Die Adler-Werke aus Frankfurt am Main waren schon früh bekannt für ihre qualitativ hochwertigen Fahrräder, Schreibmaschinen, Motorräder und Automobile. Adler sollte bald zu einem der größten Automobilproduzenten und später auch zu einem der bedeutendsten Motorradherstellern Deutschlands werden, begonnen hatte aber alles, wie so oft, mit dem Fahrrad. Denn Adler war einst auch der größte Fahrradproduzent dieses Landes
Die ersten Autos baute Adler 1899. Zwei Jahre später folgten die ersten Motorräder, die in der Frühzeit allerdings nur bis 1909 gebaut wurden. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde dieser Produktionszweig wieder aufgenommen. Fahrräder baute Heinrich Kleyer jedoch schon viel früher, denn mit ihnen begann die Geschichte der Adler-Werke, die aus der ersten deutschen Fahrradfabrik, der Heinrich Kleyer GmbH von 1885 hervorgingen.
Heinrich Kleyer war ein passionierter Rennradfahrer
Mit dem Fahrrad-Virus infizierte sich der junge Kleyer 1879 bei einem Arbeitsbesuch,- er war als Ingenieur für das Hamburger Maschinen-Importhaus Biernatzky & Co tätig-, in den USA, als er dort ein anlässlich des Unabhängigkeitstages in Boston veranstaltetes Hochradrennen besuchte. Davon war er so begeistert und von der Zukunft des Velocipedes so angetan, dass er zuhause angekommen gleich 1880 eine Maschinen,- und Fahrradhandlung in Frankfurt am Main gründete, aus der 1885 die Heinrich Kleyer GmbH hervorging, woraus dann die bald zur Aktiengesellschaft umformierten Adler-Werke wurden. Anfangs verkaufte Kleyer aus England importierte Fahrräder, doch schon ein Jahr später begann die eigene Fertigung, denn bereits Anfang der 1880er Jahre ließ Kleyer nach seinen Anweisungen Dreiräder und Hochräder bei der Maschinenfabrik Spohr & Krämer herstellen. Damit war Kleyer der erste Fahrradhersteller in diesem Land. Außerdem hatte er ungefähr zur selben Zeit begonnen selbst Radrennen zu fahren und baute in Frankfurt am Main eines der ersten Velodrome in Deutschland sowie eine Schul,- und Schauradfahrbahn. Auf sein Konto ging auch 1881 die Gründung des Frankfurter Bicycle Clubs.
Das erste Fahrrad mit dem Markennamen Adler entstand 1886. Es war das erste Niederrad in Deutschland. Auch das erste Fahrrad mit Luftreifen hierzulande stammte 1893 von Adler
Das Niederrad entsprach dem neusten Stand der damaligen Fahrradtechnik und wurde als Sicherheitsrad bezeichnet. Als erster war damit die Marke Rover in Großbritannien nach der Entwicklung des Engländers John Kemp Starley herausgekommen. Diese Fahrradbauart mit rautenförmigem Rahmen, auch Diamantrahmen genannt, mit gleich großen Rädern, Pedalantrieb zwischen den Rädern und Kette zum Hinterrad begründete den bis heute gebräuchlichen Standard. Kleyer war übrigens nicht nur einer der ersten, der für Fahrräder Vollgummireifen verwendete. Komfortable Luftreifen von John Boyd Dunlop aus Dublin sollten 1893 rasch folgen. Das kam nicht von ungefähr, denn der weitsichtige Kleyer war auch am Dunlop-Zweigwerk im nahen Hanau beteiligt.
Die Adler-Werke belieferten auch bald das Militär mit Fahrrädern
Ab 1887 avancierte Kleyer zum Lieferanten des „Königlich Preußischen Kriegsministeriums“, denn auch dort hatte man die Vorteile der neuen, unabhängigen Beweglichkeit durch das Zweirad bzw. Dreirad entdeckt und vergab an Adler umfangreiche Staatsaufträge.
Adler-Fahrräder wurden bis in die 50er Jahre hinein produziert
Nicht erst mit der Übernahme durch Grundig 1957, der Triumph und Adler zu einem Büromaschinenhersteller zusammenführte, kam das Ende für die Adler-Fahrradproduktion, denn sie wurde bereits 1954 eingestellt. Schließlich zählten Adler-Fahrräder nicht zu den günstigsten Produkten in diesem Segment und das in einer Zeit, in der die Nachfrage nach Fahrrädern durch die Motorisierungswelle der 50er Jahre enorm schrumpfte. Da hatten die vielen Wettbewerber am Markt, die günstigere Fahrräder anboten, die Nase vorn.
Das abgebildete Damenrad mit stabilem Doppelrohrrahmen in eleganter Schwanenhalsform, Stempelbremse und fünfteiligem Kettenblatt-Design zählte zu den Ausführungen der 50er Jahre. (Der Sattel ist allerdings neueren Datums).
Fotos & Text: Marina Block