Das zwischen 1960 und 1964 gebaute und hauptsächlich für den amerikanischen Markt gedachte Amphicar Modell 770 war das erste zivile und in einer größeren Serie produzierte Amphibienfahrzeug Deutschlands. Das dem Geschmack des amerikanischen Markt entsprechend mit ausgeprägten Heckflossen bestückte Cabriolet besaß zwei dreiblättrige Polyamid-Schrauben, ein Vierganggetriebe samt zusätzlichem Wendegetriebe für den Schwimmbetrieb und den langhubigen, im Heck platzierten 1,2 l ohv Reihenvierzylindermotor des Triumph Herald. Damit erreichte es 12 km/h im Wasser und 110 km/h an Land. Entworfen wurde es vom Schwimmwagenpionier Hans Trippel und gebaut von den Industriewerken Karlsruhe, die der Familie Quandt gehörten
Die Fertigung der dichtgeschweißten Karosserien übernahm eine zu den Industriewerken zählende Werft in Lübeck. Fertig gestellt wurde das Amphicar dann bei der DWM (Deutsche Waggon und Maschinenfabrik) in Berlin.
An geländegängigen Amphibienfahrzeugen versuchten sich eigentlich schon seit der Frühzeit des Automobils viele Hersteller. Verstärkt trat dieses Phänomen dann in den 60er und 70er Jahren auf, dem Zeitalter der Funmobile. Die wenigsten von ihnen stellten jedoch ein wirklich zufriedenstellendes Fahrzeug auf die Beine. Der Wunsch völlig unabhängig von Straßen und Brücken zu sein, war natürlich schon immer vorhanden. So versuchten über die Jahrzehnte hinweg sicherlich hunderte Autobauer so einen Alleskönner zu konzipieren. Allerdings stellte sich zumeist schon bald heraus, dass es gar keinen großen Bedarf an derartigen Fahrzeugen gab. Die meisten Leute wollten schlicht ein normales Auto fahren. Selbst beim Militär fristeten solche Schwimmwagen bald ein Dasein als pure Spaßfahrzeuge, weil sie sich für den echten militärischen Einsatz dann doch nicht eigneten.
Auch das Amphicar krankte an dem großen Problem fast aller Schwimmwagen
So ließen sie sich prima auf der Straße fahren, man konnte auch gut ins Wasser hineinfahren und im Wasser herumfahren. Ihr großes Manko zeigte sich aber, wenn man versuchte, wieder aus dem Wasser herauszukommen, denn die Fahrzeuge hatten keinen Allradantrieb. Wenn man nämlich versuchte auch die lenkenden Vorderräder anzutreiben, geriet Wasser und Dreck ins Getriebe. Deswegen ließ man das bleiben und trieb nur die Hinterräder an. Ohne Allradantrieb hatte man aber in der Regel nicht genug Traktion, um ein Fahrzeug im schweren Gelände zu bewegen. Schon gar nicht, ein Gewässer wieder zu verlassen. Deshalb benötigte auch das Amphicar eine flache Uferstelle, um wieder aus dem Wasser herauszukommen. Natürlich waren solch ideale Zustände oft einfach nicht gegeben. Erst der Solo Typ 750 von 1971 stellte sich als ein wirklich geländegängiges Amphibienfahrzeug heraus.
Das Amphicar war eine interessante Konstruktion, stellte aber an seinen Besitzer einige Anforderungen
Das Fahrzeug besaß eine selbsttragende und verstärkte Ganzstahlkarosserie, deren Unterteil als geschlossene Wanne geformt war. Die Dichtigkeit der Türen erreichte man über spezielle Dichtungen und eine zweite Verriegelung von innen. Es gab eine serienmäßige Pumpe im Motorraum, ein Positionslicht und ein Signalhorn auf der Frontpartie sowie ein Positionslicht an einem Mast auf dem Heckdeckel. Achten musste man nach jedem Wassergang nicht nur auf die Trocknung der hydraulischen Duplexbremsen, das Fahrzeug musste dann auch gesäubert und an vielen Stellen geschmiert werden. Dazu musste man es aufbocken und die Rückbank ausbauen.
Hans Trippel hoffte in den USA, wo auch das Vorserienmodell 1960 auf der New York Motor Show als erstes vorgestellt wurde, einen großen Absatzmarkt für sein Amphicar zu finden. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung
Verkauft wurden von 1960 bis etwa 1964 (1963 endete die Produktion, zusammengebaut wurden einige Fahrzeuge aber auch noch später) lediglich etwa 3500 Exemplare.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Vierzylinderreihenmotor im Heck
Hubraum: 1147 ccm
B x H: 69,3 x 76 mm
Leistung: 38 PS bei 4700 U/min
max. Drehmoment: 80 Nm bei 2500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: zu Land 110 km/h; zu Wasser 12 km/h
Antriebsart: Heckantrieb
Getriebe: Vierganggetriebe; Wendegetriebe zu Wasser
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit Verstärkung
Vorderradaufhängung: gezogene Längschwingen, Längslenker, Schraubenfedern
Hinterradaufhängung: gezogene Längsschwingen, Schraubenfedern
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen
Radstand: 2100 mm
Bodenfreiheit: 253 mm
L x B x H: 4330 x 1565 x 1520 mm
Gewicht: 1050 kg
Preis: 11200 DM