecksquerlenkern samt Schraubenfedern und Stabilisator aufgehängt. Verzögert wurde mit servounterstützten Dunlop-Scheibenbremsen.
Als Antriebsaggregat diente der schon vom XK bekannte Reihensechszylinder mit zwei oben liegenden Nockenwellen, siebenfach gelagerter Kurbelwelle und Alu-Zylinderkopf
Für den S-Type gab es ihn in modifizierter Form entweder mit 3,4 l Hubraum oder mit 3,8 l Hubraum. Das abgebildete Exemplar besitzt den größeren Motor und das auf Wunsch erhältliche, neue und am Lenkrad betätigte Automatik-Getriebe von Borg Warner (Typ 8 ab 1965). Er leistete 220 PS bei 5500 U/min und brachte die Limousine in 11 Sekunden auf 100 km/h. Serienmäßig ausgestattet war das Modell mit einem ab 1965 vollsynchronisierten Viergang-Schaltgetriebe, das es auf Wunsch auch mit einem elektrisch zuschaltbaren Overdrive von Laycock de Normanville gab. Auch die sonstige Ausstattung war einem Oberklassemodell entsprechend exzellent. So kam im Innenraum der Sportlimousine viel Holz, Leder und feinster Wollstoff sowie eine reichhaltige und hochwertige Instrumentierung mit sieben (zwei große, fünf kleine) Rundinstrumenten von Smiths zum Einsatz.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Reihensechszylinder
Hubraum: 3781 ccm
B x H: 87 x 106 mm
Leistung: 220 PS bei 5500 U/min
Verdichtung: 8:1
Beschleunigung: 11 sec. 0-100 km/h
Höchstgeschwindigkeit: ca. 195 km/h
Vergaser: zwei SU-Vergaser
Getriebe: Vierganggetriebe mit zuschaltbarem Overdrive (Option) oder Borg-Warner-Automatik als Option
Antriebsart: Hinterradantrieb
Bremsen: servounterstützte Scheibenbremsen
Vorderradaufhängung:doppelte Dreieckquerlenker, Schraubenfedern, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Doppelquerlenker (Antriebswellen als obere Querlenker), Längslenker, doppelte
Schraubenfedern, gummigelagerter Hilfsrahmen
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit Hilfsrahmen
Radstand: 2727 mm
L x B x H: 4770 x 1695 x 1380 mm
Gewicht: ca. 1500 kg
Verbrauch: ca. 19 l auf 100 km
Preis: 1966 3.8 l S-Type-27150,-DM mit Automatikgetriebe
Bauzeit: 1963-1968
Stückzahl: 15135 Ex.