Torpedo - Kinderroller

Die Torpedowerke der Brüder Peter und Heinrich Weil bauten seit 1896 Fahrräder in Rödelheim, einem Stadtteil von Frankfurt am Main. Später kamen mit zumeist Einbaumotoren von Fichtel & Sachs bestückte Zweiräder hinzu. In den 50er Jahren wurden auch Mopeds und Leichtmotorräder mit Einbaumotoren angeboten. Neben Zweirädern war ab circa 1907 der Bau von Schreibmaschinen das zweite Standbein der Firma. Die Bedeutung des Büromaschinensegment überflügelte in den 50er Jahren das Gewicht des Zweiradbaus. Kinderfahrräder und Kinderroller bot das Unternehmen in den 50er und auch noch in den frühen 60er Jahren an

Als sie 1896 mit dem Fahrradbau begannen, orderten die beiden Brüder die Teile anfangs noch in England. Bald schon bauten sie die Fahrräder allerdings komplett selbst. Im Repertoire hatte die Marke Herren,- und Damenräder, Lastenräder sowie Sport,- und Rennräder. Die Zweiradprodukte der Torpedowerke waren für ihre gute Qualität bekannt. „Leichtlaufend, stabil und zuverlässig“ war das Motto, das die Firma für ihre Zweiradprodukte ausgab. Auch der Kinderroller zeichnete sich durch seine Stabilität und Robustheit aus. Er war gut zu handhaben und auf Sicherheit ausgelegt mit seinem breiten und rutschfesten Trittbrett, den Scheibenrädern mit dicker 8 ½ x 2 Nylon-S Gummibereifung von Continental und der griffigen Hinterrad-Stempelbremse. Belastbar war der bis auf etwa 95 cm höhenverstellbare Roller bis circa 100 kg. Zu haben war der für Kinder und Jugendliche angebotene Roller in den Farben rot, blau und grün.

Nicht nur die Schreibmaschinen der Torpedowerke wurden auch in die USA exportiert, sondern ebenso die Zweiradprodukte des Unternehmens. Schließlich zählten die Torpedowerke seit 1931 zum amerikanischen Sperry Rand-Konzern, zu dem auch der Büromaschinenhersteller Remington Rand gehörte. Remington baute bereits 1874 Schreibmaschinen in Massenfabrikation (anfangs gebaut in den Waffenschmieden von Remington Arms). Etliche berühmte amerikanische Schriftsteller schrieben auf einer Remington, so auch Mark Twain

Da die Geschäfte in den 20er Jahren blendend liefen, wollte sich Torpedo vergrößern und benötigte dafür Geld. Deshalb wandelte man das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Die amerikanische Sperry Rand, die übrigens in den frühen 50er Jahren auch Computer herstellte, übernahm in den 30er Jahren die Aktienmehrheit.

Die Zweiradkrise der späten 50er Jahre traf auch die Torpedowerke hart, so dass die Zweiradproduktion, zu der natürlich auch der Kinderroller zählte, eingestellt wurde. Die Zweiradfirma Rixe erwarb die Namensrechte und verkaufte die Restbestände von Torpedo noch bis in die frühen 60er Jahre

Auch die Schreibmaschinen der einst für ihre hochwertigen Produkte so bekannten Firma verkauften sich im Laufe der 60er Jahre immer schlechter. Das lag zum einen daran, dass die Konkurrenz mit Olympia und Triumph Adler sehr stark und innovativ war und zum anderen an der mangelnden Entwicklungsfreude der Rödelheimer, die den Trend zur preisgünstigen elektrischen Schreibmaschine verschlafen hatten. Die Amerikaner versuchten noch durch einen Zusammenschluss von Torpedo und ihrer Tochter Remington Rand, die mit ihren Elektroprodukten wie Elektrorasierern und Mikrofilmgeräten sehr gut in Deutschland im Geschäft waren, die Verluste auszugleichen, verloren dann aber das Interesse und verkauften ihre Anteile. Im Frankfurter Werk wurden nur noch bis 1973 Buchungs,- und Frakturiermaschinen hergestellt.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeTorpedo
ModelKinderroller
Baujahrca. 1960

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