Carl Winkelsträter, der Großvater von Ernst Hecker, hatte das Unternehmen Record-Winkelsträter bereits 1858 im westfälischen Städtchen Schwelm-Möllenkotten gegründet
Anfangs baute man vor allem Waschfässer für die ganze Familie bis sich die Firma dann auf die Produktion von Waschmaschinen, Wringmaschinen, Wäschemangeln, Kinderwagen und Puppenwagen konzentrierte. In den 50er Jahren kam zudem noch die Produktion des sehr stabilen und mit dicken Gummirädern versehenen Hecker-Kinderrollers aus Metall hinzu.
Hecker-Kinderwagen waren für ihre gute Qualität und ihr ansprechendes Design bekannt. Es wurden auch exklusive Promenaden-Kinderwagen hergestellt
Die Firma machte Werbung damit, dass ihre Kinderwagen allesamt von Fachingenieuren entwickelt wurden, die verwendeten Metallteile über eine mehrfache, eine absolute Rostfreiheit garantierende Hochglanz-Panzer-Vernickelung verfügten und die Wagen eine sehr komfortable Federung böten. Besonderen Wert legte man auch auf den Hinweis, dass die Peddigrohr-Verflechtung aller Korbmodelle in einer eigenen Fabrik durch Fachleute der oberfränkischen Korbindustrie hergestellt wurde. Später verwendete man statt Peddigrohr auch Kunststoff. So besaß der abgebildete Wagen aus den 50er Jahren ein Kunststoffgeflecht. Er konnte zerlegt und zu einem Sportwagen umgebaut werden.
In Deutschland gab es mehrere Zentren des Kinderwagenbaus
Im sächsischen Städtchen Zeitz kam es bereits im 19. Jahrhundert, inspiriert von der englischen Kinderwagenindustrie, zu einem regelrechten Boom an Kinderwagenproduzenten. Bereits 1875 existierten dort 13 Hersteller. Die Stadt in Sachsen-Anhalt entwickelte sich zu einer regelrechten Hochburg an Kinderwagenbauern und belieferte bald Kunden auch über die Grenzen hinaus. Naether, der erste und größte Kinderwagenproduzent dieser Region, bot 1896 in seinem Katalog schon gut 100 verschiedene Modelle an. Zu DDR-Zeiten wurden die Hersteller in der VEB Zekiwa zusammengefasst.
Ein zweiter früher Standort der Kinderwagenindustrie war Rothenburg ob der Tauber. Hier bauten zum Beispiel die Firmen Heinrichmaier & Wünsch unter dem Markennamen Bavaria und Haag & Saalmüller unter dem Markennamen Hasa ebenfalls seit dem späten 19. Jahrhundert Kinderwagen, Puppenwagen und Kindermöbel. Außerdem war in Oberfranken eine exzellente Korbindustrie zu Hause. Gebaut wurden Kinderwagen aber natürlich, wie etwa Hecker, auch in anderen teilen Deutschlands. Allerdings traten die Hersteller in diesen Regionen nur vereinzelt und nicht geballt auf.
In der Wirtschaftswunderzeit war der enge Bezug zum Automobildesign sehr auffällig
War es einst der Kutschenbau, der einen Anhaltspunkt für den Kinderwagenbau bot, so wirkte nach dem zweiten Weltkrieg vor allem das Automobil inspirierend. So kamen Schutzbleche für die Räder, verchromte Stoßstangen, Scheibenräder, Zierleisten, Verdeckführungen wie beim Cabriolets-Verdeck, sogar gelegentlich Rücklichter und etliche andere automobile Details in Mode. Vor allem verchromte Elemente, geschwungen barocke Linien oder die Pontonform spielten in den 50er Jahren, wie beim Automobil, eine wichtige Rolle.
Fotos & Text: Marina Block